Naturschutz-Projekt gestartet
Neue Heimat für die Brüter

Münster -

Durch die Gebäudesanierung verlieren Mauersegler, Stare und Fledermäuse ihre Brutplätze in älteren Häusern. Der Naturschutzbund startete jetzt mit Nachbarn am Gremmendorfer Wiegandweg ein Gebäudebrüter-Projekt.

Freitag, 03.02.2017, 08:02 Uhr

Auftakt für das Gebäudebrüter-Projekt des Naturschutzbundes in Gremmendorf. Aline Reinhard (3.v.r.) gibt den Anwohnern Tipps zur Anbringung der speziellen Nistkästen. Links Martin Waltring (Wohn- und Stadtbau).
Auftakt für das Gebäudebrüter-Projekt des Naturschutzbundes in Gremmendorf. Aline Reinhard (3.v.r.) gibt den Anwohnern Tipps zur Anbringung der speziellen Nistkästen. Links Martin Waltring (Wohn- und Stadtbau). Foto: hpe

An und neben den ehemaligen Britenhäusern am Wiegandweg in Gremmendorf engagiert sich eine komplette Nachbarschaft für ihre gefiederten Untermieter. Gemeinsam mit der Naturschutzstation Münsterland fiel dort am Donnerstag der Startschuss für ein in Münster bislang einmaliges Gebäudebrüter-Projekt.

Natürliche Brutplätze gehen verloren

„Weil die Häuser grundsaniert werden und dabei eine neue Dämmung mit dichtem Dach bekommen, gehen die natürlichen Brutplätze in den Ritzen und Nischen verloren. Fledermaus, Star und Mauersegler sind ohne diese gewohnten Schlupflöcher quasi wohnungslos“, so die Landschaftsökologin Aline Reinhardt vom Naturschutzbund .

Spezielle Brutkästen aus massivem Holzbeton

Fünf Nachbarn, die bereits ihr altes Britenhaus saniert haben, werden nun in den kommenden Wochen mit Unterstützung des Naturschutzbundes ( Nabu ) an den Fassaden und in den Bäumen der Gärten spezielle Brutkästen aus massivem Holzbeton aufhängen. Gesponsert werden die Kästen von der Wohn- und Stadtbau, die gleich nebenan in den nächsten drei Monaten 17 Britenhäuser für die anschließende Vermietung grundsaniert und dabei zwangsläufig die alten Brutstätten beseitigen wird. „Energetisch haben wir gar keine andere Möglichkeit, deshalb wollen wir für tierische Ersatzwohnungen sorgen“, so Martin Waltring vom städtischen Wohnungsunternehmen.

"Wir wollen sie unbedingt in unserem grünen Umfeld behalten"

Die Mauersegler nutzen gern hoch gelegene Fassaden-Brutplätze, für die Stare sind Kästen in Bäumen ideal. „Gerade die Stare kommen hier seit Jahren und sind ganz tolle Vogelstimmen-Imitatoren. Wir wollen sie unbedingt in unserem grünen Umfeld behalten“, meint Anwohnerin Anja Tepe. Und das sehen offenbar alle ihre Nachbarn auch so. An jedem Haus und in den Gärten wird es bis März zum Beginn der Brutzeit die Kästen geben.

Gebäudebrüter-Projekt soll auf ganz Münster ausgeweitet werden

Der Nabu will das Gebäudebrüter-Projekt auf ganz Münster ausweiten und ist im Gespräch mit Wohnungsbaugesellschaften, die aktuell ihren Gebäudebestand sanieren. Aktuell wird in Gievenbeck eine zweite Aktion zusammen mit dem Studierendenwerk Münster vorbereitet. Reinhard: „Gebäudesanierung schließt Artenschutz nicht aus. Das wollen wir an vielen Orten dokumentieren.“

Anja Tepe hat auch für die Fledermäuse einen Unterschlupf gefunden. Zwischen Weichfaserplatten und Pfannen an ihrem Hausdach gibt es keine Gitter oder Dämmfolien. So können die nachtaktiven Flieger optimal ins Gebälk und dort brüten. Tepe: „Vögel sind in Siedlungen eine Bereicherung, die wir schützen wollen.“

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