Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge startet Sammelaktion
Ausstellung: Zukunft braucht Erinnerung

Münster -

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge startete am Samstag seine Spenden-Sammelaktion. „Das Böse als solches ist nicht auszurotten, man kann aber versuchen, es auszusperren“, so Regierungspräsident Professor Dr. Reinhard Klenke.

Sonntag, 30.10.2016, 21:10 Uhr

Vor der Eröffnung hatte der Volksbund seine Sammelaktion, zu der auch Haustür-Sammlungen gehören, in der Innenstadt eröffnet. Foto: ohw
Vor der Eröffnung hatte der Volksbund seine Sammelaktion, zu der auch Haustür-Sammlungen gehören, in der Innenstadt eröffnet. Foto: ohw

Dazu gehöre die Kenntnis der Geschichte, so Klenke – aber die Zahl der „ Erzählzeugen “ sinke. Einen Vorschlag dazu sollte später Thomas Köhler machen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der WWU und am Geschichtsort Villa ten Hompel .

Thomas Köhler sprach zur Eröffnung.

Thomas Köhler sprach zur Eröffnung. Foto: anh

Dass man Erinnern auch zunichte machen kann, zeigte ihm im Mai ein Besuch in Baby Jar. Diese Schlucht nahe Kiew war 1941 Schauplatz eines Massenmords an Juden, Sinti und Roma sowie Kriegsgefangenen – und dann des Versuchs der Vertuschung. Orte der Erinnerung gibt es dort heute nicht, berichtete Thomas Köhler. Auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof, heute ein vermüllter Sportplatz, habe eine lokale Initiative aus Frustration einen Stein aufgestellt mit der Inschrift: „Hier sollte einmal ein Dokumentationszentrum entstehen“. Und nahe Minsk erinnere auf einem Feld nichts daran, dass anderthalb Meter tiefer 50 000 Tote liegen.

In Deutschland sei die Situation anders, wenngleich ganz nah bei Münster die Frage um den Lengericher Tunnel als Ort des Erinnerns noch nicht entschieden sei. Das eigene Erleben von Zeitzeugen sei wichtig, da diese immer älter würden, müsse man Alternativen suchen. Dazu gehörten, wie in Japan praktiziert „Paten“, die Leben und Erzählungen dieser Zeitzeugen miterleben und später weitergeben. Wichtig sei zudem, biografische Arbeit in Familien zu versuchen. Das fördere das Verstehen und das Entwickeln von Mitgefühl.

Die Ausstellung „Zukunft braucht Erinnerung“ mit 36 Schautafeln über Aspekte von Ereignissen und heutigen Friedensaktionen ist noch bis zum 22. November zu sehen.

Vor der Eröffnung hatte der Volksbund seine Sammelaktion , zu der auch Haustür-Sammlungen gehören, in der Innenstadt eröffnet. Beteiligt waren Jugendliche der Realschule im Kreuzviertel und Prominente aus Politik und Verwaltung. Die Sammlung erbrachte über 800 Euro, so Jens Effkemann vom VdK.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4402450?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F3814581%2F4848486%2F4848489%2F
Nachrichten-Ticker