Fachkräftemangel
Physiotherapeuten: „Der Markt ist leer“

Münster -

Physiotherapeuten dringend gesucht: Lange Wartezeiten für Patienten, zu wenig Fachkräfte – das beklagt Praxisinhaber Frank van Loh.

Montag, 24.10.2016, 17:10 Uhr

Nachwuchsprobleme gibt es bei den Physiotherapeuten in Münster.
Nachwuchsprobleme gibt es bei den Physiotherapeuten in Münster. Foto: dpa

Den Rücken verrenkt? Den Nacken verspannt? Hexenschuss oder Gelenkblockaden? Ganz klar – der Physiotherapeut muss ran. Doch genau da hakte es. Denn einen Termin zu bekommen, das ist oftmals eine echte Herausforderung – besonders, wenn es schnell gehen soll. „Die Wartezeit für neue Patienten liegt schon mal zwischen drei und fünf Wochen“, klagt Frank van Loh. Und der ist kein Patient. Er ist Physiotherapeut, möchte helfen, heilen und mobilisieren. Aber: „Der Fachkräftemangel in unserem Bereich macht es fast unmöglich, schnell zu reagieren und Patienten nicht in die Warteschleife zu setzen.“

Seit Monaten sucht er neue Mitarbeiter – ohne Erfolg. Nicht, weil sie ihm nicht gefallen, nicht, weil er Zweifel an ihrer Eignung und Qualität hätte, nein: „Der Markt ist leer, es gibt einfach keine“, stellt er fest. Aus Gesprächen mit Berufskollegen weiß er, dass es vielen ähnlich geht. Und die Arbeitsagentur hat allein für Münster zurzeit 15 offene Stellen für Physiotherapeuten im Angebot, wie Sprecherin Petra König berichtet.

Es sei eine Entwicklung, die er mit Sorge sieht, so van Loh. Und die auch Michael Wesener-Roth und Christoph Timmermeister beobachten. Sie sind Inhaber und Geschäftsführer der Timmermeister-Schule, die Physiotherapeuten ausbildet. Wöchentlich melden sich mehrere Praxen, die auf der Suche nach Mitarbeitern sind. Etwa 80 neue Anwärter starten dort jährlich ihre Ausbildung. „Das sind ja nicht wenig, das Interesse für den Beruf ist ja da“, berichtet Wesener-Roth. Aber: Die Zahl der Vollzeitkräfte reduziere sich allein dadurch, dass Frauen oftmals eine Familienpause einlegen und später – wenn überhaupt – nur noch mit reduzierter Stundenzahl arbeiten. „Und der Großteil in diesem Beruf sind Frauen.“ Echte Ausnahme sei dieses Semester: „Da haben wir rund 40 Prozent Männer.“

Frank van Loh sieht die Gesundheitspolitiker in der Pflicht. Sie, so sagt der Praxisinhaber, müssten dafür sorgen, dass die Krankenkassen endlich die Leistungen der verschiedenen Therapien deutlich besser vergüten: „Dann können wir unsere Mitarbeiter auch besser bezahlen.“ Denn das Gehalt bietet in seinen Augen zu wenig Anreiz, diesen Beruf zu ergreifen. „Es liegt am Anfang unter 2000 Euro, und das, nachdem man ja gerade erst seine dreijährige Ausbildung bezahlt hat. Und auch künftige Fortbildungen selbst finanzieren muss“, kritisiert er die Rahmenbedingungen.

Deshalb hat der Berufsverband der Physiotherapeuten auch eine Unterschriftenkampagne gestartet, in der 38,7 Prozent mehr für Physiotherapeuten gefordert wird. Motto: „Kein Geld. Keine Physios. Keine Versorgung. Die Politik muss handeln!“

Bis dahin wird Frank van Loh weiter Anzeigen schalten, bei der Arbeitsagentur nachfragen und darauf hoffen, dass er möglichst schnell zwei Vollzeitkräfte findet.

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