Stadt legt „Integrationsmonitoring“ vor
Migration hat viele Gesichter

Münster -

In Zeiten politischer Korrektheit ist immer von „Menschen mit Migrationshintergrund“ die Rede. Gemeint sind damit nicht nur Ausländer, Zuwanderer oder Flüchtlinge. Dass die Wirklichkeit äußerst differenziert ist, macht das „Integrationsmonitoring“ der Stadt Münster deutlich. Der 120 Seiten starke Bericht wurde jetzt den Kommunalpolitikern vorgelegt.

Montag, 24.10.2016, 07:10 Uhr

Bunt geht es nicht nur beim Internationalen Fest des Integrationsrates zu, das kürzlich wieder stattfand. Auch die Stadtgesellschaft wird zunehmend vielfältiger.
Bunt geht es nicht nur beim Internationalen Fest des Integrationsrates zu, das kürzlich wieder stattfand. Auch die Stadtgesellschaft wird zunehmend vielfältiger. Foto: Maria Conlan

Danach haben 22,4 Prozent der 305 000 Münsteraner (Stand Ende 2015) eine Migrationsvorgeschichte , aber nur 9,7 Prozent sind rechtlich gesehen Ausländer.

Die Erklärung: Zu den Münsteranern mit Migrationsvorgeschichte zählen auch Spätaussiedler, die allesamt einen deutschen Pass haben. Darüber hinaus werden auch „Deutsche mit vererbter Migrationsvorgeschichte“ erfasst. Das sind zum Beispiel die Kinder von Ausländern. Sie verfügen über die deutsche Staatsangehörigkeit und sind in Deutschland aufgewachsen, haben aber gleichwohl familiäre Wurzeln außerhalb von Deutschland.

Münsters Gesellschaft im Wandel

Die von der Stadt Münster vorgelegten Zahlen lassen keinen Zweifel daran, dass sich Münsters Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten grundlegend wandeln wird. Denn als Faustregel ist bereits jetzt erkennbar: Je jünger die Münsteraner, desto ausgeprägter ist das Thema Migration .

In der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen haben zwei von zehn Münsteranern besagte Migrationsvorgeschichte, bei den Zehn- bis 19-Jährigen sind es drei, bei den Kindern unter zehn Jahren sind es vier.

Entwicklung an Schulen sichtbar

Diese Entwicklung hat längst auf die Schulen durchgeschlagen. Dort steigt der Zuwanderer-Anteil kontinuierlich.

Wie schwer die Integration ist, zeigt eine andere Statistik. In den politischen Gremien der Stadt Münster sind insgesamt 645 Menschen aktiv, davon aber nur 52 mit Migrationsvorgeschichte. Gemessen an dem tatsächlichen Bevölkerungsanteil müssten es mehr als doppelt so viele sein.

Noch etwas kann man den Zahlen entnehmen: Migranten haben einen stärkeren familiären Zusammenhalt. In „Haushalten mit Migrationshintergrund“, wie es offiziell heißt, leben durchschnittlich 2,3 Münsteraner, in Haushalten „ohne“ sind es 1,6.

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