Historikerpreis verliehen
Fesselnde Geschichtsforschung

Münster -

Die beiden Wissenschaftler David Nirenberg und Philipp Erdmann sind im Rathaus-Festsaal mit dem Historikerpreis der Stadt Münster ausgezeichnet worden.

Mittwoch, 24.05.2017, 16:05 Uhr

Die beiden Preisträger des Historikerpreises 2017, Philipp Erdmann (l.) und David Nirenberg (r.), trugen sich vor der Verleihung im Beisein von Oberbürgermeister Markus Lewe ins Goldene Buch der Stadt ein.
Die beiden Preisträger des Historikerpreises 2017, Philipp Erdmann (l.) und David Nirenberg (r.), trugen sich vor der Verleihung im Beisein von Oberbürgermeister Markus Lewe ins Goldene Buch der Stadt ein. Foto: Oliver Werner

David Nirenberg ist Historiker – und doch ist das Thema, das er in seinem aktuellen Buch behandelt, brandaktuell. Als der jüdische Wissenschaftler am Dienstagabend für sein Werk „Anti-Judaismus“ im Rathaus-Festsaal den achten Historikerpreis der Stadt Münster erhält, steht vor der Tür ein Streifenwagen – so sieht sie aus, die traurige Realität im Jahr 2017.

Judenfeindlichkeit ist eine Konstante der westlichen Kultur – von der Antike über das christliche Mittelalter bis zu Luther, Kant und Marx: Das ist die These, die Prof. Dr. Nirenberg in seinem im C.H. Beck Verlag auf Deutsch erschienenen Buch vertritt. Die Darstellung sei „fesselnd und gut lesbar“, heißt es in der Begründung für die Auszeichnung.

Demut, Stolz und Dankbarkeit

Die zutiefst nachdenkliche, teilweise pessimistische Laudatio auf den an der University of Chicago lehrenden Nirenberg hält Prof. Dr. Michael Brenner , Dozent an der Universität München und Sohn von Shoah-Überlebenden. „Wenn Auschwitz den Antisemitismus nicht ein für alle Mal aus der Welt schaffte, was kann es dann noch für ein Heilmittel dagegen geben“, zitiert er Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel. Zu erklären, warum der Antisemitismus so sehr und bis heute in der westlichen Gesellschaft verankert ist, das habe bislang niemand so überzeugend erklärt wie David Nirenberg, so Brenner.

In seiner Dankesrede bescheinigt Nirenberg den Deutschen, dass sie sich „besonders umsichtig“ mit ihrer Geschichte beschäftigen. Daher erfülle es ihn „mit Demut, Stolz und Dankbarkeit“, den Historikerpreis der Stadt Münster entgegen nehmen zu dürfen.

Förderpreis an Philipp Erdmann

1978 hatte die Stadt anlässlich der 330-Jahr-Feier des Westfälischen Friedens den Historikerpreis gestiftet. Er ist mit 12 500 Euro dotiert und soll ein großes Werk der europäischen Geschichtsschreibung oder das Lebenswerk eines Historikers ehren. Zum ersten Mal wird am Dienstagabend auch ein Förderpreis für junge Historiker vergeben, der mit 3000 Euro dotiert ist. Er geht an den münsterischen Historiker Philipp Erdmann.

In seiner Magisterarbeit hat sich der Doktorand der Universität Münster mit der Entnazifizierung in Münster auseinander gesetzt – „eine spannende Arbeit“, lobt Prof. Dr. Sabine Mecking in ihrer Laudatio. In der Begründung für die Auszeichnung Erdmanns heißt es unter anderem, dass der junge Wissenschaftler eine „virtuos und sprachlich präzise Analyse“ vorgelegt habe, die erstmals das Profil der Gruppe der Entnazifizierer herausarbeite.

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Die beiden Preise werden von Oberbürgermeister Markus Lewe überreicht. „Unsere Sicht auf und unser Verständnis von Geschichte beeinflusst maßgeblich unsere Einstellung zur Gegenwart“, betont er. Zudem stellt Lewe klar, dass „jeder Angriff auf Andersdenkende, Migranten oder Andersgläubige ein Angriff auf unsere Demokratie“ sei.

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