Ansgar Wallenhorst beim Orgelherbst in St. Joseph
Hochzeitiges jenseits der Schlager

Dienstag, 20.10.2020, 16:45 Uhr
Ansgar Wallenhorst
Ansgar Wallenhorst Foto: Christoph Schulte im Walde

Aber es ging gottlob nicht nur um die sattsam bekannten „Schlager“, die sich Brautpaare immer noch und zum Leidwesen vieler Kirchenmusiker zur Trauung wünschen. Nein, neben Bachs „Air“ und Händels „Hornpipe“ gab es auch majestätischen Mendelssohn. Und viel Französisches wie das anmutige „Cantabile“ von César Franck oder das „Andante“ aus der selten gespielten 4. Sinfonie von Charles-Marie Widor.

Frankreich und seine große, Jahrhunderte alte Orgeltradition liegt Ansgar Wallenhorst besonders am Herzen. Der virtuose Orgelkünstler von St. Peter und Paul in Ratingen, der einige Jahre auch in Münsters Mauritz-Kirche gewirkt und dort deutliche Impulse gegeben hat, ist durchdrungen von der klanglichen Ästhetik unseres westlichen Nachbarn, was sich im packenden Zugriff auf Louis Viernes „Marche nuptiale“ äußerte, im knackig auf die Tasten gelegten „Finale“ aus Viernes 1. Sinfonie – und natürlich auch in den beiden Improvisationen. Wobei sich die erste, die Wallenhorsts Orgelstunde mittig teilte, als veritable Triosonate entpuppte: Allegro-Largo-Allegro. Das alles zum Thema „Lobe den Herren“. So hätten auch die großen französischen Improvisatoren ihre deutsch-barocke Studie angelegt.

So richtig heimisch war Wallenhorst aber im Sinfonischen. Da schwelgte er in satten Tönen, ließ wieselflinke Arabesken funkeln, fand aparte, mitunter bizarre Klangfarben für die zweite Improvisation zum Abschluss des Programms. „Wedding music“ mit höchst persönlichem Bezug, war sie doch Josephs-Kantor Winfried Müller und seiner Gattin gewidmet. Die in Töne gesetzten Vornamen des Paares lieferten das Thema – und dann mischte sich auch noch „Der Mond ist aufgegangen“ ins Geschehen, raffiniert miteinander verwoben und mit den letzten Takten wie im himmlischen Nichts verschwindend. Mal eine schöne Alternative zum meist üblichen Fortissimo. Großer Beifall der zahlreichen Zuhörer – und als Zugabe Viernes „Wiegenlied“ als Betthupferl.

Am Sonntag (25. Oktober) um 20 Uhr spielt Winfried Müller das letzte Konzert im „Orgelherbst“.

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