Wolfgang-Borchert-Theater
Intendant Meinhard Zanger: Am Anfang stand die Skepsis

Münster -

Ein schönes Jubiläumsgeschenk: Meinhard Zanger, der in diesem Monat sein Zehnjähriges als Intendant des Wolfgang-Borchert-Theaters feiern kann, ist am Wochenende in Hamburg mit dem Monica-Bleibtreu-Preis für seine Shakespeare-Inszenierung „Was ihr wollt“ ausgezeichnet worden. Darüber sprach er mit unserem Redaktionsmitglied Harald Suerland.

Freitag, 08.07.2016, 12:07 Uhr

Meinhard Zanger in Kleists "Der zerbrochne Krug".
Meinhard Zanger in Kleists "Der zerbrochne Krug". Foto: Wolfgang-Borchert-Theater

Ist der Preis bei den Privattheatertagen die größte Auszeichnung, die ein Haus wie Ihres bekommen kann?

Meinhard Zanger : Ja. Er wird durch eine Jury vergeben. Vorher sind drei Reise-Jurys über 100 000 Kilometer durch Deutschland gefahren und haben die 12 besten Aufführungen ausgesucht – für Privattheater gibt es nichts darüber. Das Festival ist eine Art Gegenveranstaltung zum Berliner Theatertreffen , wo die privaten Bühnen gar nicht vorkommen. Und wir wurden seit dem Beginn 2012 mit einer Ausnahme jedes Jahr eingeladen, 2013 und auch 2016 sogar mit zwei Stücken.

Seit zehn Jahren machen sie Theater in Münster , Ihr Vertrag wurde bis 2021 verlängert. Hätten Sie damit gerechnet, dass es eine so lange Zeitspanne werden könnte?

Zanger: Ich hätte das nicht für möglich gehalten. Eine Intendanz kann sich ja mit der Zeit auch verbrauchen, wenn irgendwann der Punkt kommt, an dem man sagt: Wir haben hier alles erreicht. So weit sind wir noch nicht, gerade nach dem Umzug. Am Anfang ist man uns, der „neuen Truppe“, noch mit Skepsis begegnet, wir hatten nur 49 Prozent Auslastung. Wir mussten erst einmal die Stadt und die hiesige Mentalität kennenlernen, viele sind ja mit mir aus Köln gekommen. So haben wir anfangs sehr französisch, sehr schnell gespielt, worauf sich unsere Zuschauer gemeldet haben: „Wir wollen die Stücke verstehen!“ Darauf haben wir reagiert, denn das ist ja auch in unserem Sinn. Nach der Herausbildung eines Repertoires kamen die Herausforderungen mit dem „Sommernachtstraum“ im Gasometer und dem Umzug ins neue Haus.

Und jetzt leiten Sie das schickste Theater der Stadt?

Zanger: Ich würde sagen das schönste, von innen wie von außen – gerade sind die Handwerker da, um die Leuchtschrift draußen anzubringen. Der Wechsel ins neue Haus war schon ein Quantensprung, im alten Gebäude mussten wir ständig improvisieren. Jetzt können wir etwa das Licht für eine Vorstellung einrichten und dann morgens ein anderes Stück darin probieren. Die „Grillstube“, in der die Schauspieler früher durch die Nähe zu den Scheinwerfern standen, hat ausgedient (lacht).

Shakespeares "Was ihr wollt" im Wolfgang-Borchert-Theater

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  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
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    Foto: Klaus Lefebvre
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    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre
  • Intendant Meinhard Zanger inszeniert Shakespeare "Was ihr wollt" am Wolfgang-Borchert-Theater, diesmal in der neuen Spielstätte im Flechtheimspeicher. Neu im Ensemble sind Hannah Sieh, Peter Kaghanovitch und Gerd Lukas Storzer.

    Foto: Klaus Lefebvre

Aber die finanzielle Situation ist nicht einfacher geworden?

Zanger: Leider nein, seit ich hier bin, ist der Zuschuss der Stadt nicht erhöht worden. Jahrelang habe ich auf das strukturelle Defizit hingewiesen – es ließ sich all die Jahre durch akquirierte Drittmittel bestenfalls kaschieren. Jetzt haben wir für 2016 eine einmalige Erhöhung von 75 000 Euro bewilligt bekommen. Das hilft uns – aber danach? Was mir missfällt, ist, dass wir diese Debatte jedes Jahr führen und dass das Theater zum Spielball lokaler Politik gemacht wird. Überall steigen die Kosten und durch den Umzug in das neue Haus haben wir Mehrausgaben. Wir haben zwar jetzt durch den größeren Zuschauerraum deutlich höhere Einnahmen. Aber die Probleme, die schon vorher existierten, existieren weiterhin.

Lassen Sie uns zunächst über die größten Erfolge sprechen ...

Zanger: „Der Sommernachtstraum“ 2012, klar. Dazu gab es ja auch eine stattliche Förderung von der LWL-Kulturstiftung und der Sparkassenstiftung. Dann die Koproduktionen 2008 mit dem Schauspiel Dortmund „Die Banalität der Liebe“ und 2013 mit den Ruhrfestspielen „Wer ist die Waffe, wo ist der Feind“. Die Kooperationen beim zweiten „Blind Date“ mit dem WDR 2009 und mit dem Schauspielhaus Düsseldorf 2014 bei der Uraufführung „Die letzte Soirée“ über das Leben von Alfred Flechtheim. Und dass wir schon mit sechs Produktionen zu den Privattheatertagen eingeladen wurden, ist nicht nur eine großartige Auszeichnung, sondern tut uns durch die Gastspielhonorare auch finanziell gut.

Mein Arbeitsplatz: Meinhard Zanger

Und Misserfolge, Dinge, die Sie anders hätten machen müssen?

Zanger: Kann ich so nicht sagen. Alles, was wir gemacht haben, haben wir so gewollt. Klar gibt es Inszenierungen, mit denen man nachher nicht so zufrieden ist – aber da würde ich ohnehin nur eigene nennen und nicht die Arbeit von Kollegen. Ich gehöre ja auch nicht zu denjenigen, die nichts Gutes neben sich dulden, im Gegenteil: Alles, was gut ist, nützt dem Theater.

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Sind „Sommernachtstraum“ und „Was ihr wollt“ Beispiele dafür, wie Klassiker à la Shakespeare ziehen?

Zanger: Naja, beim „Sommernachtstraum“ spielte sicher auch die Location eine Rolle, und als wir 2007/08 „Hamlet“ aufführten, war der ganz schlecht besucht. Das lag sicher daran, dass wir in der Stadt noch recht unbekannt waren. Und Shakespeare-Aufführungen verkaufen sich vielleicht auch eher spontan – im Gegensatz zu Stücken wie „Frau Müller muss weg“ oder „Er ist wieder da“: Dafür kriegte man ja zuletzt nur noch ein paar Karten, wenn gleichzeitig die deutsche Mannschaft bei der Fußball-EM spielte.

Meinhard Zanger ist seit zehn Jahren Intendant des Wolfgang-Borchert-Theaters.

Meinhard Zanger ist seit zehn Jahren Intendant des Wolfgang-Borchert-Theaters. Foto: Günter Benning

Wenn man abends aus Ihrem Theater kommt und im Auto das Radio einschaltet, kann es passieren, dass man den Intendanten mit den Nachrichten hört. Radio in Köln, Festspiele in Feuchtwangen, Intendanz in Münster, wo Sie zudem als Dorfrichter Adam auf der Bühne stehen: Ist das nicht ein bisschen viel?

Zanger: Theaterleiter ist ja ein Amt, kein Beruf, den man erlernt. Von Beruf bin ich Regisseur und Schauspieler. Und Schauspieler sind auch bei Film, TV und Radio tätig. Oder unterrichten. Radio ist eine lieb gewordene Beschäftigung, ich bin seit rund 30 Jahren dabei. Die rein administrative Arbeit frisst einen auf. Da darf die Kunst nicht zu kurz kommen. Ein Intendant, der Regie führt, kennt das Haus in allen Facetten. Und als Schauspieler bin ich ja auch noch im „Gott des Gemetzels“ auf der Bühne. Das spielen wir übrigens schon seit acht Jahren und überlegen manchmal, ob wir nicht umbesetzen müssen: Langsam werde ich zu alt für die Rolle (lacht).

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