Schauspieler Magnus Heithoff in Zeiten der Pandemie
„Das Lachen nicht verlernen“

Münster -

Verzweiflung, Trauer, Ohnmacht – das waren die ersten Gefühle von Magnus Heithoff beim zweiten Lockdown im November 2020. Für den freischaffenden Schauspieler brachte die Pandemie faktisch ein Berufsverbot mit sich. „Man kann ja nichts machen, auch nicht mit was anderem Geld verdienen“, beschreibt er seine aktuelle Situation. Schließlich stellen auch andere Branchen momentan kaum Personal ein.

Freitag, 12.03.2021, 17:53 Uhr aktualisiert: 14.03.2021, 21:28 Uhr
Magnus Heithoff in der Rolle als Aufklärer, Literat und Jurist Justus Möser (1720-1794).
Magnus Heithoff in der Rolle als Aufklärer, Literat und Jurist Justus Möser (1720-1794). Foto: Swaantje Hehmann

Verzweiflung, Trauer, Ohnmacht – das waren die ersten Gefühle von Magnus Heithoff beim zweiten Lockdown im November 2020. Für den freischaffenden Schauspieler brachte die Pandemie faktisch ein Berufsverbot mit sich. „Man kann ja nichts machen, auch nicht mit was anderem Geld verdienen“, beschreibt er seine aktuelle Situation. Schließlich stellen auch andere Branchen momentan kaum Personal ein.

Zur Schauspielerei kam Heithoff zufällig. Als junger Musikwissenschaftsstudent übernahm er eine Schauspielrolle in einer semiprofessionellen Gruppe. Er wurde so von dieser Kunst gepackt, dass er sich beruflich umorientierte. Nach dem Schauspielstudium in München erhielt er Engagements an verschiedenen Theatern, tourte durch ganz Deutschland. Seit 2011 lebt er wieder in seiner Geburtsstadt Münster. Vor zwei Jahren entschloss er sich, als Freiberufler seinen Beruf weiter auszuüben. Statt Sicherheit war ihm wichtiger, „lieber Dinge zu machen, die ich machen wollte und nebenbei auch Zeit für Fernsehrollen zu haben.“

Rechtzeitig vor dem zweiten Lockdown wurde der Film über den Osnabrücker Justus Möser (1720-1794) fertig und ist auf der Website des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land abrufbar. Heithoff schlüpfte in die Rolle des Aufklärers, Literaten und Juristen. Das deutsche Rechtssystem baut auf seinen Ideen auf. Andere Termine fielen coronabedingt aus oder wurden ins Jahr 2021 verschoben. Den zweiten Lockdown beschreibt der begeisterte Schauspieler als Katastrophe: „Es war etliches geplant – sowohl in Osnabrück als auch mit dem Stadtensemble Münster, was dann von jetzt auf gleich brachlag.“ Nun freut er sich, als Akteur bei „Walk’n Act!“ mit dem Stadtensemble neu starten zu können.

„Katastrophal“ bezieht Heithoff nicht so sehr aufs Materielle. Er kommt gut mit relativ wenig aus, erhielt einmal Überbrückungshilfe und kann auf Reserven zurückgreifen. Was ihn quält, ist die „allgemeine Verurteilung zum Untätigsein“. Er denkt besorgt an viele mitbetroffene Kollegen und bemerkt stirnrunzelnd: „Viele Existenzen sind bedroht oder zerstört. Viele Theater wird es nicht mehr geben.“ „Es grassiert die Angst, paralysiert die Menschen. Für alle, die für Depressionen anfällig sind, ist es schwierig“.

Zum Glück kann Heithoff von sich sagen: „Ich bin sehr gern allein.“ Er resümiert: „Im Grunde bin ich mit der Situation für mich ganz zufrieden.“ Und wird philosophisch, als er erzählt, wie sich durch die Pandemie seine Einstellung änderte, und er eine neue Dankbarkeit entwickelte. Er habe vieles neu schätzen gelernt: eine warme Wohnung, genügend Essen . . . Und er lernte, nicht so weit im Voraus zu planen. „Wir müssen alle lernen, komplett anders zu denken und uns auf die Dinge besinnen, die wirklich wichtig sind.“

Seine Seelennahrung sind seine Hobbys, für die er mehr Zeit findet: Lesen und analoge Armbanduhren reparieren, Lederkleidung entwerfen und nähen, Kristalle sammeln und Gitarre spielen. Doch bei alldem bleibt sein oberster Wunsch: „Sofort wieder arbeiten können.“ Wäre er Politiker, würde er eine Lockerung mit Augenmaß befürworten und vor allem als oberste Priorität das Gesundheitswesen massiv unterstützen. „Wir müssen mit dem Virus leben. Es wird nichts mehr sein wie vorher“, gibt er zu bedenken: „Das Virus wird uns auch die nächsten Jahre begleiten.“

Im komischen Fach sammelte Heithoff jahrelange Bühnenerfahrung (besonders im Boulevardtheater Münster). Nun nutzt er die Zeit, um sein erstes Solo-Comedyprogramm auszuarbeiten. Heithoff weiß, dass beim Lachen schon die Gesichtsbewegung Glückshormone freisetzt. „Das Leben macht immer noch viel Spaß“ – weg mit der Panik, offensiv der Pandemie gegenübertreten, lautet seine Devise. „Die Menschen dürfen das Lachen nicht vergessen, nicht verlernen. Es ist gesund.“

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