Wie Münsters bekannter Showmaster die Corona-Zeit durchlebt und was er für die Zukunft plant
Ein Riese im Lockdown

Münster -

Ein gefesselter Riese: Die Pandemie hat auch Münsters umtriebigen Showmaster Adam Riese eingeengt. Doch der Münsteraner arbeitet an seiner Befreiung...

Dienstag, 23.02.2021, 08:02 Uhr aktualisiert: 26.02.2021, 18:47 Uhr
Adam Riese – hier voriges Jahr beim Culture Club Münster – will in diesem Jahr hoch hinaus.
Adam Riese – hier voriges Jahr beim Culture Club Münster – will in diesem Jahr hoch hinaus. Foto: Christoph Steinweg

Als Showmaster muss man wahrscheinlich ein Optimist sein. Adam Riese jedenfalls winkte im März vorigen Jahres lässig ab, als Lockdown-Wolken über seiner kommenden Show schwebten – die mit Comedian Ingo Appelt sogar einen echten Top-Gast verhieß: „Natürlich können wir im Mai veranstalten. Ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass wir hier länger als zwei Wochen das öffentliche Leben lahmlegen!“ Inzwischen, nahezu ein Jahr später, sind wir alle klüger. „Ich hatte mich leicht geirrt“, lächelt Riese heute.

Aber als Showmaster muss man vor allem eines – auf die Bühne. So ließ sich Riese dann auch nicht lange bitten, als seine frühere Show-Assistentin Isabelle Bettmer mit der Idee an ihn herantrat, durch ein Livestream-Format den hiesigen Kulturschaffenden Unterstützung zu geben. Isabelle Bettmer arbeitet inzwischen als Geschäftsleiterin des Improtheaters Placebo und hatte mit Leuten von der Filmwerkstatt und dem Technik-Verleiher AE Rental ein Konzept erdacht, „Culture Club Münster“: Riese erstmals online, ohne lange Talks, dafür mit langen Show-Acts der Künstler.

Und da Riese mit sehr vielen davon lange verbandelt ist, war die übliche „Münster-Familie“ zur ersten Folge schnell versammelt: Die swingenden Zucchini Sistaz, der Musikkabarettist Jens Heinrich Claassen sowie Clair Howells und Uwe Köhler vom Theater Titanick. Letzteres funkte finanziell SOS, worauf die Online-Zuschauer um „Support-Tickets“ gebeten wurden. Oliver Pauli vom Placebo-Theater stand am Laptop mit den Fans in Kontakt und fungierte auch ein wenig wie ein humoriger Sidekick.

Leider kann bislang noch keine „Titanick-Rettung“ vermeldet werden, zumal das dortige Ensemble sehr groß ist, ebenso wie die laufenden Kosten. „Die Zeiten sind für Kulturschaffende und Soloselbstständige immer noch hart. Die Einnahmen fehlen, und der Zugang zu den Fördergeldern ist recht kompliziert. Da blicken oft nicht mal gewiefte Steuerberater durch“, sagt Riese bedauernd.

Vom Zuspruch der Internet-Gemeinde ist er aber begeistert: „Über 4000 Menschen haben uns zugesehen; die vier Videos werden immer noch auf Youtube angeklickt.“ Adam Riese, der Aufzeichnungen seiner Shows immer ablehnte, ist also mit der Stippvisite beim World Wide Web im Reinen. Jetzt wird er am 2. März um 18 Uhr zunächst zu Gast bei der „Campus Knifte“ sein, einem Dialogformat im M44 Meeting Center hinter der alten Eissporthalle.

Aber es sind auch bereits Pläne für eine Rückkehr auf die eigene Showbühne eingestielt. Natürlich werde nach 14 Jahren nicht das Konzept drastisch geändert, wohl aber die Räumlichkeiten. Nach dem Pumpenhaus und der Cloud ist wieder ein Umzug geplant: „Ich habe mich in einen Saal mitten in Münster verliebt, im sechsten Stock mit weitem Blick über die Stadt.“ Mehr verrät Riese noch nicht. Aber dass die Krawatte auch hoch über der Stadt sitzen und der Showman ganz der Alte sein wird, darf den Fans getrost versprochen werden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7833031?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Nachrichten-Ticker