Westhoff-Krummacher wird 90 Jahre alt
„Miss Marple der Kunstgeschichte“ – klug und gewitzt

Münster -

Lange vor „Bares für Rares“ hat diese Münsteranerin im Fernsehen mit „Gekauft, gesammelt und geerbt“ für Furore gesorgt. Doch im Gegensatz zu Moderator Horst Lichter ist Dr. Hildegard Westhoff-Krummacher selbst Expertin und eloquent sowieso – bis heute.

Donnerstag, 24.09.2020, 11:50 Uhr
Dr. Hildegard Westhoff-Krum­macher
Dr. Hildegard Westhoff-Krum­macher Foto: Atelier Dagmar Ossig

Lange vor „Bares für Rares“ hat diese Münsteranerin im Fernsehen mit „Gekauft, gesammelt und geerbt“ für Furore gesorgt. Doch im Gegensatz zu Moderator Horst Lichter ist Dr. Hildegard Westhoff-Krummacher selbst Expertin und eloquent sowieso – bis heute. Am Donnerstag (24. September) vollendet die „Miss Marple der Kunstgeschichte“ ihr 90. Lebensjahr.

Ausstellungen wie „Fürstenberger Porzellan“ und über den westfälischen Maler Johann Christoph Rinck­lake begeisterten. Steigende Besucherzahlen und eine große „Fan-Gemeinde“ waren die Folge. Legendär und von der Presse gefeiert wird ihre „höchst originelle“ und „köstliche“ Ausstellung „Als die Frauen noch sanft und engelsgleich waren“, deren Plakat bis heute in einigen Wohnungen hängt. Mit Klugheit und Witz zeigte sie die Sicht der Frau in der Zeit der Aufklärung und des Biedermeier, entlarvte dadurch männliche Sichtweisen. „Es wurde noch nie so viel gelacht im Landesmuseum“, erinnert sich Westhoff-Krummacher. Und die Leute standen Schlange bis zur Post. Ausstellung und Katalog hatten wohl etwas Wegweisendes; das Werk aus Münster ist weltweit verbreitet. Exemplare liegen im Metropolitan Museum in New York, im Getty Museum in Los Angeles, in Cambridge und Oxford. Obwohl die Texte deutschsprachig sind, befindet sich der Katalog ebenfalls in vier zentralen Bibliotheken Frankreichs. Selbst ein Museumsdirektor aus Süd-Korea wurde vorstellig: „Er hatte das dringende Bedürfnis, mir persönlich eine Schachtel Pralinen zu überreichen.“

Hildegard Westhoff-Krummacher kam nach Studium und Promotion in Bonn, nach Museumsausbildung und Assistenzzeit am Wallraf-Richartz-Museum in Köln durch Heirat 1964 nach Münster. Ab 1985 lehrte sie neben ihrer Tätigkeit am Museum Kunstgeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität, schrieb für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Bis 1996 wirkte die Kustodin am Westfälischen Landesmuseum, wie es damals noch hieß. Geschätzt, ja bewundert wurde sie für ihre profunden Kenntnisse des 18. und 19. Jahrhunderts, ihre geschliffene Formulierungskunst und vor allem ihren eleganten Humor. Über den engagierten Freundeskreis des Landesmuseums erstritt sie mit Temperament und Beharrungsvermögen viele Neuerwerbungen, meist Silber- und Porzellanobjekte.

Bis heute lebt die umtriebige Mutter zweier Söhne in Münster.

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