Gesellschaft für Neue Musik im Pumpenhaus
Durch unglaubliche Perfektion im Sog unerhörter Klänge

Münster -

Das Equipment war beeindruckend: Keyboards, Videoleinwand, ein Riesenarsenal an Schlagins­trumenten, Schaltern, Steckern, Reglern. Im Theater im Pumpenhaus gehört dergleichen indes zum üblichen Handwerkszeug, wenn Neue Musik angesagt ist.

Montag, 28.09.2020, 17:42 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 19:04 Uhr
Mit den Bildern einer rasanten Diashow musste Schlagzeuger Julien Mégroz in „White eyes erased“ mithalten.
Mit den Bildern einer rasanten Diashow musste Schlagzeuger Julien Mégroz in „White eyes erased“ mithalten. Foto: Chr. Schulte im Walde

Das Equipment war beeindruckend: Keyboards, Videoleinwand, ein Riesenarsenal an Schlagins­trumenten, Schaltern, Steckern, Reglern. Im Theater im Pumpenhaus gehört dergleichen indes zum üblichen Handwerkszeug, wenn Neue Musik angesagt ist. Am Sonntagabend beim finalen Konzert des dreiteiligen Klang-Zeit-Zyklus’ waren es dezibelstarke Ereignisse, die da aus Boxen, Becken und Trommeln tönten. Mit Julien Mégroz am Schlagwerk, Gilles Grimaitre an den Tasten. Sie bilden das in der Schweiz beheimatete Duo „Hyper Duo“, bei diesem Programm unterstützt von Robert Torche in der Technik.

Gut 60 Minuten Musik, die zwischen kreativen Anleihen an die Tradition, Überschreitung von Grenzen, einer Portion Ironie sowie nicht zuletzt auch Humor hin und her schwankten. Mit seinem Stück „Boire“ etwa schickt Komponist Nicolas von Ritter-Zahony eine Botschaft zum Thema Alkoholismus in die Welt, Sarah Nemtzov lässt in „White eyes erased“ sekundenschnell Gesichter auf der Leinwand aufflackern, die immer wieder abrupt gemeinsam mit der Musik verschwinden.

Man muss als Zuhörer und Zuschauer nicht unbedingt nach dem tieferen Sinn dieser Kompositionen forschen – man kann sich auch einfach in den Sog unerhörter Klänge hineinziehen lassen wie in Wolfgang Heinigers „Heimat II“. Oder das Zwerchfell aktivieren wie in „Cadavre exquis“ aus der Feder der beiden „Hyper Duo“-Solisten. Was in jedem Augenblick fasziniert, ist nicht nur die unglaubliche Perfektion, mit der jeder Einzelne sein Instrumentarium bearbeitet, sondern auch die phänomenale Synchronität im Zusammenspiel.

Nach dem Auftritt der Ensembles „Studio Musik-Fabrik“ am Freitag und „hand werk“ am Samstag im Pumpenhaus war „Hyper Duo“ sicher das unkonventionellste Programm dieses Triptychons mit zeitgenössischen Kompositionen. Schön, dass es diese Mini-Ausgabe der Klang-Zeit überhaupt gegeben hat. Andernorts sind vergleichbare Festivals ganz abgesagt und verschoben worden.

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