Was macht eigentlich Pascal Herrington?
Kluge Ratschläge von der Mutter

Münster -

Das Theater hatte während der Corona-Zeit zwangsweise spielfrei. Deshalb sind die Kreativen aber nicht untätig, wie sie in einer Interview-Serie des Theaters verraten – heute: Pascal Herrington.

Mittwoch, 19.08.2020, 17:18 Uhr
Pascal Herrington in „Anatevka“
Pascal Herrington in „Anatevka“ Foto: Oliver Berg

Das Theater hatte während der Corona-Zeit zwangsweise spielfrei. Deshalb sind die Kreativen aber nicht untätig, wie sie in einer Interview-Serie des Theaters verraten – heute: Pascal Herrington .

 

Wie sieht Ihr (Corona-)Alltag derzeit aus?

Pascal Herrington: Natürlich viel Zeit zu Hause. Viel kochen, backen und täglich Skypen mit Freunden und Familie. Da ich so viel Zeit in der Wohnung verbringe, putze ich mehr als normalerweise. Sobald ich wieder fit war (nachdem ich tatsächlich selbst an dem Corona-Virus erkrankt war) habe ich angefangen, täglich Sport zu machen. Damit vergeht die Zeit schneller!

Wofür haben Sie jetzt Zeit, wozu es vorher „keine“ Zeit gab?

Herrington: Ich habe mich am Anfang der Quarantäne-Zeit unter so viel Druck gesetzt – „Ich MUSS eine neue Sprache lernen, dies und das machen und schaffen.“ Dann hat meine Mutter in Australien mir (klugerweise) gesagt – „es ist jetzt eine besondere Zeit wo du runter kommen kannst, man kann zu sich kommen und die Ruhe und seelische Freiheit genießen.“ Sie hatte Recht. Ich hatte vorher kaum Zeit um zu meditieren, lesen, malen und ein bisschen Hektik aus meinem Leben zu eliminieren.

Welche positiven/ negativen Gewohnheiten haben Sie während des Lockdown entwickelt?

Herrington: Ich habe gemerkt, dass ich gern Zeit allein verbringen kann, dass die tägliche Meditation gut tut, und dass ein Rhythmus mit Sport und Bewegung richtig gesund sein kann. Ich telefoniere täglich mit Freunden und mit meiner Familie in Sydney, New York, Singapore und natürlich hier in Deutschland. Die negativen Gewohnheiten ... o je! ... erstmal gehe ich später ins Bett, weil ich nichts habe, wofür ich aufstehen muss. Ich habe außerdem viele neue Cocktail- Rezepte gelernt (ob das gut oder schlecht ist ... müssen Sie für sich entscheiden!). Ich schaue ein bisschen zu viel fern, was nicht ideal ist (aber . . . „Tiger King“ war toll. Absurd und pervers aber toll). Sonst bin ich nicht so unartig.

Wie halten Sie sich als Sänger derzeit fit?

Herrington: Ich war tatsächlich ziemlich krank, und deswegen habe ich versucht, nicht zu schnell wieder ins kalte Wasser zu springen. Ich habe noch Nacheffekte von dem Virus (Atemprobleme, Husten etc.), und finde es auch in Ordnung, meinem Körper ein bisschen Zeit zur Erholung zu erlauben. Langsam werde ich wieder damit anfangen, aber erst einmal brauche ich eine Pause.

Welches besondere Gericht haben Sie in letzter Zeit für sich entdeckt bzw. kreiert?

Herrington: Ich habe Holundersirup gemacht (von den Bäumen die ich im Garten habe) und zum ersten Mal habe ich Wein fermentiert, was Spaß gemacht hat! Wie fast jeder, habe ich Sauerteigbrot gebacken. Ich habe auch Jiaozi dumplings und Cha siu bao (chinesische Brotteigtaschen) gemacht. Für mich, sind sie nicht neu, aber zeitintensiv, und dass ich viel Zeit hatte, ist es jetzt die richtige Zeit!

Möchten Sie unseren Lesern ein Buch bzw. einen Film oder eine Serie empfehlen?

Herrington: Ich lese eine Krimireihe auf Englisch von Peter James, alle mit dem Detektiv Roy Grace. Die Bücher finde ich unterhaltsam. Sonst habe ich angefangen, alle James-Bond-Filme chronologisch durchzuschauen: ich bin bei Nummer 19 von 26. Eine Serie, die ich toll finde, ist „Westworld“, und weil ich ein Basketball-Fan bin, kann ich auch die Doku-Serie über Michael Jordan „The Last Dance“ empfehlen.

Was vermissen Sie am meisten?

Herrington: Die Gesellschaft – und die Freiheit: Ich will Freunde umarmen, und zusammen sitzen und mich nicht fragen, wann ich zum letzten Mal die Hände desinfiziert habe. Und die Bühne fehlt mir. So sehr. Mir fehlt diese Zusammenarbeit. Dass wir zusammen Geschichten erzählen und Leute unterhalten. Mir fehlt diese Fantasie. Dass für ein paar Stunden, alle im Publikum sowie wir auf der Bühne irgendwo anders sein können, in einer anderen Welt. Oder wie Schubert es vertont hat: „Hast du mein Herz zu warmer Lieb‘ entzunden, hast mich in eine bessre Welt entrückt . . . den Himmel bessrer Zeiten mir erschlossen, du holde Kunst, ich danke dir dafür.“

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