„Theater en face“ im Pumpenhaus
Zappelphilipp möchte träumen

Münster -

Ein Junge kippelt auf seinem Stuhl, die Mutter erhebt drohend die Faust, der Vater im Gehrock steht stumm daneben. Was hier als Schattenspiel im Stil des 19. Jahrhunderts auf die Bühne kommt, ist zeitlos, nur dass dem Zappelphilipp aus Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ wohl heute eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADHS) bescheinigt würde.

Sonntag, 06.03.2016, 22:03 Uhr

Der Filius (Stephanie Escudeiro Kießling) von Carl Friedrich Gauß liebt die Literatur.
Der Filius (Stephanie Escudeiro Kießling) von Carl Friedrich Gauß liebt die Literatur. Foto: Franziska von Schmeling

„On (Oh) No! Education“ nennt sich das szenische Spiel, mit dem die Kompagnie „Theater en face“ im Pumpenhaus Premiere feierte. Ausgehend von der Frage, woher unsere heutigen Erziehungsideale kommen, tritt Regisseurin Xenia Multmeier einen großen Schritt zurück und blickt auf Dichter und Denker, die in Deutschland Geschichte geschrieben haben.

Im Zentrum des Geschehens steht der große Mathematiker Carl Friedrich Gauß (Christoph Winges), der als Vater mit seinem Sohn Eugen so manche Diskussion geführt haben mag, bevor das Kind schließlich nach Amerika auswanderte. Hier tritt der Filius, humorvoll-überzeichnet dargestellt von Stephanie Escudeiro Kießling, als leidenschaftlicher Literaturliebhaber auf. Doch Kunst, meint der kluge Papa, tauge nichts. Auf Biegen und Brechen soll der Sohn etwas „Nützliches“ studieren, womit er wohl Naturwissenschaften meint. Niemand kann ihn vom Gegenteil überzeugen. Dass die berühmte Pädagogin Maria Montessori die Autonomie des Individuums verteidigt, stößt auf taube Ohren. Kein Wunder, dass am Ende alle Sterne erlöschen.

So leicht sich die Szenen auf heutige Verhältnisse übertragen lassen, hält die Historie mit Beispielen Schwarzer Pädagogik – etwa der Geschichte vom Schneider, der an Daumen lutschenden Kindern die Finger abtrennt – das Publikum auf die Dauer der zweistündigen Vorstellung doch auf Distanz. Von aktuellen Bezügen, die hier und da anklingen, hätte man sich mehr gewünscht.

Multmeiers Collagentechnik, die auf abwechslungsreiche Weise Bewegung (Choreografie und Tanz: Vivien Hecht), Musik von Almuth und Udo Herbst sowie videounterstützte Szenen und Schauspiel miteinander verbindet, kommt dagegen gut an. Gelungen auch Xenia Multmeiers und Frederic Clausens vielfältig einsetzbare Kulisse aus Papier. Wenn Mütter ihre Köpfe hindurchstoßen, um den Nachwuchs zu kontrollieren, hat das auch etwas Komisches.

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