Das Kraftwerk von Wolbeck
Münster-„Tatort“ bringt die münsterländische Volksseele zum Kochen

Seit zehn Jahren ermitteln die „Tatort“-Komissare Thiel und Boerne nun schon in Münster. ZDF-Detektiv Wilsberg ist sogar schon seit 1995 auf Sendung. Anfangs amüsierte man sich im Münsterland noch über Fehler, die nur Ortskundigen auffallen. Doch beim Braunkohlekraftwerk, das der jüngste Münster-„Tatort“ nun dem Stadtteil Wolbeck andichtete, hört der Spaß offenbar auf. Die münsterländische Volksseele kocht im verflixten 17. Jahr als Krimi-Metropole.

Montag, 26.11.2012, 16:11 Uhr

Das Kraftwerk von Wolbeck : Münster-„Tatort“ bringt die münsterländische Volksseele zum Kochen
Axel Prahl als Kommissar Frank Thiel in einer Verfolgungsszene des jüngsten Münster-„Tatorts“, die durchaus das Zeug dazu hätte, in Wolbeck zu spielen. Foto: WDR

Wilsberg, der münstersche Privatdetektiv, war der Erste, und damals lachten die Zuschauer noch. Unvergessen dieser Abend im Kino: Die Münsteraner waren es noch nicht gewohnt, dass in ihrer Stadt der Krimi wohnte. Geschlossen amüsierte sich das Premierenpublikum folglich beim zweiten „Wilsberg“ fürs ZDF darüber, dass die Autos falsch herum durch eine Einbahnstraße kurvten, um im nächsten Moment in einem ganz neuen Stadtteil aufzutauchen. Auch das Café vorm Schloss, das es nicht gab, oder die topmoderne Immobilienbank hinter der Erbdrostenhof-Fassade wurde amüsiert aufgenommen. Beim Braunkohlekraftwerk, das der jüngste Münster-„Tatort“ nun dem Stadtteil Wolbeck andichtete, hört der Spaß aber offenbar auf. Die münsterländische Volksseele kocht im verflixten 17. Jahr als Krimi-Metropole.

Längst ermittelt nicht mehr nur „Wilsberg“ in der Domstadt, sondern – seit nunmehr zehn Jahren – auch das derzeit erfolgreichste „Tatort“-Gespann. 12,11 Millionen Zuschauer verfolgten die jüngste Folge der Krimireihe mit dem Titel „Das Wunder von Wolbeck“. Der Fall mit dem Ermittler-Duo Axel Prahl und Jan Josef Liefers ist damit der quotenstärkste der populären Krimireihe seit 19 Jahren. An der Spitze liegen noch immer die NDR-Kommissare Stoever und Brockmöller (Manfred Krug und Charles Brauer) mit dem Fall „Um Haus und Hof“ (1983) und 12,83 Millionen Zuschauern.

 

Aber während man sich im Rheinland über die Rekordquote freut, sind manche Zuschauer aus Westfalen erzürnt. Nicht so sehr über den plumpen Fall, sondern über die Dreistigkeit, mit der hier das Rheinland das Münsterland abgibt. Dabei macht der WDR als verantwortlicher Sender gar keinen Hehl daraus, den „Tatort“ aus Kostengründen überwiegend im Rheinland zu produzieren – dort, wo viele Fernsehsender ihren Sitz haben. Und die Filmfirmen ebenfalls. Der entlarvendste Moment im „Schummelkrimi“, wie ihn die „Bild“ titulierte, war der, als Axel Prahl Pommes essend auf seine Assistentin wartete – und ein riesiges Kraftwerk im Hintergrund ins Blickfeld geriet.

Wir drehen so viele markante Szenen wie möglich in Münster

WDR-Pressesprecherin Barbara Feiereis

Aber auch schon die Dorfkneipe, in der die einfältigen Krien-Brüder im Krimi ihr Vaterschafts-„Coming out“ hatten, hatte für manche Kritiker eine eher rheinische Anmutung. Und für manche Wolbecker eine zu „hinterwäldlerische“, um wirklich ihren Stadtteil wiederzugeben. Natürlich, so erklärte die WDR-Pressesprecherin Barbara Feiereis auf Anfrage unserer Zeitung, wolle man Münsteraner und Münsterländer nicht beleidigen. „Wir drehen so viele markante Szenen wie möglich in Münster .“

Der „Tatort“ sei aber Fiktion – „und bei fiktionalen Filmen ist es nichts Ungewöhnliches, dass auch an anderen Orten als den Spielorten gedreht wird“, sagte Feier­eis. „Oberstes Prinzip ist ein sparsamer Umgang mit den Gebührengeldern. So spielt auch bei der Auswahl der Drehorte der verantwortliche Umgang mit den Kosten eine ganz wichtige Rolle.“ Für den aktuellen „Tatort“ wurde nach Auskunft des WDR an zwei Tagen in Münster gedreht. So sei die entscheidende Szene im Hafen von Münster entstanden und die Szene mit dem Straßenschild tatsächlich auf der Wolbecker Landstraße.

 

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