Kulturquartier als „vorbildlich“ zertifiziert
„Winterhilfe“ vonnöten

Münster -

Das Kulturquartiert ist ein zertifiziertes Gemeinwohlunternehmen. Damit es wirtschaftlich überleben kann, benötigt es dringend Hilfe.

Freitag, 18.12.2020, 19:03 Uhr
Im Sommer durfte Jan Loechel noch im Kulturquartier Garten auftreten – das Publikum saß auf Picknickinseln.
Im Sommer durfte Jan Loechel noch im Kulturquartier Garten auftreten – das Publikum saß auf Picknickinseln. Foto: Rainer Kossow

„Das Kulturquartier Münster ist 2015 ehrenamtlich angetreten, um Menschen zu verbinden. Es ist ein freier Ort für alle, an dem Musik, Ökologie und gesellschaftliche Entwicklung ein Zuhause haben“, sagt sein Geschäftsführer Thomas Grollmus. Das Kulturquartier ist seitdem gewachsen – durch das Engagement der Menschen, die hier ein- und ausgehen, die ihrer Arbeit und Leidenschaft nachgehen. Gewachsen durch Münsteraner – als Unterstützer, Besucher oder Helfer im Haus, Garten oder bei Veranstaltungen.

Durch die Beschränkungen der Pandemie wird vermutlich bis zum Frühjahr 2021 nur ein minimaler Betrieb im Kulturquartier stattfinden können. Damit steht dieser besondere Ort wirtschaftlich vor einer sehr schwierigen Situation. Es brauche jetzt Hilfe, so Grollmus, damit es das Quartier auch in Zukunft gibt: „So eine freie kulturelle Begegnungsstätte, in der auch Menschlichkeit und freundliches Miteinander gelebt werden, muss erhalten bleiben, weiter wachsen und Positives bewirken können.“

Mit vielfältiger Unterstützung durch Menschen aus Münster und Umgebung konnte das Kulturquartier diesen Weg trotz Schließung im Frühjahr 2020 weitergehen und im Sommer sogar wieder zu Open-Air-Konzerten einladen. Die stille Zeit in diesem Jahr wurde zudem kreativ und fleißig genutzt, um Möglichkeiten zu schaffen, die allen Kulturschaffenden und Besuchern zugutekommen werden, sobald wieder normal geöffnet werden darf. So gibt es jetzt einen Gemüsegarten, in dem bereits Kartoffeln und Tomaten geerntet wurden. Das Team will Gästen Gemüse im jahreszeitlichen Wandel anbieten.

Das ehrenamtliche Team hat die freie Zeit und den Leerstand im Frühjahr ferner genutzt, um mit viel Eigenarbeit die Küche fertigzustellen und eine Outdoorküche zu gestalten. Dadurch ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten für zukünftige Veranstaltungen und Angebote von Mietern und für Besucher. Beatrix Pluta (Gesellschafterin Kulturquartier): „Ganz besonders liegt dem Kulturquartier der Gedanke der Gemeinwohlökonomie am Herzen. Unabhängig von finanziellen Bilanzen wird unternehmerischer Erfolg neu und anders ‚gemessen‘. Dies geschieht anhand von Indikatoren, die die Werte Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit sowie demokratische Mitbestimmung und Transparenz abbilden.“

Nachdem das Kulturquartier 2016 als eines der ersten sechs Unternehmen in Münster eine Gemeinwohlbilanz erstellt hatte, wurde 2020 für eine erneute Zertifizierung genutzt. Im Rahmen der externen Auditierung wurde das Kulturquartier Münster insgesamt mit „vorbildlich“ bewertet und dient jetzt als Best-Practice-Beispiel. Aus dem Auditbericht: „Das Kulturquartier ist eine Inspiration, weil Gemeinschaft und Verantwortung gegenüber Mensch und Natur in vielfältigen Angeboten und Sinn(es)erlebnissen nahegebracht werden und damit unterschiedlichste Menschen erreicht werden.“

Rainer Kossow (Geschäftsführer Kulturquartier): „Das Team vom Kulturquartier will, dass sich jeder im Kulturquartier willkommen und zuhause fühlen kann. An einem Ort, der letztendlich sich selbst gehören soll, damit er langfristig, frei und unabhängig Gutes für die Menschen in und um Münster bewirken kann.“ Diesen Weg werden die Menschen im Kulturquartier „voller Mut und Freude weitergehen. Und diese Erfahrung ist besonders erfüllend, wenn sie gemeinsam mit anderen erlebt wird“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Weitere Informationen zur „Winterhilfe 2020“ für das Kulturquartier:

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7730582?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
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