Ausstellung greift Bibelübersetzungen der Reformationszeit auf
„Der Glanz der Lutherbibel hat alles andere überstrahlt“

Münster -

In der Diözesanbibliothek ist anlässlich des Reformationsjubiläums eine Ausstellung zum Thema „Plagiat? Luthers Bibelübersetzung und die katholischen Bibelausgaben der Reformationszeit“ zu sehen.

Sonntag, 22.01.2017, 16:01 Uhr

Gemeinsam haben sie die Ausstellung zu Bibelübersetzungen in der Reformationszeit vorbereitet (v.l.): Dr. Peter Behrenberg, Leiter der Diözesanbibliothek, Dr. Kirsten Krumeich, stellvertretende Bibliotheksleiterin, Dr. Jan Graefe vom Bibelmuseum und Prof. Dr. Holger Strutwolf vom Institut für Neutestamentliche Textforschung.
Gemeinsam haben sie die Ausstellung vorbereitet (v.l.): Dr. Peter Behrenberg, Leiter der Diözesanbibliothek, Dr. Kirsten Krumeich, stellvertretende Bibliotheksleiterin, Dr. Jan Graefe vom Bibelmuseum und Prof. Dr. Holger Strutwolf vom Institut für Neutestamentliche Textforschung. Foto: pbm/Ann-Christin Ladermann

500 Jahre Reformation – „völlig klar, dass wir zu diesem Anlass etwas Größeres machen“, sagt Dr. Jan Graefe vom Bibelmuseum in Münster . Im Alltag rekonstruiert der wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für neutestamentliche Textforschung den griechischen Ausgangstext des Neuen Testaments anhand handschriftlicher Überlieferungen und früher Übersetzungen. „Da spielt die Lutherbibel natürlich auch eine große Rolle“, ergänzt er.

Grund genug, zum Reformationsgedenken 2017 eine Ausstellung mit dem Schwerpunkt Bibelübersetzungen zu konzipieren. Noch bis zum 17. März ist diese mit dem Titel „Plagiat? Luthers Bibelübersetzung und die katholischen Bibelausgaben der Reformationszeit “ in der Diözesanbibliothek zu sehen. In fünf Vitrinen werden Originalausgaben und Nachbildungen deutscher Bibelübersetzungen der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gezeigt. Begleitet werden sie von vergleichenden Textauszügen auf Schautafeln und einer Medienpräsentation. „Wir haben einzelne Texte optisch so gegenübergestellt, dass die Besucher Gemeinsamkeiten und Unterschiede selbst nachvollziehen können“, erklärt Graefe. Die ein oder andere Überraschung halte die Ausstellung für die Besucher also bereit.

Luther war nicht der erste Bibel-Übersetzer

Davon ist auch Prof. Dr. Holger Strutwolf vom Institut für Neutestamentliche Textforschung überzeugt. „Das Überraschendste wird wohl für Viele sein, dass Luther nicht der erste Übersetzer der Bibel war“, schätzt er. Aber auch die Tatsache, dass Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung nicht nur Einfluss auf die evangelische, sondern auch die katholische Kirche hatte, dürfte für manche Besucher neu sein, vermutet er. „Der Glanz der Lutherbibel hat damals und teils bis heute alles andere überstrahlt“, sagt Strutwolf.

Und er weiß, wie dieser Eindruck zustande kam: „Die vorlutherischen Übersetzungen haben sich sehr stark am lateinischen Text orientiert. Luther hingegen hat die Zielgruppe in den Blick genommen. Er hat sich an der Sprache der Magd oder des Mannes auf dem Feld orientiert, damit alle die Texte verstehen konnten“, erklärt er. Ein Theologe „mit genialer Sprachkraft“ sei er gewesen. Viele Wortbilder wie „mit seinen Talenten wuchern“ oder „etwas unter den Scheffel stellen“ gäbe es ohne Luther heute nicht. „Er hat unsere Sprache nachhaltig geprägt“, betont Strutwolf.

Plagiatsvorwurf gegenüber Hieronymus Emser

Die markante Sprache Luthers führte schließlich auch zu einem Streit ums Urheberrecht. Bereits 1530 hatte Luther einen Plagiatsvorwurf gegenüber Hieronymus Emser (Neues Testament 1527) erhoben. Die Ausstellung in Münster greift auch diesen Streit auf und stellt Luthers Bibelübersetzung den drei katholischen Ausgaben von Emser, Johannes Dietenberger (Bibel 1534) und Johann Eck (Bibel 1537) gegenüber. „Die katholischen Übersetzer wollten eine verbesserte Auflage herausgeben, weil sie meinten, die Lutherbibel sei die Übersetzung eines Ketzers“, erklärt Strutwolf. Liegt also ein Plagiat vor oder nicht? „Jeder ist eingeladen, auf diese Frage in der Ausstellung eine Antwort zu finden“, erklären Strutwolf und Graefe.

Zum Thema

Die Ausstellung ist bis zum 17. März montags bis freitags von 9 Uhr bis 18 Uhr, in der Diözesanbibliothek Münster, Überwasserkirchplatz 2, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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