Dst.Galerie zeigt Videoprojekt von Kneip, Kato und Liu
Ein Alltag – ein Abenteuer

Münster -

er Monitor ist von seinem Wort-Ursprung ein Mahner und Erinnerer. Gleich zwei davon hängen im Schaufenster der dst.Galerie – wie ein Augenpaar. Es sind die „Augen“ zweier Künstlerinnen.

Freitag, 22.01.2021, 19:44 Uhr aktualisiert: 25.01.2021, 19:30 Uhr
Ein Kanufahrt von Münster nach Kopenhagen kann der Betrachter an der Hafenstraße gleichsam live mitverfolgen.
Ein Kanufahrt von Münster nach Kopenhagen kann der Betrachter an der Hafenstraße gleichsam live mitverfolgen. Foto: Katharina Kneip

Der Monitor ist von seinem Wort-Ursprung ein Mahner und Erinnerer. Gleich zwei davon hängen im Schaufenster der dst.Galerie – wie ein Augenpaar. Es sind die „Augen“ zweier Künstlerinnen, mit denen der Betrachter nun sehen kann, was sie gesehen haben. Katharina Kneip und Masako Kato fuhren in einem Kajak innerhalb von 30 Tagen den „Seeweg“ von Münster nach Kopenhagen und filmten (jede aus ihrer Perspektive) jeweils mit einer Actionkamera auf dem Kopf: Alles. Immer. Lediglich wenn die Künstlerinnen zum Schlafen die Augen schlossen, schlossen sich die „Augen“ der Kamera auch.

Das Kooperationsprojekt trägt den Titel „ uatsh-tide-uatsh “. Das „tide“ steht für die Gezeiten, also Zeiten des Ewigen, der Ebbe und der Flut, des Ein- und des Ausatmens. Das „Uatsh“ beschreibt lautmalerisch das ständige Wieder-Eintauchen des Paddels ins Wasser. Die erlebte und dokumentierte Fahrt fand voriges Jahr von Mitte Juni bis Mitte Juli statt und fand zufällig, aber stimmigerweise inmitten der Pandemie statt, in der Spektakel Pause, das Alltägliche große Präsenz hatte.

Bei Dokumentationen von Outdooraktivitäten und Abenteuern komme es oft zu einer Aussparung des Alltags sowie der Hintergrund-In­frastruktur und dafür zu einer starken Verkürzung und Konzentration auf alles Extreme, sagt Katharina Kneip : „Diese Einteilung, was nun ‚Abenteuer‘ und was ‚Alltag‘ ist, wollten wir jedoch ganz bewusst in Frage stellen.“ Es wurde nichts geschnitten oder bearbeitet, Akku- oder Speicherkartenwechsel sind ebenso wie Linsenreinigung, Kameradefekte, stundenlanges Vorbeiziehen von Wasser, Landschaft und Industrie mit Gängen zu Supermärkten und Schlafplatzsuche ungefiltert zu beobachten. Duoni Liu (Bielefeld) begleitet die über 1100 Kilometer mit einer 30 Tage langen elektronischen Komposition.

„Uatsh-tide-uatsh“ versteht sich auch als „ironischer Kommentar zur vermeintlichen Maskulinität der Abenteuerlust“. Und: In einer sich (gefühlt) beschleunigenden Zeit zeugen diese Real Life Performance, Komposition, dieser Film auch davon, dass Veränderung in Ruhe und Gelassenheit in einem Leben diesseits der Klick-Button-Kultur schön sein kann.

Die Videofahrt läuft in der dst.Galerie, Hafenstraße 21, ununterbrochen und endet am 8. Februar. Um die Komposition empfangen zu können, wird empfohlen, Smartphone und Kopfhörer mitzubringen. Wer die Möglichkeit zur persönlichen Verabredung vor Ort nutzen möchte, kann sich per Mail direkt an eine der Künstlerinnen wenden: katharina kneip@t-online.de

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