Gehörschonend in der Stadt mit E-Bussen
Die leisen Riesen

Münster -

Fünf E-Busse haben die Stadtwerke. Sie schonen die Ohren. Und machen es möglich, mit Bussen zum Beispiel direkt vor Krankenhäusern zu halten.

Sonntag, 15.05.2016, 08:05 Uhr

Der E-Bus auf dem Weg durch die Stadt. Man hört nur das Geräusch seiner Reifen.
Der E-Bus auf dem Weg durch die Stadt. Man hört nur das Geräusch seiner Reifen. Foto: Günter Benning

Der Motor wird angelassen, ein Ruck geht durch den Wagen, es vibriert, dann brummt der blaue Bus davon. „Das ist ein Unterschied, was?“, sagt Eckhard Schläfke , der aus einem der fünf Elektro-Busse der Stadtwerke heraus das Dieselfahrzeug beobachtet. Dann beugt er sich vor und sagt: „Thorsten, fahr mal los.“

Thorsten Knölke gibt Gas. Sehr leise rollt der Stromer an. Kein Schalten, kein Ruckeln, kein Rumoren im Leerlauf. „Man hört allerdings das Geräusch der Türen“, sagt Eckhard Schläfke, der Betriebsleiter der münsterischen Verkehrsbetriebe. Das geht für gewöhnlich bei den anderen Bussen seines Unternehmens im Motorgeräusch unter.

Die elektrischen Busse der Stadtwerke laufen im Experimentiermodus. Noch sind sie etwa dreimal so teuer wie herkömmliche Fahrzeuge . „Das wird sich auf das eineinhalbfache reduzieren“, sagt Schläfke. Rund acht Millionen Euro von Förderprogrammen für den Nahverkehr stecken in dem Versuch. Die Busse stammen aus den Niederlanden. „Deutsche Unternehmen wie Mercedes “, so Schläfke, „haben erste E-Modell erst für 2019 angekündigt.“ Man scheue wohl das Risiko.

Für Thorsten Knölke und seine Kollegen bedeuten die E-Busse Fahren in der Komfortzone: „Es ruckelt nicht so und alles ist viel leiser.“ Selbst Schüler, die sonst gern im Bus lärmen, unterhalten sich zivilisierter – man muss kein Motorgeräusch übertönen. Dabei sind auch die E-Busse nicht ganz lautlos. Man hört das Rollen der Reifen, es gibt Anfahr- und Bremsgeräusche. Aber sie sind deutlich zurückhaltender als bei Diesel-Bussen. Wenn sie an Bushaltestellen oder an Ampeln stehen, ist es still. Der E-Motor braucht keinen Leerlauf.

Für Schläfke verbirgt sich hinter der elektrischen Technik nicht nur die Zukunft des Stadtverkehrs. Eine Zukunft mit leisen und emissionsfreien Fahrzeugen. Sie eröffnet auch völlig neue Möglichkeiten: „Mit einem E-Bus kann ich direkt vor das Krankenhaus oder das Altenheim fahren. Oder bei Ikea vor die Auslieferung.“ Mit rußenden und lauten Dieselbussen ist das nicht möglich – aus Emissionsschutzgründen.

Eckhard Schläfke, Betriebsleiter der Verkehrsbetriebe, setzt auf die Zukunft der leisen E-Busse. Foto: Günter Benning

Selbst, verteidigt Schläfke die Dieselbusse, wenn die Stadtwerke deutlich mehr Technik in die CO-Ausfilterung stecken als es heute bei Diesel-Pkw üblich ist.

E-Mobilität werde auch dann eine Rolle spielen, wenn neue Wohngebiete mit einem dichteren Takt erschlossen werden sollen als bisher. Wenn Anlieger in Wohnstraßen gegen Busse opponieren, dann wegen ihrer Auspuffgase und des Lärms.

Thorsten Knölke fährt seinen E-Bus über den Prinzipalmarkt. Vorbei an Touristen, Radfahrern, Fußgängern. Einen Diesel-Bus im Schleichschritt würde man hier auch kaum hören – aber riechen. Trotzdem ist dies nur eine Testfahrt: Damit die Batterien aufgeladen werden können, braucht es große Ladestationen. Eine komplette Füllung reicht für 200 Kilometer. An den Ladestationen wird in fünf bis zehn Minuten soviel nachgetankt, dass es bis zur nächsten Pause reicht. Derzeit verkehren die E-Busse auf der Linie 14 zwischen Maikottenweg, Hauptbahnhof, Bült und Zoo, rund zwölf Kilometer pro Strecke.

Ein Thema ist für Schläfke wichtig: Sinn machen die E-Busse nur, wenn der Strom regenerativ hergestellt wird. „Für uns ist es gut“, sagt er, „dass die Stadtwerke selbst Strom produzieren.“

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