Gefangenen-Bibliothek wurde ausgeräumt
„Bücherei des Jahres“ ist geschlossen

Münster -

Die bundesweit ausgezeichnete Gefangenenbücherei in der münsterischen Justizvollzugsanstalt musste ausgeräumt werden, weil das Gefängnis wegen Einsturzgefahr geräumt ist. Zehn Jahre lang hat der Förderverein viel Geld und Engagement in den Aufbau des Buchverleihs hinter Gittern investiert.

Dienstag, 29.11.2016, 16:11 Uhr

Vor einem Jahr war die Welt noch in Ordnung, das Zehnjährige in der erneuerten Gefangenenbücherei wurde gefeiert. Das Raumkonzept war vom Architekturbüro Bolles + Wilson entwickelt worden.
Vor einem Jahr war die Welt noch in Ordnung, das Zehnjährige in der erneuerten Gefangenenbücherei wurde gefeiert. Das Raumkonzept war vom Architekturbüro Bolles + Wilson entwickelt worden. Foto: hpe

Für manche ist es nur eine Facette im unendlichen Eiertanz um die Einsturzgefahr des Gefängnisses an der Gartenstraße und die Suche nach einem Neubau-Standort. Für Diplom-Bibliothekar Gerhard Peschers , Initiator der bundesweit preisgekrönten Gefangenenbücherei in der JVA Münster , ist es das vorläufige Ende eines Lebenswerks.

Die Bibliothek hinter Gittern ist ausgeräumt, rund 8000 Bücher hat Peschers mit einigen Helfern in den vergangenen Wochen aus dem architektonisch innovativ gestalteten Medienzen­trum mitten im historischen „Stern“ der Haftanstalt herausgeholt. Nun sind die Regale leer, und die Zukunft der 2007 mit dem Deutschen Bibliothekspreis ausgezeichneten Gefangenenbücherei steht in den Sternen. Peschers: „Die fünf Tage des Ausräumens fielen mir schwerer als die Jahre des Aufbaus!“

Ungewisse Zukunft: Gerhard Peschers bei der Versammlung des Fördervereins Gefangenenbüchereien am Montag

Ungewisse Zukunft: Gerhard Peschers bei der Versammlung des Fördervereins Gefangenenbüchereien am Montag Foto: hpe

Bei der Hauptversammlung des Fördervereins der Büchereien hinter Gittern am Montagabend konnte auch JVA-Chef Carsten Heim den ehrenamtlich Engagierten wenig Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zu geordneten Verhältnissen machen. Heim: „Wir befinden uns im Schwebezustand und warten auf eine Perspektive, die Zukunft ist nach wie vor ungewiss und besonders für die Familien der Bediensteten schwer zu verkraften.“

Der Bestand an Literatur und audiovisuellen Medien wurde an Gefängnisse in Krefeld, Mönchengladbach und Coesfeld abgegeben, die 30 Sprachen umfassende Sammlung fremdsprachiger Bücher liegt jetzt im Abschiebe-Gefängnis Büren für die Häftlinge bereit.

Für die in Münster noch verbliebenen 80 Häftlinge gibt es eine reduzierte Ausleihe. Groteskerweise bleibt die Buchbinderei in der JVA geöffnet, weil noch Aufträge vorliegen.

Trotz aller Ungewissheit will der Förderverein um Peschers aktiv weitermachen. An der vom Verein initiierten, bundesweiten Ausschreibung zur „Arrestanten-Bücherei des Jahres“ haben sich ein knappes Dutzend Gefängnisse beteiligt. Der Sieger wird am 18. Februar im Rathaus gekürt. Die Preisverleihung ist der Höhepunkt einer Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen des Fördervereins. Ferner will man auf Buchmessen aktiv bleiben, Workshops und Tagungen durchführen und überlegen, wie Häftlinge digitale Medien nutzen können und dürfen.

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