„Pictures“ spielen in Münster
Der Gig zur Doku

Münster -

Auferstanden aus Ruinen: Während auf der Berlinale die Dokumentation „Könige der Welt“ die bewegte Vorgeschichte der Band „Pictures“ erzählt, macht diese auf ihrer Deutschlandtour im Sputnikcafé Halt, um ihr erstes Album „Promise“ zu promoten.

Montag, 20.02.2017, 18:02 Uhr

Im Sputnikcafé spielte am Wochenende die Band „Pictures“. Eine Dokumentation über die Vorgeschichte der Band lief zeitgleich auf der Berlinale.
Im Sputnikcafé spielte am Wochenende die Band „Pictures“. Eine Dokumentation über die Vorgeschichte der Band lief zeitgleich auf der Berlinale. Foto: krü

Eine der Absurditäten des Musiker-Daseins ist es ja, dass man circa eine Stunde auf der Bühne verbringt, um seinen Job zu erledigen, während das Drumherum, abseits von Plattenveröffentlichungen, ungeachtet von der Öffentlichkeit stattfindet. Die öffentlichen Momente sind flüchtig. Dass dies an diesem Donnerstagabend anders ist, ist spürbar. Die Leute wissen um die Vergangenheit von Pictures.

Ganz in der Nähe von Münster machte sich nach der Jahrtausendwende eine Band in Bad Bentheim auf, um mit wütendem Alternative-Rock die Welt zu erobern. Als „Union Youth“ brannten sie fünf Jahre lang durch die deutsche Musiklandschaft und schafften es sogar fast bis nach Amerika. Dann kam der Wendepunkt, das Ausbrennen, die Drogen und die Auflösung. Die Bandmitglieder zerstreuten sich in alle Himmelsrichtungen und machten ihr eigenes Ding.

Irgendwann kam die Idee einer Neuerfindung, einer zweite Chance. Von damals sind Sänger und Gitarrist Maze Exler und Schlagzeuger Michael Borwitzky übrig, die sich mit dem Bassisten Markus Krieg und ihrem früheren Tourbegleiter Ole Fries zusammen taten, um als Pictures den Neuanfang zu wagen. Dass das Debütalbum einer Band gleichzeitig von einer Doku über ihr früheres Leben begleitet wird, verleiht der Angelegenheit eine melancholische Note.

„Schön, hier zu sein. Schön, wieder zu fahren. Man kann ja nicht ewig bleiben“, sagt Maze so beiläufig ironisch wie auch die Vergangenheit auf den Punkt bringend. Den Vorwurf des Kurt-Cobain-Plagiats muss er sich heute nicht mehr anhören, die Wut von damals ist einem Songwriter-Rock gewichen, der seine Einflüsse aus klassischem britischen Rock und Pop bezieht. Man fühlt sich erinnert an Beatles-Sonnigkeit und Oasis-Balladen.

Mazes Stimme überzeugt in ihrer melodischen Leichtigkeit, die Musik strahlt eine souveräne Entspanntheit aus. So überzeugend, wie sich Pictures in Münster präsentierten, ist es der Band zu wünschen, dass dieser zweite Versuch noch von langer Dauer ist.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4644823?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F3814581%2F4848482%2F4848484%2F
Nachrichten-Ticker