Folgen der Wasserwerksschließung
Neues Feuchtgebiet in Vennheide?

Münster -

Wenn die Stadtwerke das Wasserwerk Geist vom Netz nehmen und kein Wasser mehr aus dem Boden holen, wird sich der Grundwasserspiegel wieder auf den Wert steigen, den er vor dem Bau der Pumpstation hatte, so Wasser-Experte Prof. Helmut Grüning von der Fachhochschule Münster.

Freitag, 19.08.2016, 21:19 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 19.08.2016, 20:30 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 19.08.2016, 21:19 Uhr
Die Folgen der Wasserwerks-Schließungen lassen sich in Simulationsprogrammen berechnen, so der Wasser-Experte Prof. Dr. Helmut Grüning von der Fachhochschule Münster.
Die Folgen der Wasserwerks-Schließungen lassen sich in Simulationsprogrammen berechnen, so der Wasser-Experte Prof. Dr. Helmut Grüning von der Fachhochschule Münster. Foto: hpe

Wenn in Münster zwei Wasserwerke vom Netz gehen und nichts Flüssiges mehr aus dem Boden gefördert wird, könnte in den betroffenen Bereichen rund um die dann geschlossenen Entnahmestellen das Grundwasser im Extremfall an der Oberkante der Erdoberfläche stehen. Das kann sich zumindest Prof. Dr. Helmut Grüning vom Institut für Wasser, Ressourcen und Umwelt an der Fachhochschule Münster vorstellen.

„Der natürliche Grundwasserstand wird sich wieder einstellen, und besonders im Winter, wenn der Boden wie ein Schwamm vollgesogen ist, könnte das ein Problem sein“, so Grüning. Denn wenn die Förderung ausbleibe, steige der Spiegel auf den Wert, den er vor der Inbetriebnahme der Pumpstation einmal hatte. Das 2021 von der Schließung betroffene Wasserwerk Geist wurde 1888 in Betrieb genommen. 1880 begann man in Münster mit dem Aufbau der Wasserversorgung.

Über spezielle Simulationsprogramme könnten allerdings die künftig eintretenden Prozesse im Untergrund beispielsweise im Bereich Vennheide analytisch berechnet werden. „Das ist abhängig von der Beschaffenheit des Untergrundes und die Größe des Absenktrichters rund um die Pumpstation“, so Grüning. Die Folgen seien also „relativ genau berechenbar“. Aktuell lassen die Stadtwerke Münster in einem hydrogeologischen Gutachten prüfen, welche Auswirkungen möglich sind. Ergebnisse sollen Ende des Jahres vorliegen.

In jedem Fall, rät der Wasser-Experte, sollten die Stadtwerke dann sofort „offensiv aufklären und die Bürger mit ins Boot nehmen“. Möglicherweise müssen Hauseigentümer in der Siedlung Vennheideweg und am Elsa-Brändström-Weg ihre Kellerbereiche besser abdichten oder eine zusätzliche Drainage legen. Ob durch den steigenden Wasserdruck Häuser komplett „aufschwimmen“ könnten, hält Grüning eher für eine theoretische Gefahr. Und „je weiter man im Radius vom Werk entfernt liegt, je geringer sind die Auswirkungen im Untergrund.“

Auch habe die Schließung eines Wasserwerks keinen endgültigen Charakter. „Es müssten zwar neue Brunnen gebaut werden, aber eine Reaktivierung sei mit Zustimmung der Bezirksregierung immer möglich, so Grüning.

Grundsätzlich sei es auch nicht erforderlich, unmittelbar in Münster eine Trinkwasserförderung zu betreiben. „Es kann durchaus aus einem größeren Umfeld gefördert und über Leitungen zur Stadt geführt werden“, so Grüning. Ein Trinkwasserversorgungsproblem werde durch die Schließung für Münster nicht entstehen.

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