Suizid ist ein schwieriges Thema
Auswege aus der Krise

Münster -

Der 10. September ist der Suizidprävention gewidmet und somit auch Menschen, die unter einem unverarbeiteten Trauma leiden. Bei ihnen ist das Risiko, lebensmüde Gedanken zu entwickeln, um ein Vielfaches erhöht.

Samstag, 10.09.2016, 06:09 Uhr

Depressionen führen nicht selten zu Suizidgedanken.
Depressionen führen nicht selten zu Suizidgedanken. Foto: dpa

1296 Menschen haben sich vorletztes Jahr in NRW das Leben genommen. Im Regierungsbezirk Münster waren es 275, in Münster 39. Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 10 000 Menschen durch Suizid, heißt es in einer Pressemitteilung der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster und der Krisenhilfe Münster.

Isolation, Schuldgefühle, Scham und Stigmatisierung können Auswege aus der Lebensmüdigkeit versperren. Das betrifft Menschen, die an den Folgen eines unverarbeiteten Traumas leiden, in besonderem Maße. „Traumatische Erlebnisse sind eng mit dem Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit verbunden. Vor allem, wenn sie ‚Mensch-gemacht‘ sind, wie bei Missbrauchserfahrungen. Diese tiefe Verletzung der Würde erschüttert auch das Selbstwertgefühl zutiefst. Die Gefahr, in der Opferrolle verhaftet zu bleiben, ist dann sehr groß. Menschen, die sich wieder handlungsfähig und selbstfürsorglich erleben können, sind am besten vor Depression und Suizidalität geschützt“, sagt Benedikt Klauke , Leitender Psychologischer Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Klinik.

Traumafolgestörungen, wie die Posttraumatische Belastungsstörung, können Monate bis Jahre später auftreten. Oft werden sie von Depressionen begleitet. Immer wieder überrollen sie Erinnerungsbruchstücke, häufig unkontrollierbar erlebte Gefühle. Das lässt am Lebenswert zweifeln, vor allem wenn Scham und Schuldgefühle im Spiel sind.

Wichtiger denn je: die soziale Unterstützung. „Durch das massive Verschweigen und die Tabuisierung dieses Problems verstärken sich die Vorurteile, die Menschen mit Selbsttötungsabsicht entgegengebracht werden. Hierdurch werden die Betroffenen in einer lebensbedrohlichen Situation allein gelassen“, weiß Petra Karallus, Leiterin der Krisenhilfe Münster. Dort finden Menschen in suizidalen Krisen schnell Hilfe. Der wichtigste Schutz vor Lebensmüdigkeit ist jedoch eine frühzeitige und qualifizierte Therapie.

Zum Thema

Die Krisenhotline der Krisenhilfe ist montags bis freitags von 17.30 bis 19.30 Uhr sowie montags bis donnerstags von 9 bis 13 Uhr erreichbar, ✆ 5190 05. www.krisenhilfe-muenster.de. Das Beratungstelefon der Dornier-Klinik ist jeden Mittwoch zwischen 17 und 20 Uhr zu erreichen, ✆  4810-148, www.christoph-dornier-klinik.de.

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