Pendel in Dominikanerkirche
Gerhard Richters Geschenk für Münster

Münster -

Gerhard Richter ist für Experten der bedeutendste lebende Künstler der Welt. In der Dominikanerkirche in Münster will der 85-Jährige bis zum Frühsommer 2018 eine Installation realisieren. „Ein Geschenk von historischer Dimension“, jubelt Oberbürgermeister Markus Lewe.

Freitag, 01.12.2017, 09:00 Uhr

Gerhard Richter stellte am Donnerstag seine Installation für die Dominikanerkirche vor. Die Entwürfe sind im Hintergrund zu sehen.
Gerhard Richter stellte am Donnerstag seine Installation für die Dominikanerkirche vor. Foto: Gerhard Richter

Der bedeutendste lebende Künstler der Welt trägt einen dunklen Mantel und hält sich zunächst im Hintergrund. Während sich ein paar Meter entfernt Journalisten die besten Plätze für die bevorstehende Pressekonferenz sichern, lässt Gerhard Richter den Blick durch die Dominikanerkirche schweifen, schaut abwechselnd auf die noch leeren Seitenwände und in die 29 Meter hohe Kuppel. Dorthin, wo bis zum Frühsommer 2018 seine Installation realisiert werden soll, in deren Mittelpunkt ein Foucault‘sches Pendel steht, das die Erd­rotation abbildet.

"Richtiger Ort fürs Pendel"

„Als ich dieses schöne Bauwerk sah, war ich sofort begeistert und überzeugt, dass das der richtige Ort für mein Pendel ist“, sagt Richter und lächelt.

Gerhard Richter in der Dominikanerkirche

1/42
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke
  • Gerhard Richter stellte seine Installation vor, die er bis zum Frühsommer 2018 in der Dominikanerkirche realisiert Foto: Matthias Ahlke

Am Donnerstag stellte er sein Kunstwerk persönlich in Münster vor. Ein jahrzehntelanger Traum gehe für ihn in Erfüllung. Warum ein Foucault‘sches Pendel? „Haben Sie das Pendel im Pantheon in Paris gesehen? Es ist einfach schön“, sagt der 85-Jährige.

Kunstwerke von Richter sind geradezu unbezahlbar, auf dem Kunstmarkt werden sie für mehr als 40 Millionen Euro versteigert. Da kann sich Münster glücklich schätzen, dass er der Stadt seine Installation schenken wird – sie muss lediglich 650 000 Euro für die Herstellung und für Umbauten in der inzwischen profanierten Kirche bereitstellen. „Ein Geschenk von historischer Dimension, ein künstlerisches Wunderwerk, die Bürger sind stolz“, jubelt Oberbürgermeister Markus Lewe – und bedankt sich aufrichtig bei Richter.

Zum Thema

Drei Fragen an Gerhard Richter:

Sie schenken das Kunstwerk der Stadt Münster – warum?

Richter: Ich kann es mir leisten – der Markt ist so. In Köln, wo ich ein Fenster im Dom gestaltet habe, habe ich es genauso gemacht. Wenn uns das alles so gelingt wie geplant, wäre das großartig. Das wäre dann auch ein Geschenk für mich.

Wie intensiv wird Sie das Projekt in den nächsten Monaten beschäftigen?

Richter: An den Proben laufe ich täglich vorbei. Zwischendurch war ich verführt, die Glasplatten farbig zu machen – doch Grau ist viel besser.

Warum realisieren Sie es gerade in Münster?

Richter: Es hat gepasst. Das Bauwerk ist sehr schön, ich liebe Kunst und gute Bauwerke. Ich bin selber zwar nicht gläubig, aber ich bin froh, dass wir die Kirche haben.

...

Gasometer überzeugte nicht

Dass sich der gebürtige Dresdener mit Wahlheimat Köln für Münster entschied, ist Skulptur-Projekte-Gründer Kasper König zu verdanken, berichtet Gail Kirkpat­rick, Leiterin der Kunsthalle. „König wusste, dass Richter gerne ein solches Pendel realisieren würde – und rief mich im Sommer 2016 an.“ Es kam zu einem Treffen, Richter besichtigte das Gasometer, doch das überzeugte ihn nicht. Dann führte ihn Kirkpatrick in die Dominikanerkirche – und die Würfel waren gefallen.

Nicht einmal ein Jahr später winkte der Rat die Idee in rekordverdächtigem Tempo durch, inzwischen wird unter anderem am Fachbereich Physik der Universität an der technischen Umsetzung gearbeitet. Derweil feilt Richter in seinem Atelier in Köln – wo sich seit vielen Jahren ein kleines Pendel-Modell befindet – an den künstlerischen Feinheiten.

Gerhard Richter - einer der weltweit bedeutendsten Maler

1/11
  • Gerhard Richter wurde 1932 in Dresden geboren, nach seiner Flucht in den Westen 1961 absolvierte er ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, wo Richter später dann eine Professur bekam. Auf dem Foto steht der Künstler im Jahr 2013 vor seinem Gemälde Strip (930-2) in der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden.

    Foto: Hendrik Schmidt
  • Als Richters größtes Verdienst gilt es, der Malerei in den 60er Jahren wieder neue Relevanz gegeben zu haben. Auf dem Foto ist sein Bild "Abstrakt" zu sehen.

    Foto: Oliver Berg
  • Zu Beginn von Richters Laufbahn in den 60er Jahren sprachen viele Kunst-Experten vom Ende der Malerei, denn wenn es um realistische Abbildungen ging, war die Fotografie überlegen. In Gerhard Richter sehen viele Kunsthistoriker denjenigen, der am stärksten dazu beigetragen hat, der Malerei eine neue Bedeutung gegeben zu haben.

    Foto: Federico Gambarini
  • Gerhard Richter ist ein Maler ohne Worte: Man hat ihn die Sphinx oder den großen Schweiger genannt, weil er seine Werke nicht erklärt. Diese Rätselhaftigkeit hat wohl zu seinem Ruf beigetragen. Zur Abbildung: 2016 wurde sein Werk "Tiger" im Museum Morsbroich in Leverkusen gezeigt.

    Foto: Monika Skolimowska
  • Als „Europas größten Maler“ bezeichnete ihn die „New York Times“, der „Guardian“ rühmte ihn als „Picasso des 21. Jahrhunderts“. Das Foto zeigt den Künstler im Jahr 2010 vor einer seiner Arbeiten im Dresdner Albertinum.

    Foto: Dietrich Flechtner
  • Richters Atelier befindet sich in einem bunkerähnlichen Riegelbau im Villenviertel Köln-Hahnwald. Er schirmt das dahinterliegende Wohnhaus ab. Der Künstler lebt dort mit seiner dritten Frau Sabine Moritz und dem jüngsten Sohn Theodor. Die Aufnahme zeigt ihn im Jahr 2016 in Köln in seinem Atelier vor einem seiner Bilder.

    Foto: Oliver Berg
  • Für Richters meistbewundertes Werk muss man keinen Eintritt zahlen. Es ist das 19 Meter hohe Fenster im südlichen Querhaus des Kölner Doms. Richter hat Sympathien für die Kirche, aber er glaubt nicht an Gott.

    Foto: dpa
  • Gerhard Richter wird in internationalen Rankings seit vielen Jahren als einer der weltweit einflussreichsten Künstler eingestuft. Auch im Ranking „Kunstkompass 2017“ wird er seit vielen Jahren als wichtigster Künstler geführt.

    Foto: Arno Burgi
  • Kunstwerke von Gerhard Richter gehören zu den teuersten der Welt. Es sei beängstigend, dass seine Kunst und sogar von ihm signierte Postkarten auf dem Markt Höchstsummen erzielten: „Eine erschreckende Entwicklung“, sagte Richter in einem Interview mit der „Die Zeit“. Hier steht Richter im Jahr 2009 in Duisburg vor seinem Werk "18 Farben".

    Foto: dpa
  • Die horrenden Preise für seine Bilder seien ein Beleg dafür, „wie irrsinnig sich der Kunstmarkt entwickelt hat“, sagte Gerhard Richter. Sie hätten mit dem Werk nichts zu tun. „Das ist doch reiner Personenkult“, meint der Künstler.

    Foto: Oliver Berg
  • Ein Beispiel: Das Werk „Abstraktes Bild“ von Gerhard Richter hat 2012 in London bei einer Auktion einen Rekordpreis von umgerechnet 41 Millionen Euro erzielt. Damit habe Richter Maßstäbe für lebende europäische Künstler gesetzt, teilte das Auktionshaus Sotheby‘s nach der Versteigerung mit.

    Foto: dpa

Im großen Rahmen soll im kommenden Frühsommer das Kunstwerk eingeweiht werden. Im Jahr darauf wird die Kirche vorübergehend ihre Pforten schließen. Sanierungsarbeiten stehen an, Sanitäranlagen werden eingerichtet. Am Nutzungskonzept für die Zeit nach der Wiedereröffnung wird derzeit gearbeitet.

Zur Person

Gerhard Richter, 1932 in Dresden geboren, zählt als Maler, Bildhauer und Fotograf zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Er war von 1971 bis 1993 Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Werke sind auf dem Kunstmarkt die teuersten eines lebenden Künstlers. Seit Jahren führt Richter auf dem jährlich erscheinenden Kunstkompass die Riege der einflussreichsten Künstler an.

1964 hatte Richter seine erste Einzelausstellung in München. In den 1970er und 1980er Jahren stieg seine Bedeutung national, in den 1990er Jahren auch international sprunghaft an, so dass ihm in den Jahren 1993/1994 eine umfassende Retrospektive mit Stationen in Paris, Bonn, Stockholm und Madrid gewidmet wurde. 2002 feierte ihn das Museum of Modern Art, New York, anlässlich seines 70. Geburtstags mit einer umfassenden Retrospektive. Diese war mit 188 Exponaten die größte dort jemals gezeigte Schau eines lebenden Künstlers. 2004 wurden die Gerhard-Richter-Räume im Dresdner Albertinum eröffnet. Dort werden 41 Werke als Dauerleihgabe ausgestellt.

Die britische Tageszeitung „The Guardian“ machte sich das Zitat eines Frankfurter Galeristen zu eigen, der Richter als erfolgreichsten Maler der Gegenwart und als „Picasso des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. 2015 wurde ein „Abstraktes Bild“ Richters für die Rekordsumme von 41 Millionen Euro versteigert. Gerhard Richter hat den Hype auf dem Kunstmarkt mehrfach scharf kritisiert.

...
Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5324583?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F3814581%2F
CDU, SPD, Grüne und FDP ziehen an einem Strang
Flüchtlingseinrichtung am Pulverschuppen: CDU, SPD, Grüne und FDP ziehen an einem Strang
Nachrichten-Ticker