Udo Scheel in der Ausstellungshalle Hawerkamp
Gedichtete Malerei

Münster -

Ein schweifender Blick in die Ausstellung lässt ahnen: Hier braucht man Zeit. Denn im Œuvre von Udo Scheel kommt besonders die Malerei des 20. Jahrhunderts auf einzigartige Weise zusammen.

Samstag, 01.05.2021, 20:43 Uhr aktualisiert: 02.05.2021, 13:59 Uhr
Rückkehr zu einer alten Wirkungsstätte: Udo Scheel hatte vor über 30 Jahren sein Atelier neun Jahre am Hawerkamp. Jetzt zeigt der „Vater der Kunstakademie Münster“ in der Ausstellungshalle dort ausgewählte Arbeiten und wird ab Mai mehrere Monate auch wieder dort malen.
Rückkehr zu einer alten Wirkungsstätte: Udo Scheel hatte vor über 30 Jahren sein Atelier neun Jahre am Hawerkamp. Jetzt zeigt der „Vater der Kunstakademie Münster“ in der Ausstellungshalle dort ausgewählte Arbeiten und wird ab Mai mehrere Monate auch wieder dort malen. Foto: G. H. Kock

Nie als Zitat, sondern als eine Aneignung, die zu einem höchst eigenen, originellen Ausdruck findet. Ob Magritte, Informel oder Pop-Art –  ein kundiger Geist weht in den großformatigen Gemälden, in denen Udo Scheel die Malerei und die Welt  sich und dem Betrachter anverwandelt. Nach langer (zu langer) Zeit ist der „Vater der Kunstakademie“,  deren langjähriger Rektor und der Gründer der  „Münsterschen Schule“ mal wieder in Münster in der Ausstellungshalle Hawerkamp zu sehen und zeigt dort „Diptychen“ von den 90er Jahren bis heute.

Mit einer Ausnahme: George Orwell stammt aus dem Jahr 1969. Den Autor („1984“, „Farm der Tiere“) hatte Scheel auf einem Foto in der New York Times gesehen. Scheel malte zwei gleiche Bilder, und in das eine stellte er Orwell mit Dackel am Bein und unter dem Arm ein seltsames Gelb. Diese Farbfläche und der Raum verweisen bereits auf zwei changierende Grundfragen in der Malerei Scheels: Sind Fläche und Linie schon Objekt oder noch Pinselgestus? Soll der Raum real oder gemalt sein? Der zweifache „documenta“-Leiter Manfred Schneckenburger (1938-2019) drückte diese dynamische Spannung so aus: „Deshalb wäre auch die Frage, ob Udo Scheel nun abstrakt oder gegenständlich malt, falsch gestellt. Er kennt keinen Gegensatz.“ Scheel macht es spannend: Es ist die Gleichzeitigkeit von Abstraktion und Gegenständlichkeit, die dem Betrachter ein ständiges Deutungsvergnügen bereiten kann wie ein Gedicht. Die Malerei ist vage genug, um dem Betrachter Raum zu geben.

Udo Scheel in der Ausstellungshalle Hawerkamp

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  • Der Maler Udo Scheel zeigt in der Ausstellungshalle Hawerkamp seine "Diptychen".

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Der Maler Udo Scheel zeigt in der Ausstellungshalle Hawerkamp seine "Diptychen".

  • Der Maler Udo Scheel zeigt in der Ausstellungshalle Hawerkamp seine "Diptychen".

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  • Der Maler Udo Scheel zeigt in der Ausstellungshalle Hawerkamp seine "Diptychen".

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  • Der Maler Udo Scheel zeigt in der Ausstellungshalle Hawerkamp seine "Diptychen".

  • Der Maler Udo Scheel zeigt in der Ausstellungshalle Hawerkamp seine "Diptychen".

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  • Der Maler Udo Scheel zeigt in der Ausstellungshalle Hawerkamp seine "Diptychen".

  • Der Maler Udo Scheel zeigt in der Ausstellungshalle Hawerkamp seine "Diptychen".

Die Szenen wiederum sind konkret genug, um Geschichten anzuregen, ohne sie zu Ende zu erzählen. Alles schwebt in einer Welt, die mit dieser zu tun hat, aber auf eine andere verweist. In der Mitte von „Domizil“ (2016) tanzen zwei Bären um die Macht, links schottet sich ein Mann in eine Fernsehwelt ab, rechts ist eine Frau unter Kopfhörern in sich versunken. Links Flamingos und ein Pinguin, rechts rote Stöckelschuhe und darin ein Tier. Wie aus der Mitte gestoßen schleudert der Bärentanz eine Vase mit zwei Calla-Lilien gleichsam aus dem Bild.

„Münstersche Schule“

Deutlich erzählerischer geht es in „Fischer-Sammler-Jäger-Werkmann“ (2011) zu. Der Fischer ist in seinem eigenen Netz gefangen; der Sammler verliert seine Pilze; den Jäger kann selbst der Bär nicht bewegen; rechts werkelt der Werkmann hinter seinem Rücken an seinem Sarg. Und alle Männer stehen wie verloren in der Welt und blicken den Betrachter wie fragend an . . .

Für Scheel ist diese Ausstellung eine Rückkehr: 1989 bezog er eine Werkhalle am Hawerkamp als Atelier und entwickelte dort seine bis zu sechs Meter breiten Bildformate. In diesem Sommer wird er für ein paar Monate erneut ein Atelier am Hawerkamp beziehen.

Die Ausstellung „Udo Scheel. Diptychen“ ist bis zum 23. Mai am Hawerkamp 31 samstags (15 bis 18 Uhr) und sonntags (12 bis 18 Uhr) zu sehen. Ein aktueller negativer Corona-Schnelltext ist vorzulegen; ein Testcenter befindet sich am Ort: Am Hawerkamp 29a.

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