Neuer Fotoband von Tim Hackemack
Momentaufnahmen von Musikern

Münster -

Keine Museen, keine Galerien, keine Musik: Wegen Corona ist es still geworden um die Kunst. Ein Fotoband über Punkrockbands aus aller Welt bei Konzerten verdeutlicht jetzt, was in diesem Jahr abrupt verloren gegangen ist.

Mittwoch, 30.12.2020, 18:44 Uhr aktualisiert: 30.12.2020, 18:56 Uhr
Die New Yorker Band „Agnostic Front“ zählt zu den ältesten Hardcore-Punk-Gruppen, die heute noch aktiv sind. Tim Hackemack (kl. Bild) hat die Band fotografiert.
Die New Yorker Band „Agnostic Front“ zählt zu den ältesten Hardcore-Punk-Gruppen, die heute noch aktiv sind. Tim Hackemack (kl. Bild) hat die Band fotografiert. Foto: Hackemack

Drei Bücher in fünf Jahren. Insgesamt über 1300 Seiten. Das ist mehr als jeden zweiten Tag eine Seite. Tim Hackemack wird so schnell nicht langweilig. Sein dritter Fotoband „Hit the Stage“ ist gerade erschienen. Dieses Mal liegt der Schwerpunkt auf Musik, präziser Punkrock. Und zwar dort ins Bild genommen, wo er hingehört und wovon in diesem Jahr nicht so viel zu hören, vor allem aber zu sehen war. „Wer hätte mal gedacht, dass man verschwitzte halbnackte Männer auf der Bühne vermisst? Corona ist das bestimmende Thema des Jahres. Und zwar in der ganzen Welt“, sagt Hackemack.

Nach seinen beiden Büchern „More than fashion“ über Punk-Kutten und „Yesterday’s Kids“, das sich mit Punks über 40 beschäftigt und was aus ihnen geworden ist, zeigt der 41-Jährige Bands aus verschiedenen Ländern auf der Bühne in unterschiedlichen Läden: Hamburg, Berlin und natürlich auch Münster. Zum Beispiel die Veggers aus Südkorea, die in Münster gespielt haben: „Eine junge Band, die ihre Instrumente weltklasse beherrscht“, schwärmt Hackemack. Oder Shandy aus Australien, deren Sänger beeinflusst vom Glamrock der 70er vor dem Konzert eine zehnminütige Tanzstunde für das Publikum anbot: „Übrigens für mich die beste Liveband der Welt.“

Spenden für den guten Zweck

Hackemack lebt seit Jahren in Altenberge und hat mit der Sputnikhalle auch einen Favoriten in der Stadt. Nebenbei hat er im Juni und Juli noch Konzerte organisiert, um die Eventlocation während der Corona-Pandemie zu unterstützen.

“Hit the Stage“ ist das mittlerweile dritte Buch des Fotografen und Konzertveranstalters Tim Hackemack.

“Hit the Stage“ ist das mittlerweile dritte Buch des Fotografen und Konzertveranstalters Tim Hackemack. Foto: Tim Hackemack

Sowieso: Support und Soziales sind sein Steckenpferd. Von „Hit The Stage“ gibt es vier unterschiedliche Editionen. „Es gibt ja auch verschiedene Editionen von Vinyl-Alben, das hat mich inspiriert. Und mit den vier Bands Razors, Agnostic Front , Discharge und Dritte Wahl habe ich vereinbart, dass sie dafür im Gegenzug entscheiden dürfen, wofür mein Autorenhonorar gespendet wird. Discharge und Dritte Wahl spenden an Sea-Watch, Agnostic Front ans SO36 in Berlin und die Razors für den Monkeys Music Club in Hamburg.“

Pop-up-Ausstellungen in Planung

Dabei geht es Hackemack in seinem Bildband gar nicht um die große Show: „Bands, die gerade im Kommen sind, posen doch regelrecht für die Fotografen, die vor der Bühne stehen. Schau dir mal an, wie viele Gitarristen noch in die Luft springen, wenn die Fotografen gegangen sind.“ Er erweckt Erinnerungen an Emotionen und Ekstase. Seine Fotos zeigen das, was während des Lockdown fehlt: das Stillen der Sehnsucht nach Schweiß. Schließlich sympathisiert man nicht gerne durch ­Streams. Dazu gibt es Interviews mit den Bands — sowohl auf Deutsch als auch Englisch. Ob intime schwarz-weiß oder aktionsgeladene Farbfotos: Im Fokus stehen die Musiker auf der Bühne, das Publikum ist nahezu nie zu sehen. Der Fotograf blick nach vorne, nicht zurück.

„Ich bin wirklich sehr zufrieden, sowohl mit der Auswahl der Bilder und der Bands als auch mit dem Buch selbst“, sagt Hackemack und plant zusätzlich Pop-up-Galerien. Wenn man Auftritte schon nicht live bewundern kann, dann vielleicht kurzfristige Ausstellungen. Ansonsten tröstet „Hit the Stage“ mit wundervollen Momentaufnahmen von Musikern über die Zeit, bis die Kunst auch wieder lauter werden darf.

Tim Hackemack: Hit the Stage. Hirnkost Verlag, 400 Seiten, 40 Euro.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7745696?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Nachrichten-Ticker