Lärmserie: Aktionsplan mit Bürger-Kontakt
Auf der Spur des Krachs

Münster -

Was Lärm ist, empfindet jeder anders. Beim Lärmspaziergang durch das Kreuzviertel wurde gemessen.

Samstag, 30.04.2016, 10:04 Uhr

Ralf Besler führt die interessierten Bürger entlang der Grevener Straße – hier ist ein hörbarer Lärmschwerpunkt.
Ralf Besler führt die interessierten Bürger die Grevener Straße entlang – und zur stillen Uppenbergstraße (kleines Foto). Foto: bn

Wenn man ein Bild von der Lärmbelastung in der Stadt haben will, dann vielleicht dieses: Grevener Straße , im Rücken der kleinen Wandergruppe mit Immissionsschutzexperten Ralf Besler ein großes Wohnzimmerfenster. Schwere dunkle Gardinen sind zugezogen, am hellichten Tag: Passive Lärmdämpfung.

Bei der Lärmwanderung des Umweltamtes fiel das gar nicht weiter auf. Man war ganz Ohr. Und verließ sich auf die Digitalanzeige des Lauschgeräts, das Besler in der Hand hielt: „So teuer wie ein Kleinwagen“, sagt er. An der Grevener Straße zeigte es über 65 Dezibel. So laut, dass etwas geschehen muss.

Felizitas und Ulrich Bartels wohnen ein paar Meter weiter in der kleinen Kapuzinerstraße. Mit Blick auf die Grevener Straße. „Uns wäre schon geholfen“, sagt Bartels, „wenn die Leute hier 50 fahren würden.“

Genau das machen viele Autofahrer aber nicht. An der Kreuzung mit der Grevener / Steinfurter Straße fuhr manch ein Autofahrer rasant vorbei – um durch die grüne Ampel zu huschen.

Eindrücke vom Lärmspaziergang

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  • Protest gehen Autobahnlärm in Nienberg.

    Foto: Günter Benning
  • Ralf Besler misst den Lärm.

    Foto: Günter Benning
  • Lärmschwerpunkt am Neutor.

    Foto: Günter Benning
  • Ruhezone Uppenbergstraße.

    Foto: Günter Benning
  • Klirrende Altglasentsorgung mitten im Kreuzviertel.

    Foto: Günter Benning
  • Idylle im Kreuzviertel.

    Foto: Günter Benning
  • Störende Busse an der Münzsstraße.

    Foto: Günter Benning
  • Lauter Verkehr an der Grevener Straße.

    Foto: Günter Benning
  • Münszstraße.

    Foto: Günter Benning

„Innerstädtisch sind Lärmschutzmaßnahmen sehr schwierig“, sagt Ralf Besler. Man könne keine Lärmschutzwälle bauen, kaum Flüsterasphalt aufbringen. „Die Maßnahme“, sagt er, „die am besten geht und die größte Wirkung hat, ist Tempo 30.“

Karl Bodmann von der Papenstiege hatte zu dem Lärmspaziergang gleich ein Protestplakat mitgebracht: „Schlaflos in Nienberge“, stand dort.

„Wir sind verbittert“, sagt er, denn beim Ausbau der A1 seien vom Landesbetrieb Straßen keinerlei aktive Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen – trotz erheblicher Lärmbelastung.

Sein Auftritt musste wohl eher symbolisch bleiben. Heiner Bruns, Leiter des Umweltamtes, hatte nämlich eingangs geklärt, dass der Lärmaktionsplan, der in diesem Jahr noch beschlossen werden muss und das Ergebnis einer fünfjährigen Entwicklungsphase ist, zwar städtische Straßen und auch Bundesstraßen betrifft – aber keine Bundesautobahnen.

Bruns demonstrierte sein Exemplar des Lärmaktionsplanes – durch viele Notizen bereits ergänzt: „Die Politik wünscht Veränderungen“, sagte er, „aber wir warten auch auf die Anregungen der Bürger.“

Die Wanderung entlang der Münzstraße, zur Steinfurter Straße und dann ins Kreuzviertel hinein, machte auch deutlich, dass es in Münster sehr ruhige Plätze gibt.

Überall gebe es auch lärmabgewandte Seiten, erklärt Ralf Besler an der Uppenbergstraße. Das Neubaugebiet, umflossen von Hauptverkehrsstraßen, ist im Inneren eine stille Insel.

Später an der Promenade machte Heiner Bruns ein Kinderspiel mit den Teilnehmern: „Schließen sie die Augen.“ Auch mitten im ruhigen Wohngebiet blieb die Stadt wie ein dumpfes Rauschen zu hören.

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