Münster Barometer
Wenig Kenntnis, düsteres Bild

Münster ist mehr als Prinzipalmarkt-Herrlichkeit. Münster hat auch soziale Brennpunkte, meinen 93 Prozent der Bevölkerung. Und sie sagen auch, wo diese ihrer Meinung nach liegen. Bei der Frage, welcher Stadtteil der größte soziale Brennpunkt Münsters...

Samstag, 20.09.2008, 07:09 Uhr

Münster ist mehr als Prinzipalmarkt-Herrlichkeit. Münster hat auch soziale Brennpunkte , meinen 93 Prozent der Bevölkerung. Und sie sagen auch, wo diese ihrer Meinung nach liegen. Bei der Frage, welcher Stadtteil der größte soziale Brennpunkt Münsters sei, rangiert Kinderhaus auf Platz eins: 35,5 Prozent der Befragten, nannten spontan das Viertel im Norden der Stadt.

Etwas seltener (27,2 Prozent) wurde Coerde genannt, 14,7 Prozent sehen beide Stadtteile zusammen als Münsters größten sozialen Brennpunkt an. Acht Prozent der Interviewten finden, dass Berg Fidel diesen zweifelhaften Titel verdiene. Jeweils wenige Befragte nannten noch die Osthuesheide, Angelmodde, das Bahnhofsviertel und die Brüningheide.

Die Befragten zeichnen kein guten Bild von ihrem jeweils erwählten Top-Brennpunkt der Stadt: 89 Prozent sehen hier hohe Kriminalität, 95,7 Prozent hohe Arbeitslosigkeit, 96,2 Prozent eine hohe Quote von Migranten. Knapp 50 Prozent glauben, dass es dort wenige Freizeitangebote gibt, 45,3 Prozent, dass die Straßen verschmutzt sind und 73,1 Prozent an schlechte Nachbarschaft in diesem Viertel.

Die große Mehrheit der Befragten (78 Prozent) bekennt jedoch, sich selten oder nie in diesem Stadtteil aufzuhalten. 53,8 Prozent haben dort keine Freunde oder Bekannte, und 63,8 Prozent geben zu, „weniger gut“ oder „überhaupt nicht“ über den als Brennpunkt apostrophierten Stadtteil Bescheid zu wissen.

Genau diese Personen, die keine oder kaum direkte Berührungen zu den von ihnen identifizierten sozialen Brennpunkten haben, beurteilten die Punkte „Kriminalität“, „verschmutzte Straßen“, „Freizeitangebote“ und „Nachbarschaft“ wesentlich negativer als die Befragten, die sich dort häufiger aufhalten. Das düsterste Bild vermeintlicher sozialer Brennpunkte wird also von jenen gezeichnet, die um die fraglichen Stadtteile den weitesten Bogen machen. Klischees werden hier umso bereitwilliger bedient, je weniger Sachkenntnis von der Realität vorhanden ist.

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