Ensemble artig zeigt fantastischen „Waiting Room“
Und es hat „Zoom“ gemacht . . .

Münster -

Freuden und Leiden, Komödie und Tragödie – es ist möglich, Theater im Lockdown zu spielen: echt, authentisch, berührend. Das Ensemble artig zeigt, wie es geht . . . Aber nur noch heute Abend !

Freitag, 19.02.2021, 07:20 Uhr
Wie in einer Zoom-Konferenz spielen die 13 jungen Frauen des Ensembles artig live vor den Zuschauern an ihren Geräten Theater.
Wie in einer Zoom-Konferenz spielen die 13 jungen Frauen des Ensembles artig live vor den Zuschauern an ihren Geräten Theater. Foto: Christian Reick

Seit einem Jahr sind die Theater erstarrt – vor den Lockdowns, der Distanz, dem scheinbaren Spielverbot. Das „Ensemble artig“ zeigt, wie sich nicht unter, sondern mit diesen Bedingungen fantastisches Theater spielen lässt: so nah, so echt, so berührend. Mit der neuen Form einer „Zoom-Theatervorstellung“ live vor Publikum gehen Spielleiter Christian Reick und seine erstaunlich authentisch spielenden 13 Darstellerinnen mit „Waiting Room“ das volle Premieren-Risiko ein und de­monstrieren damit, dass ein gemeinschaftliches Theatererlebnis selbst über eine digitale Distanz erlebbar ist.

Die technisch wie ästhetisch komplexe Inszenierung holt den Zuschauer des Zoom-Jahres mit seiner Erfahrung aus diesem eingeübten technisch vermittelten Miteinander ab. Das Spiel der jungen Frauen ist so direkt, ansprechend und geht derart unter die Haut, dass man gelegentlich sein Mikro öffnen und der verzweifelnden Nivi mit ihrem Schwangerschaftstest Mut zusprechen oder zu Johanne beim „Stempel-Tanz“ zu Bobby McFerrins „Don’t Worry, Be Happy“ auf die Tische springen möchte.

Dabei handelt das Stück vom Warten. „Bitte warten Sie!“ wird der Zuschauer mit blecherner Stimme und Warteschleifenmusik begrüßt. Die wird er noch öfter hören, immer wenn Luan ihren altklugen intellektuellen Faden zwischen die Szenen spinnt. Der Zuschauer fühlt sich angeschaut, wenn sie mit fixierendem Blick zwischen Ukulele und Bierkasten über Kontrollverlust doziert oder Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ liest (wenn der Moderator sie nicht zu früh draufschaltet und beim „Goldenen Blatt“ mit Dieter-Bohlen-Cover erwischt – Zoom-Unfälle halt).

Allerlei Warten wird in diversen Szenen durchgespielt: Leonie ersehnt vergeblich ein Wiedersehen mit ihrem nun fernen Jugendfreund, der sich längst anders orientiert hat. Eleonore träumt sich zu Tonys „Something’s Coming“ in den Auftritt einer „Westside Story“, Steffi sitzt im Wartezimmer und plappert sich die Zeit kurz und klein. Für Constanze dehnt sich die Zeit durch ein Update auf Windows-Querbalken in Schritten von 2 Prozent und 12 Prozent und 43 Prozent – ausgerechnet bei ihrer Bewerbung für Oxford; es ist nicht zum Aushalten. Rieke wartet auf jene Vergangenheit, als sich ihre Eltern noch liebten. Marco zeichnet mit Kreide die Hafttage, vielleicht auch -stunden auf den Boden seiner Gefängniszelle. Ellen wartet in ihrem edlen Ehegefängnis auf eine Liebe, die nie da war. Mai hofft auf die Entscheidung der Tanzrichter, und ihr hoffendes Warten wird durch missgünstige Konkurrenz vergiftet. Mia sitzt auf der Reservebank des 1. FC Gievenbeck in der Erwartung, sich einmal den Eltern beweisen zu können. Matthias zerdenkt in seinem Zimmer aus Ängsten seine Gedanken.

Zu den Soli gibt es immer wieder korrespondierende Fenster: Wenn die 16-jährige Nivi in der gekachelten Ecke auf das Ergebnis ihres Schwangerschaftstests wartet und zu beten beginnt, falten die anderen Drei in ihren Szenen auch die Hände. Solcherlei Verweise und Verbindungen gibt es kurzweilig viele.

Es spielen samt und sonders fantastisch, halten ihre Szene die 90 Minuten präsent: Marie Busch, Tessa Draser, Lena Ebbing, Clara Heuft, Lore Lüdorff, Franziska Marek, Emma Menne, Ziena Müller, Amira Neve, Emma Porsch, Karla Schnieder, Melanie Steuer, Karla Wittkowski und Lena Ebbing.

Die letzte Möglichkeit, die Aufführung zu sehen, ist am Freitag (19. Februar) um 20 Uhr. Einen kostenlosen Zugang zu diesem spannenden Projekt erhält man, indem man eine Email mit Terminwunsch an artig@mmm.schulbistum.de schickt.

Die Live-Vorstellung ist nur noch am Freitag (19. Februar) um 20 Uhr zu sehen. Einen kostenlosen Zugang zu diesem Zoom erhält, wer eine Email schickt an: artig@mmm.schulbistum.de

 

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