Mehr Flüchtlinge im Jobcenter
Auf Dauer neue Arbeit

Münster -

Neun Prozent der Hartz-4-Empfänger in Münster sind Flüchtlinge. Die Zahl steigt. Aber im Jobcenter setzt man darauf, dass viele bald ein Arbeit finden.

Freitag, 20.01.2017, 11:01 Uhr

Jobcenter-Leiter Ralf Bierstedt.
Jobcenter-Leiter Ralf Bierstedt.

Rund neun Prozent der Hartz-IV-Empfänger Münsters sind Flüchtlinge. Betreute das Jobcenter der Stadt Münster im August 2016 noch 800 Flüchtlinge, stieg deren Zahl auf derzeit 1994. Für Jobcenter-Chef Ralf Bierstedt ist das aber eine Chance: „Ich glaube, dass wir auf Dauer viele dieser Menschen auf den Arbeitsmarkt bringen können.“

Die Steigerung bei den Flüchtlingszahlen ist auf eine eigentlich positive Entwicklung zurückzuführen: Viele Flüchtlinge haben Asyl oder subsidiären Schutz für eine begrenzte Zeit erhalten. Damit fallen sie aus der Obhut des Sozialamtes. Und statt nach dem Asylbewerberleistungsgesetz werden sie nun durch das Jobcenter „entlohnt“. Für den Steuerzahler nur ein geringer Unterschied.

Ralf Bierstedt begrüßte am Donnerstag 120 Wirtschaftsvertreter beim Business Breakfast und zeichnete ein positive Bild der Jobcenter-Arbeit in Münster.

15 000 Vermittlungen

Rund 15 000 Menschen wurden in fünf Jahren vom Jobcenter in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse „begleitet“. Zurzeit empfangen in Münster 21 000 Menschen Harz IV: 14 700 erwerbsfähige Leistungsbeziehern und 6 300 nicht erwerbsfähigen Menschen, insbesondere Kinder. Die Leistungen belaufen sich auf 160 Millionen Euro im Jahr.

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„Die gesamtstädtische Zusammenarbeit ist gut gewachsen – wir arbeiten mit vielen Projekten zusammen“, erklärte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Mitarbeiterzahl des Centers wird künftig durch 15 neue Kollegen aufgestockt, die sich speziell um die Flüchtlingsintegration kümmern sollen. Wobei Bierstedt aber auch deutlich macht, dass das „normale“ Klientel nicht vergessen werde. Insgesamt sind im Jobcenter 300 Mitarbeiter tätig.

Im vergangenen Jahr habe das Jobcenter 60 Flüchtlingen zu einer Arbeit verholfen. Das sei positiv, sagte Bierstedt, gleichzeitig sei es aber vorrangig, dass die meist jungen Neubürger ihr Sprachniveau verbesserten. Nur wer die Sprache beherrsche, habe eine Aussicht auf eine Ausbildung und damit auf eine Berufsperspektive. In vielen Ländern, aus denen derzeit Flüchtlinge kommen, sei aber das duale Ausbildungssystem Deutschlands unbekannt: „Viele sind hochmotiviert und wollen nur schnell arbeiten.“

Der Jobcenterchef wünscht sich so einiges vom Gesetzgeber: „Weniger Reglementierung, mehr Freiraum und Rechtsvereinfachung“ auf dem Arbeitsmarkt. Ebenso wie ein finanzielle Kontinuität.

Beim Business-Frühstück wünschte sich Bierstedt „Kompromissbereitschaft der Unternehmen, die Menschen das Heranführen an den Arbeitsmarkt ermöglichen.“ Und das gelte nicht nur für Flüchtlinge.

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