Wanderausstellung gastiert im Landeshaus
Vielfältige Begegnung mit jüdischem Leben

Münster -

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland: Eine Wanderausstellung macht in den nächsten Wochen Station im Landeshaus in Münster. Und gewährt in vier multimedial ausgestatteten Kuben aufschlussreiche Einblicke in Geschichte und Gegenwart.

Dienstag, 04.05.2021, 19:18 Uhr
Landesrätin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (v.l.), Landesdirektor Matthias Löb, und Kuratorin Dr. Laura Cohen vor den vier Ausstellungskuben im Landeshaus.
Landesrätin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger (v.l.), Landesdirektor Matthias Löb, und Kuratorin Dr. Laura Cohen vor den vier Ausstellungskuben im Landeshaus. Foto: Johannes Loy

Die äußeren Bedingungen für den kulturellen Reigen „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ sind zurzeit wenig förderlich. Dennoch: Es lohnt sich, auch unter Corona-Bedingungen jene vier „Kuben“ der Wanderausstellung aufzusuchen, die jetzt im Foyer des Landeshauses in Münster stehen, um sich dort, mit Maske, solo und sicher, in die vielfältige Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens zu begeben. Der zeitliche Rahmen von der Antike bis heute setzt ein im Jahre 321, als Kaiser Konstantin auch Kölner Juden erlaubte, in den Stadtrat einzuziehen. Damit ist die erste jüdische Gemeinde nördlich der Alpen historisch greifbar.

Die Ausstellung geht nicht chronologisch, sondern in alltagsgeschichtlichen Tiefenschnitten sowie anhand von Biografien vor, wie Kuratorin Dr. Laura Cohen die Dramaturgie umschreibt. So ist in einem Kubus zu erfahren, wie sich im Mittelalter christliche und jüdische Nachbarn darüber stritten, wie laut denn nun das Laubhüttenfest gefeiert werden dürfe. In einem andern Kubus sieht der Betrachter, wie vielfältig jüdisches Leben heute in den Gemeinden aussieht. Die Themenbereiche „Kunst und Kultur“, „Recht und Unrecht“, „Religion und Geistesgeschichte“ sowie „Leben und Miteinander“ bieten Leitfäden für den Einstieg. Geboten wird auch ein zehnminütiger Schüler-Film, der zügig in jüdisches Leben einführt und auch für den Unterricht bestellt werden kann. Natürlich begegnet der Besucher auch her­ausragenden jüdischen Personen der Geschichte, von dem aufklärerischen Philosophen Moses Mendelssohn (1729-1786) über den Dichter Heinrich Heine (1797-1856) bis zur Philosophin und späteren Ordensfrau Edith Stein (1891-1942).

„In der Ausstellung machen wir Begegnungen mit unserer gemeinsamen Geschichte möglich. Und die Ausstellung soll den Wunsch nach Begegnungen mit Menschen wecken, die heute jüdisches Leben in Deutschland gestalten – zum Beispiel in Projekten, die alle elf jüdischen Gemeinden in Westfalen mit uns umsetzen“, sagt Landesdirektor Matthias Löb.

Münster ist einer von fünf NRW-Standorten der Schau „Menschen, Bilder, Orte – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, die vom Jüdischen Museum im Archäologischen Quartier Köln konzipiert und von der Kulturstiftung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe mit 100 000 Euro gefördert wurde.

Die Ausstellung wird am 5. Mai um 17 Uhr digital eröffnet und bis zum 25. Juni von Film, Lesung, Vortrag und Führungen in der Synagoge Münster begleitet. Geöffnet Mo bis Fr von 10 bis 17 Uhr.

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