Bahram Hajou – ein Künstler mit syrischen Wurzeln
Trumps Amerika in weiter Ferne

Münster -

Er stellt seine Bilder weltweit aus. Bahram Hajou gehört zu Münsters gut beschäftigten Malern. Aber jetzt fürchtet er, nicht mehr in die USA zu dürfen. Hajou hat syrische Wurzeln.

Donnerstag, 16.02.2017, 11:02 Uhr

Bahram Hajou in seinem Atelier am Hawerkamp. Der gebürtige Syrer hat seine Bilder in zahlreichen Ländern ausgestellt.
Bahram Hajou in seinem Atelier am Hawerkamp. Der gebürtige Syrer hat seine Bilder in zahlreichen Ländern ausgestellt. Foto: Günter Benning

Gerade hat Bahram Hajou (64) eine Ausstellung seiner Bilder im Golfstaat Bahrain eröffnet. „Gagged – no dialog“ ist der Titel, „Geknebelt – kein Dialog.“ Auf dem Katalog-Titel ein Mann, dem jemand den Mund zuhält. Die Gemälde zeigen die gewalttätige, hilflose, verzweifelte Sprachlosigkeit von Paaren. „Ihre Nacktheit“, sagt Hajou, „zeigt für mich ihre Schutzlosigkeit.“ Eigentlich war er überrascht, dass in dem sunnitischen Land seine provokanten Motive gezeigt werden konnten: „Die haben sogar Arbeiten für das Museum erworben.“

Jetzt sitzt Hajou, noch immer braun gebrannt, auf der Ledercouch in seinem Atelier am Hawerkamp, qualmt eine Zigarette nach der anderen und fragt sich, ob er noch einmal nach Amerika fahren kann. Das wäre nämlich sein nächstes großes Projekt: „Ein Galerist hat mich eingeladen, drei bis sechs Monate in New York zu arbeiten.“ Um seinen Marktpreis dort zu steigern.

Ein Besuch im Atelier von Bahram Hajou

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  • Ein Besuch in Bahram Hajous Atelier.

    Foto: Günter Benning
  • Ein Besuch in Bahram Hajous Atelier.

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  • Ein Besuch in Bahram Hajous Atelier.

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  • Ein Besuch in Bahram Hajous Atelier.

    Foto: Günter Benning
  • Ein Besuch in Bahram Hajous Atelier.

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  • Ein Besuch in Bahram Hajous Atelier.

    Foto: Günter Benning
  • Die Ausstellung von Bahram Hajou, die von der Deutschen Botschaft und der bahrainischen Kulturbhehörde organisiert wurde.

    Foto: Günter Benning

Aber ob das in der Ära Trump noch geht? „Ich weiß es nicht“, sagt Hajou.

Er ist gebürtiger Syrer, in den 70er-Jahren zum Studium nach Deutschland gekommen. Er hat Kunst und Sport auf Lehramt studiert, dann Kunst an der Düsseldorfer Akademie bei Leuten wie Lüpertz, Immendorf, Kuhna. „Deutschland“, sagt er, „war immer das Land mit den besten Künstlern weltweit. Giganten!“

Er selbst hat längst die deutsche Staatsangehörigkeit, seine vier Kinder – von zwei Frauen – natürlich auch. Sein ältester Sohn Ovid Hajou ist Co-Trainer beim FC Ingolstadt .

Zwar haben amerikanische Gerichte das Einreiseverbot der Trump-Regierung für Menschen aus sieben muslimischen Ländern gestoppt, aber die Unsicherheit bleibt. Hajou ist Spross syrischer Großgrundbesitzer, seine ganze Familie ist mittlerweile ausgewandert, lebt in Schweden, Deutschland, den USA.

„Überall, wo ich bin, präsentiere ich Münster“, sagt der Maler, dessen Ausstellungsliste quer durch die Welt führt: Niederlande, England, Ungarn, Saudi-Arabien, Türkei, um wenige zu nennen. 2004, vor dem Krieg, stellte er in Syrien aus. 2013 zuletzt in der White Box Gallery in New York. Im Musée Grimaldi in Paris erhielt er 2014 den „Henry Matisse Preis“. „Eigentlich bin ich immer unterwegs“, sagt Hajou.

Und wann malt er? Wenn er in Münster ist, immer abends und bis tief in die Nacht: „Ich brauche meinen Cognac und die Zigaretten, dann bin ich produktiv.“

Hajous Stil wird als Neo-Expressionismus bezeichnet, seine Vorbilder sind Ernst-Ludwig Kirchner und Max Pechstein, deren Werke auch im LWL-Museum am Domplatz hängen. Aber sein Ausdruck ist einzigartig. Sein großes Thema, die Konflikte unter Paaren, bewegt ihn seit der Trennung von seiner ersten Frau: „Damals habe ich die stärksten Bilder meines Lebens gemalt.“

Hajou drückt die Zigarette aus, setzt den unverzichtbaren Hut auf. Das Atelier am Hawerkamp ist für weitere zehn Jahre gesichert. Der Maler hat Pläne: „Ich will noch ausdrucksstärker werde. Ich bin auf der Suche.“

Draußen steigt er in seinen BMW, er ist in Eile. Bei der „art Karlsruhe“ wartet sein Galerist: „Wir müssen die Bilder hängen.“

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