Serie: Arbeiten in der Kirche
Ein Wohlfühlort im Krankenhaus

Münster -

„Nie ist man mit einem Buch so nah am Menschen wie im Krankenhaus.“ Erfahrungen aus Jahrzehnten haben Susanne Amberg diesen Satz gelehrt. „BiK“ nennt sich ihr Arbeitsplatz im St.-Franziskus-Hospital in Münster – „Bücherei im Krankenhaus“.

Samstag, 23.07.2016, 13:07 Uhr

Susanne Amberg leitet seit 21 Jahren die Bücherei im St.-Franziskus-Hospital.
Susanne Amberg leitet seit 21 Jahren die Bücherei im St.-Franziskus-Hospital. Foto: pbm / Ann-Christin Ladermann

Seit 21 Jahren leitet die Diplom-Bibliothekarin den Raum mit rund 7500 Medien, darunter Bücher, CDs, DVDs und Spiele. Unterstützt wird sie von ihrer Mitarbeiterin Cornelia Eilers sowie zwei Ehrenamtlichen, Christel Nünning und Klara Lessmann.

„Wir befinden uns in einem ständigen Dialog mit den Menschen und den Büchern“, erklärt Amberg . Einfühlungsvermögen und „das Gespür für das, was der Patient gerade braucht“, seien dabei gefragt. Um allen Patienten die Bandbreite der Bücher anbieten zu können, fahren Amberg und ihre Kolleginnen wöchentlich mit dem Bücherwagen über alle Stationen. Rund 1000 Bücher – thematisch und alterstechnisch abgestimmt auf die jeweiligen Stationen – rollen dann über die Krankenhausflure von Zimmer zu Zimmer.

Die Reaktionen darauf seien ganz unterschiedlich, erzählt die 52-Jährige. „Lesen? Ich bin froh, dass ich lebe!“ – Diesen Satz habe sie beispielsweise schon einige Male gehört. Viele Patienten freuten sich jedoch über die Ablenkung: „Die meisten Bücher führen die Patienten sofort an einen Ort des Gesundens, darum nehmen sie das Angebot gerne an – es tut ihnen einfach gut“, erklärt Amberg. Zwar würden die Liegezeiten im Krankenhaus immer kürzer, das bedeute jedoch nicht, dass die Patienten schneller gesund würden als früher. „Wir bieten den Patienten auch an, Bücher für die Zeit zu Hause auszuleihen.“

Vor allem ältere Menschen nutzten außerdem das Angebot, Bücher telefonisch in der „BiK“ zu bestellen und dort abzuholen. „Diese Kunden sind froh, ihren Bücherkauf mit regelmäßig stattfindenden Untersuchungen hier im Haus verbinden zu können“, erklärt sie, „denn der Weg in die Stadt ist für viele zu weit.“

Amberg formuliert drei weitere Aspekte, die die „BiK“ auszeichnen: „Intensive Beratung, Betreuung und Begleitung – nicht nur in literarischen Fragen.“ So erlebten die Patienten und Mitarbeiter des St.-Franziskus-Hospitals die Bücherei als einen Wohlfühlort im Krankenhaus und als Anlaufstelle in allen Lebenslagen. „Die BiK leistet soziale Büchereiarbeit und stärkt damit das Profil unseres christlichen Krankenhauses“, stellt die 52-Jährige fest.

Für die erfahrene Bibliothekarin, die sich bereits in ihrer Jugend ehrenamtlich in einer Bücherei engagierte, steht fest: „Krankenhausbüchereien verändern sich stetig.“ So könne man beispielsweise beobachten, dass immer weniger Sachbücher ausgeliehen würden, weil die Patienten stattdessen das Internet als Informationsquelle nutzten. Dagegen sei die Nachfrage nach Wörterbüchern aufgrund einer zunehmenden Zahl an fremdsprachigen Patienten gestiegen. Amberg beobachtet eine weitere Tendenz: „Büchereien benötigen weniger Platz für Medien, aber mehr Platz für die Menschen.“

Darum bietet sie mit ihren Mitarbeiterinnen Veranstaltungen in der Bücherei an: Vorlesestunden für die Kleinsten, kreative Angebote rund um Literatur, zweimal jährlich auch eine Verkaufsausstellung. „Wir wollen Bücher mit Menschen zusammenbringen und ihnen so Stimme und Gesicht geben“, sagt Amberg. Auch mit Blick auf die zunehmende Medien-Digitalisierung ist sie sich sicher: „Bücher werden immer Vermittler brauchen, die sie zu den Menschen bringen. Das ist und bleibt unsere Aufgabe.“

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