„Runder Tisch“ diskutiert über Zukunft des Schlossplatzes
Blinder Fleck in der Stadtplanung

Münster -

Über großes Interesse freute sich die Initiative „Schloss Platz Kultur 2020“ bei ihrem ersten „Runden Tisch“ am Dienstagabend in der alten Bahnhofspost. Gegründet im Oktober, will sich die Gruppe für eine sinnvolle Nutzung des Schlossplatzes einsetzen, der ihrer Ansicht nach ein Schattendasein führt.

Mittwoch, 12.07.2017, 14:31 Uhr

Beim ersten „Runden Tisch“ der Initiative „Schloss Platz Kultur 2020“ ging es um die potenzielle Aufwertung und künftige Nutzung des Schlossplatzes. Die Gruppe möchte den Platz aus dem Schattendasein herausholen.
Beim ersten „Runden Tisch“ der Initiative „Schloss Platz Kultur 2020“ ging es um die potenzielle Aufwertung und künftige Nutzung des Schlossplatzes. Die Gruppe möchte den Platz aus dem Schattendasein herausholen. Foto: Matthias Ahlke

Tatsächlich ist das 12,5 Hektar große Areal, das außer für den Send und andere Großveranstaltungen vor allem als Parkplatz genutzt wird, alles andere als einladend. Als einer der größten Stadtplätze Europas bietet er einen eher trostlosen Anblick mit unregelmäßiger Pflasterung, Betonpollern und Kassenhäuschen.

Dass die Konzepte für das Areal beinahe ebenso alt sind wie der Platz in seiner jetzigen Form, zeigte Architekt Stefan Rethfeld am Dienstag bei seiner Einführung. In früheren Jahrhunderten mehrmals überbaut, mit Kanälen und Wegen versetzt, aufgeteilt und wieder planiert, kamen und gingen Konzepte. Zuletzt war der Bau einer Musikhalle 2008 durch einen Bürgerentscheid gestoppt worden.

Nun will die Initiative die Gestaltungsdebatte neu entfachen, aber bewusst nicht eine weitere Planung ins Rennen schicken. Vielmehr verstehen sich die Mitglieder der Gruppe als Netzwerker, die die Interessen der Bürger, Veranstalter und Investoren sowie der Politik zusammenführen und Vorschläge erarbeiten will – unter anderem mit einer Reihe von „Runden Tischen“, an denen sich bewusst jeder Münsteraner beteiligen könne, sagte Architekt Stefan Jörden. Dazu wurden die Anwesenden über zwei aktuelle Konzepte informiert.

Zu Gast waren dazu die Architekten Eugen Jagiela (Büro Baumewerd) und Peter Wilson (Bolles + Wilson). Das Büro Baumewerd legte 2007 und 2012 Planungen zur Gestaltung vor, Bolles + Wilson entwickelte 2012 im Auftrag des Vereins der Kaufmannschaft Varianten zur Weiterentwicklung. Beiden Konzepten liegt zugrunde, dass der Platz auch weiterhin für große Veranstaltungen genutzt werden kann, er also mehr oder weniger unbebaut bleibt.

Je nach Szenario wird das Areal allerdings von niedrigen Mauern oder Baumalleen begrenzt, Fußwege werden als Gitternetz über den Platz gezogen oder andere optische Verbindungen zwischen Schloss und Altstadt geschaffen, von einer großen Wiese bis zu einem quer verlaufenden Wasserbecken.

In allen Entwürfen soll der Schlossplatz als Flaniermeile eine neue Aufenthaltsqualität bekommen. Das Problem wegfallender Pkw-Stellplätze soll durch Tief- und Hochgaragen gelöst werden. Die Umgestaltung des Landes- und Stadteigentums soll teilweise von privaten Investoren finanziert werden.

Interessiert, aber durchaus kritisch verfolgten die Zuhörer die Ausführungen. Dr. Marius Stelzer, Mitglied der Initiative, formulierte den nüchternen Wunsch, dass zumindest das Flickwerk aus Asphalt und Schotter durch eine ebene neue Asphaltierung abgelöst werden sollte. Jede – wenn auch kleine – Verbesserung des jetzigen Zustandes sei schon ein Fortschritt.

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Neugestaltung des Schlossplatzareals: Ideen intern umstritten
Stefan Jörden (v.l.), Christian Schmitz, Ulrich Krüger, Stefan Rethfeld, Rüdiger Wiechers (sitzend) und Martin Heppner von der Schlossplatzinitiative stellten das Konzept vor. Josef Rickfelder, ebenfalls Mitglied, kritisierte das Vorgehen und ließ sich nicht fotografieren.
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