Pumpenhaus eröffnet den „Flagshipstore“
Kunst steckt in der kleinsten Hütte

Münster -

Das Pumpenhaus eröffnet einen Laden. Jetzt wird der Schnieder Ludger ein ehrbarer Kaufmann. So scheint es.

Freitag, 22.01.2021, 19:36 Uhr aktualisiert: 22.01.2021, 19:44 Uhr
„Der Buchhalter“ gibt im Pumpenhaus vor dem „Flagshipstore“ ein einsames Konzert: Ab Sonntag wird von hier aus täglich ein Stück Kunst präsentiert und verkauft.
„Der Buchhalter“ gibt im Pumpenhaus vor dem „Flagshipstore“ ein einsames Konzert: Ab Sonntag wird von hier aus täglich ein Stück Kunst präsentiert und verkauft. Foto: Andreas Neubauer

Das Pumpenhaus eröffnet einen Laden. Jetzt wird der Schnieder Ludger ein ehrbarer Kaufmann. So scheint es. Der Laie staunt, aber der Experte wundert sich nicht. Denn das Pumpenhaus , dessen Geschäftsführer Ludger Schnieder seit mehr als zwanzig Jahren ist, gilt schon in Normalzeiten als schräg, schrill und avantgardistisch. Und jetzt machen die an der Gartenstraße 123 einen Laden auf. Am Sonntag (24. Januar) wird eröffnet – High Noon.

Und kleiner geht’s nicht: Flagshipstore heißt der Künstlerladen, also ein Flaggschiff, eine Vorzeige­filiale – eine Kunstaktion, ein Performanceereignis, ein bisschen „Support Your Artist“. Jeden Tag wird via Online-Plattform ein einziges Objekt präsentiert. Aber wie: Die Ware erhält ihren Auftritt, der von einem bildenden Künstler der Kunstakademie Münster präsentiert wird. Käuflich zu erwerben sind Arbeiten aus den unterschiedlichsten Materialien. Die reichen von Schafschurwolle bis hin zu 999er Feingold, von amerikanischer Roteiche bis zu rostfreiem Stahl. Das größte Objekt hat eine Fläche von DIN A 1 (84 mal 95,4 Zentimeter), das kleinste Produkt wird 19 Zentimeter hoch und 13,5 Zentimeter breit sein. „Objekt“ könnte aber auch eine Kunstaktion sein, die sich beispielsweise in, an oder vor einer Privatwohnung ereignen kann – natürlich coronatauglich: ein Haushalt – ein Künstler. Der Flagshipstore will immer für eine Überraschung gut sein.

Das Produkt kann und soll erworben werden, in dem der Preis bezahlt wird, und der ist stets dreigestaffelt in Economy Class, Business Class und Big Spender (also zum Beispiel 25, 50 oder 75 Euro), je nach finanzieller Potenz oder Großzügigkeit des Käufers. Das Geld geht direkt an die Künstler oder, wenn Künstler oder Künstlerin es wiederum spenden, wird das Geld an einen anderen Künstler weitergegeben. Schnieder: „Von dem Geld bleibt nichts im Pumpenhaus.“

Und weil jede Erfolgsstory eine Story benötigt, wird diese erzählt: An einem grauen Novembertag inmitten der Pandemie tauchte am Dach des Pumpenhauses eine Luft-Figur der Künstlerin Stefanie Oberhoff auf, eine Riesenmaus, und schrieb an die Wand: „Gold. Gelb. Suche das Licht!“. Ein Auftrag. Nur wenig später fahren Ludger Schnieder und ein Techniker zu den großen Möbelläden vor den Toren der Stadt, um Klappbetten als Notlager für übernächtigte Künstler zu kaufen. Vergebens. Da sehen sie auf ihrer Rückfahrt vor sich einen VW: in Gold und in Gelb . . . Der Wagen setzt den Blinker, die beiden Pumpenhäusler hinterher: „Bums haben wir die Kiste gesehen, den Flagshipstore.“

An sich eine „abgerockte Hütte für Gartensachen“ mit der modergrünen und rostigen Patina des Vergessens. Für Schnieder eine Verheißung. Von den Spuren der Natur befreit, steht die Kate der Kunst nun wie ein Star im Bühnenraum des altehrwürdigen Pumpenhauses. Das Häuschen ist der leibhaftige Ereignisort für die virtuellen Verkauf- und Kauf-Geschichten, die hier in den nächsten Wochen (Ende offen) über die Bühne gehen sollen.

Die Dinge haben stets einen inhaltlichen Zusammenhang mit der Spielstätte. Es gehe „immer um Künstler, mit denen wir zusammengearbeitet haben, die jetzt teils extreme Schwierigkeiten haben“, sagt Ludger Schnieder: „Es ist auch ein Experiment.“ Rückmeldungen seien sehr erwünscht und Antworten auf Fragen wie: „Wo haben wir uns verrannt? Wo können wir weiterarbeiten?“ Schnieder: „Wir sind neugierig, was passiert.“

Wenn das Wetter mitspielt, soll der „Flagshipstore“ hier und da auftauchen – in Münsters Wohnzimmer zum Beispiel: eine ausgemusterte Gartenhütte inmitten der schicken Prinzipalmarkt-Fassaden. Das kleine Lichtfenster wird dann zum großen Schaufenster wie bei den traditionsreichen Geschäften der alteingesessenen Kaufleute. Eine kleine Hütte kommt ganz groß raus.

Die Flagshipstore eröffnet am Sonntag (24. Januar) um 12 Uhr. Die Werke werden zugeschickt oder können coronakonform abgeholt werden.

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