Beratungsstelle hilft benachteiligten Menschen
Eine Brücke für arme Europäer

Münster -

Die Europa-Brücke Münster ist eine Beratungsstelle, die neuzugewanderten EU-Bürgerinnen und -bürgern in prekären Lebenslagen zur Seite steht. Den Mitarbeitern stehen drei Räume an der Hafenstraße zur Verfügung.

Dienstag, 03.01.2017, 10:01 Uhr

Beratungsstelle hilft benachteiligten Menschen : Eine Brücke für arme Europäer
Foto: bis

Es ist ein kalter Montagmorgen im Dezember, die Sitzreihe im ersten Stock des Gebäudes an der Hafenstraße 3-5 ist bereits voll besetzt. Die Wartenden unterhalten sich auf verschiedenen Sprachen, ihre Gesprächsfetzen ergeben ein multikulturelles akustisches Durcheinander.

Pünktlich um 8.30 Uhr wird auf dem engen Gang eine Tür geöffnet. Für Bernd Mülbrecht und seine Kollegen von der Europa-Brücke Münster beginnt damit eine weitere Arbeitswoche, in der sie mit Problemen und Schicksalen von Menschen unterschiedlicher Nationen konfrontiert werden.

Angemessener Rahmen für Beratung

Bernd Mülbrecht und Stefanie Beckmann sind Initiatoren des durch den Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen (EHAP) und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Projekts. Die Europa-Brücke Münster ist eine Beratungsstelle , die neuzugewanderten EU-Bürgerinnen und -bürgern in prekären Lebenslagen zur Seite steht. Nachdem das Projekt Anfang 2016 zunächst in den Räumlichkeiten des Hauses der Wohnungslosenhilfe (HdW) startete, arbeiten Mülbrecht und seine Kollegen Stefanie Beckmann, Till Meinelt und Lukas Brinker mittlerweile in drei Räumen in der Hafenstraße.

„Darüber sind wir sehr froh“, erzählt Mülbrecht vor dem ersten Gespräch an diesem Morgen. Der Beginn sei schwierig gewesen, der kleine Raum im HdW, dessen Leiter er bis zu seiner kürzlichen Pensionierung lange Jahre gewesen ist, viel zu klein. In den neuen Räumen könne das Beratungsangebot „endlich in einem angemessenen Rahmen“ stattfinden. „Unser Angebot stellt eine Brückenfunktion zwischen der Zielgruppe und bereits vorhandenen Angeboten des regulären Hilfesystems dar“, erklärt Mülbrecht den Leitgedanken und den Namen des Projekts. Hauptziel sei es, die soziale Integration der Neuzugewanderten zu verbessern.

Enge Zusammenarbeit mit der Stadt

Eine schüchtern wirkende Frau betritt Mülbrechts Büro. Die 30-jährige Bulgarin spricht nur bruchstückhaft deutsch, ein als Dolmetscher fungierender Landsmann sorgt dafür, dass beide Seiten sich verstehen. Die Frau ist gemeinsam mit ihren beiden Kindern der Armut und Perspektivlosigkeit ihrer Heimat entflohen. Sie erhoffte sich ein besseres Leben in Deutschland, doch die Ernüchterung folgte schnell. Mittellosigkeit und Wohnungslosigkeit prägen ihren Alltag. Sie sucht händeringend nach Perspektiven, um ihre kleine Familie zu versorgen. Eine Wohnung kann sie sich nicht leisten, existenzielle Ängste plagen sie.

Das Schicksal der bulgarischen Frau ist beispielhaft für viele, die bei der Beratungsstelle Hilfe suchen. Sie gehört zur Gruppe der besonders Schutzbedürftigen, zu der auch schwangere, alte, kranke und behinderte Menschen zählen. „Der Großteil dieser Leute kommt aus Bulgarien, Rumänien und der Slowakei“, berichten die Mitarbeiter des Modellprojektes. Doch auch Menschen aus vielen weiteren EU-Mitgliedsstaaten suchten die Beratungsstelle auf, die Resonanz sei groß.

Die Europa-Brücke-Münster wurde im Juni bei einem EU-weiten Netzwerktreffen anderer geförderter Projekte in Brüssel als Beispiel guter Praxis vorgestellt und konnte schnell Unterstützer und Kooperationspartner für sich gewinnen. Auf lokaler Ebene gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt Münster, die verbindliche Kooperationsvereinbarung mit festen Ansprechpartnern in verschiedenen Ämtern funktioniere „hervorragend“, sagt Mülbrecht. Die Tafel Coesfeld stellt dem Projekt zudem regelmäßig Lebensmittel zur Verfügung, die die Mitarbeiter in Notfällen an Bedürftige weiter verteilen. 

Die Neuzugewanderten ins reguläre Gesundheitssystem vermitteln, deren Krankenversicherung klären und bei der Suche nach Perspektiven helfen, Unterstützung bei Behördengängen und immer wieder Hilfe bei existentiellen Notlagen – das Angebot der Beratungsstelle, die auch aufsuchende Hilfe leistet, ist vielfältig.Nach dem Gespräch mit Bernd Mülbrecht wirkt die bulgarische Frau erleichtert. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht verlässt sie das Büro an der Hafenstraße. Die Frage nach einer Unterkunft für sich und ihre Kinder wurde zumindest vorerst geklärt, dank der Europa-Brücke-Münster konnte vorläufig eine Bleibe vermittelt werden.

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