35 Jahre Cuba
Etablierte Alternative

Münster -

Vielleicht noch nicht Establishment, aber eine „gesellschaftlich einflussreiche Milieu-Gruppierung“ sind die ehemaligen Alternativen von der Achtermannstraße nach mehr als drei Jahrzehnten in jedem Fall.

Samstag, 27.02.2021, 09:40 Uhr
Das aktuelle Leitungsteam des „Cultur- und Begegnungscentrums“: Gerd ter Veen, Gerd Bruns und Andreas Weber (v. l.). Am Anfang mussten die „Gründereltern“ kräftig das Haus umbauen.
Das aktuelle Leitungsteam des „Cultur- und Begegnungscentrums“: Gerd ter Veen, Gerd Bruns und Andreas Weber (v. l.). Am Anfang mussten die „Gründereltern“ kräftig das Haus umbauen. Foto: PD

Vielleicht noch nicht Establishment, aber eine „gesellschaftlich einflussreiche Milieu-Gruppierung“ sind die ehemaligen Alternativen von der Achtermannstraße nach mehr als drei Jahrzehnten in jedem Fall. Etabliert eben. Im Februar 1986 zogen einige alternative Vereine, Kulturschaffende und Läden in das ehemalige Gebäude der Fachhochschule und des Gautzsch-Großhandels an der Achtermannstraße und nannten es C.U.B.A. – die Punkte im Namen fielen (wie übrigens amüsanterweise auch bei der F.D.P.) später nach reiflicher Diskussion weg.

Der Name Cuba sorgte in Zeiten, da Fidel Castros Kuba noch unbeirrt im sozialischen Bruderbund stand, für Befremden. Eine der Gründerinnen des Cultur- und Begegnungszentrums Achtermannstraße (Cuba), die Grüne Bundestagsabgeordnete Maria Klein-Schmeink , erinnert sich, dass ihr CDU-Kollege Ruprecht Polenz gesagt habe: „Wer sich Cuba nennt, muss sich nicht wundern, dass er keine Zuschüsse bekommt.“

Heute erlaubt Kuba sogar Privateigentum und Auslandsinvestitionen. Münsters Cuba hat von Anfang an investiert. Als Investitionsvolumen seit dem Einzug weist die Homepage circa zwei Millionen Euro aus. Die „Cubaner*innen“ bauten mit viel Eigenleistung, neben kleineren Zuschüssen von der Stadt, der Eigentümergemeinschaft (Familie Köhne) und der Aktion Sorgenkind das Haus für die eigenen Ansprüche um. Eine umfassende Modernisierung des Veranstaltungsbereichs wurde Anfang 2000 in Angriff genommen, es folgten weitere Investitionen wie ein behindertengerechter barrierefreier Zugang, eine Photovoltaikanlage und weitere Maßnahmen zur Energieeinsparung. 2020 wurde das Haus mit Mitteln des Landes NRW fit für die digitale Zukunft gemacht. Und gegenwärtig werden neue Sanitäreinrichtungen geschaffen sowie eine neue Fluchttür gebaut, die für das gewachsene Kulturprogramm notwendig wurden.

Das „cuba ist ein ,Projekte­haus‘, was unter den Soziokulturellen Zentren in NRW eher die Ausnahme sei, schreibt Andreas Weber vom Leitungsteam: „Das cuba ist der Trägerverein, die einzelnen Vereine, Projekte, Einrichtungen sind Mitglieder des Vereins, aber sonst selbstständig organisiert.“ Diese Organisationsstruktur sei sehr offen für neue Ideen und erlaubte es, vielen Gründern ein erstes Zuhause zu geben – zum Beispiel dem Cinema, das heute an der Warendorfer Straße residiert.

Etabliert und zugleich offen, das ist das cuba heute: Es will Begegnungszentrum, Treffpunkt, Kulturzentrum, Labor, Werkstattraum, Bildungshaus und Beratungsstelle bleiben. Und es will „ein Platz sein, wo auch spannende abseitige Kulturprojekte ihr Zuhause finden“. „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“ singt Wolf Biermann. Für diese Treue zur Veränderung hat das Cuba eine Zukunftswerkstatt eingerichtet. Aber gefeiert werden soll selbstverständlich auch – der Jubiläumsfeiertermin hat das pandemische Zeitmaß: „35 + 1“

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