Infoveranstaltung zur Flüchtlingssituation
Sorgen und Ängste kamen zur Sprache

Münster-Hiltrup -

Bereits vor dem Brandanschlag auf die geplante Flüchtlingsnotunterkunft war die Anlage am Sportplatz Hiltrup-Süd Tagesgespräch. Kritisiert wird und wurde, dass an diesem Standort alleinreisende Männer wohnen sollen. Die Stadt konterte am Dienstagabend mit einer Informationsoffensive.

Mittwoch, 11.05.2016, 20:05 Uhr

Infoveranstaltung zur Flüchtlingssituation : Sorgen und Ängste kamen zur Sprache
Polizeipräsident Hans-Joachim Kuhlisch (r.) nahm in der Stadthalle Stellung zur Flüchtlingssituation in Münster und zu Sorgen aus der Bevölkerung. Bezirksbürgermeister Joachim Schmidt (l.) lobte das große ehrenamtliche Engagement im Stadtbezirk. Foto: mlü

Oberbürgermeister Markus Lewe bezeichnete die Flüchtlingskrise als „epochale Zeitenwende“ – regionale Konflikte haben heute Auswirkungen auf die ganze Welt. Spürbar ist das auch in Münster. 4000 geflüchtete Menschen hat die Stadtgesellschaft aufgenommen. Davon sind 40 Prozent Kinder im schulpflichtigen Alter.

Die „Chancen und Herausforderungen“ der Krise klar benennen sowie die Sorgen und Ängste der Bevölkerung offen ansprechen, „ohne auszugrenzen“. Das waren die Ziele einer hochkarätig besetzten Infoveranstaltung in der Stadthalle Hiltrup . Vor dem Hintergrund des Brandanschlages auf eine geplante Notunterkunft am Sportplatz Süd im April hatte der Termin an Brisanz gewonnen. Bezirksbürgermeister Joachim Schmidt betonte: „Dieses Verbrechen ist nicht typisch für Hiltrup.“ An die vielen ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer gerichtet appellierte er: „Bitte lassen Sie sich nicht verschrecken oder verängstigen.“

Lewe moderierte die mit knapp 160 Besuchern eher schwach besuchte Veranstaltung und erteilte in der Fragerunde Bürgern und Experten aus der Stadtverwaltung das Wort.

►   „Flüchtlinge sind polizeilich unauffällig“, sagt Polizeipräsident Hans-Joachim Kuhlisch . In Münster werden nur niederschwellige Delikte beobachtet – Streitigkeiten in den beengten Notunterkünften sowie Verstöße gegen die Asylauflagen. „Eine agile Gruppe nordafrikanischer Kleinkrimineller vermittelt in der öffentlichen Wahrnehmung einen falschen Eindruck“, berichtet Kuhlisch von Problemen rund um Münsters Hauptbahnhof. Diese Menschen würden kein Asyl beantragen, sind folglich keine Flüchtlinge.

► In die Notunterkunft an der Westfalenstraße sollen Männer aus dem Irak, aus Syrien und Eritrea einziehen. „Auf den Standort können wir nicht verzichten, wir hoffen, dass der Feuerschaden nicht zu hoch ist“, sagt Dagmar Arnkens-Homann, Leiterin des städtischen Sozialamtes. Die Aufteilung der Räume „und das Konzept der Einrichtung“ lassen es sich nicht zu, zusätzlich Familien unterzubringen. Auch ein Tausch mit der Einrichtung am Haus Heidhorn sei daher nicht möglich.

► Sind Konflikte in der engen Männernotunterkunft vorprogrammiert? Alleinreisende Männer, wie sie in der Notunterkunft am Sportplatz Süd einziehen sollen, wollen vor allem eines: „Nicht negativ auffallen“, so Kuhlisch. Die Sicherheit an diesem Standort sei sogar besonders gut gewährleistet, weil er von der Hiltruper Polizeiwache aus gesehen schnell erreichbar ist.

► Aktuell leben 44 Flüchtlinge im Stadthallen-Trakt mit den Schulräumen. Die Verhältnisse in der Notunterkunft sind vergleichsweise beengt und sanitäre Anlagen gibt es ausschließlich in der Dreifachturnhalle am benachbarten Hallenbad – das kollidiert häufig mit dem Sportunterricht. Jetzt bestätigte Dagmar Arnkens-Homann einen Bericht in dieser Zeitung, wonach die Wohnplätze „sukzessive abgebaut“ werden sollen. Die Leiterin des münsterischen Sozialamtes betonte, dass die Schließung der Notunterkunft nicht „von heute auf morgen“ geschehe. Der schrittweise Umzug der Flüchtlingsfamilien in andere Unterkünfte werde mit Rücksicht auf jene Kinder geplant und durchgeführt, die bereits eine Hiltruper Schule besuchen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3998080?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F3814581%2F4848486%2F4848494%2F
Unzulässige Kahlschläge im Teutoburger Wald?
Die Karte zeigt nach Angaben der BI die Flächen, auf denen Fichten und Buchen gefällt worden sind (Bild links). Ein Teil der Kahlschläge ist auf Arealen vorgenommen worden, für die von der Firma Calcis eine Verlängerung der Abgrabungsgenehmigung gestellt worden ist.
Nachrichten-Ticker