Textdichterin Edith Jeske erhält den „Lyrikon“
Sie schenkt Sängern schöne Worte

Münster -

Wer den Wikipedia-Eintrag liest, staunt über die nicht enden wollende Reihe berühmter Namen. Und jüngst wurde ihr der erste „Lyrikon“ überreicht, den der Deutsche Textdichter-Verband (DTV) und die Gema-Stiftung zum ersten Mal vergeben haben: Edith Jeske.

Dienstag, 19.01.2021, 18:30 Uhr aktualisiert: 20.01.2021, 11:12 Uhr
Sie ist die erste Preisträgerin des „Lyrikon“: Edith Jeske (im Hintergrund ein Gemälde der Prager Künstlerin Mirka Mádrová).
Sie ist die erste Preisträgerin des „Lyrikon“: Edith Jeske (im Hintergrund ein Gemälde der Prager Künstlerin Mirka Mádrová). Foto: Oliver Werner

Wer den Wikipedia-Eintrag liest, staunt nicht allein, aber auch über die nicht enden wollende Reihe berühmter Namen: Ihre Lehrer waren Peter Horton und Knut Kiesewetter; geschrieben hat sie für Stars wie Lilo Wanders, Wolfgang Petry, Jürgen Marcus, Patrick Lindner, Graham Bonney, Jasmin Tabatabai, Roland Kaiser und Claudia Jung. Und die Künstler der Liste deuten bereits an: Edith Jeske ist schon lange in der Welt der schönen, guten Texte unterwegs und steht dabei selbst nicht im Rampenlicht. Vor sechs Jahren ist die Rheinländerin nach Münster gezogen: „Die Liebe“, wie sie mit leicht seligem Seufzer gesteht. Jüngst wurde Jeske der „Lyrikon“ überreicht, der mit 10 000 Euro dotierte Textdichterpreis, den der Deutsche Textdichter-Verband (DTV) und die Gema-Stiftung zum ersten Mal vergeben haben.

Frank Ramond (Präsident des DTV): Der Lyrikon ist „ein Preis für Profis“, ein Preis für die Marathonläufer unter den Textdichtern, „die es immer wieder schaffen, auch unter größtem Druck Songtexte abzuliefern, die markt- und genre-gerecht sind, die die jeweiligen Interpreten gut dastehen lassen und das Publikum glücklich machen“. Edith Jeske habe nicht nur selbst zahlreiche Erfolge als Textdichterin „mit einer großen Bandbreite und ausgezeichneten Qualität in vielen verschiedenen Genres“ (Musiktheater, Chanson und Schlager) gefeiert, sondern sie stehe zudem „in herausragender Weise für die Weitergabe ihrer textdichterischen Fähigkeiten und Erfahrungen“.

Die Neu-Münsteranerin zählt also ohne Zweifel zu den erfolgreichsten Textdichterinnen Deutschlands. Vor 25 Jahren hat Jeske zudem die „Celler Schule“ gegründet, die einzige deutsche Masterclass für Textdichter, aus der einflussreiche Schlager-Schriftsteller wie Tobias Reitz (Helene Fischer, Florian Silbereisen, Mary Roos, Stefanie Hertel, Mireille Mathieu . . .) hervorgegangen sind.

Warum sind die einen (fast) jedem geläufig, die anderen aber nicht? Weil Textdichter wie Reitz und Jeske dann alles richtig gemacht haben. Edith Jeske zitiert dafür einen weiteren Großen der Branche, Thomas Woitkewitsch („Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“): „Es ist unser Job, unsichtbar zu werden. Wenn jemand fragt, wer hat dem Hermann van Veen den Song geschrieben, dann habe ich was falsch gemacht.“

Insofern müssen Textdichter auch Seelenverwandte der Interpreten sein. Jeske: „Es soll kein Blatt zwischen Künstler und Textdichter passen.“ Dementsprechend freut es sie, wenn ein Star wie Claudia Jung schreibt, dass Jeske verstehe, wie sie „tickt“. Und so hat es beispielsweise auch bei Tim Fischer und Roland Kaiser perfekt gepasst. Denn Edith Jeske kann sowohl das scheinbar Leichte als auch das offensichtlich Diffizile: Mit ihrer „Rinnsteinprinzessin“ lässt sie Tim Fischer mit melancholischer Freude von einem Menschen erzählen, der seinen Körper für Geld verkauft, aber für eine Nacht seine romantische Lust und Sehnsucht lebt: „Küss mir das taube Gefühl von der Haut! / Du bist mein Prinz auf dem staubigen Pferd / Morgen ist unser Palast nichts mehr wert“.

Oder Kaiser: Der Schlagerstar forderte 2015 auf einer Anti-Pegida-Demo in Dresden „Mut zur Offenheit und Neugier“ Fremden und Andersdenkenden gegenüber. Das habe sie inspiriert, erzählt Jeske, und gefreut, „weil das auch meine Haltung ist“. Da sie damals gerade nach Münster gezogen war, habe sie sich bei Roland Kaiser gemeldet. Die beiden Münsteraner tranken zusammen Kaffee. Jeske schrieb den Text zu Kaisers „Und wenn dein Name Leila wär“ – eine Art Erinnerung an die Schönheit und Wichtigkeit von Toleranz im menschlichen Miteinander – ohne jede Schulmeisterei.

Jeske: „Schlager darf nicht nur Zuckerguss sein. Er muss ein Gefühl geben, das gut tut.“ Und das schließt Haltung nicht aus. Neben der Musik sollte der Text stimmen: „Ich muss den Leuten einen Grund geben, das Lied ein zweites Mal oder öfter zu hören.“ Und das ist die Aufgabe von Edith Jeske, die sie seit Jahrzehnten ausgezeichnet beherrscht. Dafür gab es jetzt nach einigen anderen Preisen zuvor den ersten „Lyrikon“.

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