Optiker Gillkötter geht in den Ruhestand
Felix ist scharf auf Möhren

Münster -

Betriebshund Felix wird der Ruhestand weniger schmecken, denn zum 1. Januar muss der Betriebshund des Fachgeschäftes am Spiekehrof seinen Stammplatz im Schaufenster räumen. Optiker Gillmann geht in den Ruhestand, Katja Meyer übernimmt den Betrieb.

Freitag, 29.12.2017, 11:12 Uhr

Fritz Jürgen und Dorothee Gillkötter gehen mit ihrem Felix in den Ruhestand.
Fritz Jürgen und Dorothee Gillkötter gehen mit ihrem Felix in den Ruhestand. Foto: gh

Gillkötters möchten im nächsten Jahr ein ruhigeres Fahrwasser genießen, daran kann auch Betriebshund Felix nichts ändern. Der schwarz-weiße Jack Russel im Schaufenster des Optikergeschäftes am Spiekerhof ist der Liebling vieler Kunden. Ihnen bringt er sein Bällchen und will bespaßt werden. „Die Streicheleinheiten wird er vermissen“, vermutet Dorothee Gillkötter, aber Ende des Jahres gehen die Gillkötters nun endgültig in den Ruhestand.

„Das Alter haben wir erreicht“, sagt Ehemann Fritz Jürgen Gillkötter . Vor einem Jahr verabschiedete sich der Augenoptiker vom Stammsitz der Familie am Prinzipalmarkt. Jetzt zieht er sich gemeinsam mit Ehefrau Dorothee Gillkötter auch aus dem Geschäft am Spiekerhof zurück.

Der Name Gillkötter bleibt erhalten, denn mit Katja Meyer übernimmt eine langjährige Mitarbeiterin den Betrieb. Außerdem bleibt auch Optikermeister Günter Rahms mit an Bord.

125 Jahre besteht das Optikerfachgeschäft jetzt in Münster. Fritz Jürgen Gillkötter führt den Betrieb seit 1991 in dritter Generation. Einen Nachfolger in der Familie gibt es nicht.

Gemeinsam mit seiner Frau eröffnete Fritz Jürgen Gillkötter zunächst ein Geschäft an der Weseler Straße, dann folgte vor 30 Jahren der Betrieb am Spiekerhof. Als die Eltern sich am Prinzipalmarkt zurückziehen wollten, wechselte der Augenoptikermeister an den Stammsitz. Ehefrau Dorothee blieb am Spiekerhof, wo seit einem Jahr die Gillkötter-Fäden zusammenlaufen. Doch anders als am Stammsitz Prinzipalmarkt, wo zusätzlich Kontaktlinsen, Lupen und Thermometer angeboten wurden, konzentriert sich das Angebot am Spiekerhof auf Brillengestelle.

125 Jahre Gillkötter

Im Jahr 1892 gründete der Optiker und Elektriker Carl Gillen auf der Ludgeristraße 86 ein Geschäft für optische und elektromechanische Artikel. 1898 erfolgte der erste Umzug. Im Jahr 1900 erwarb Carl Gillen das Haus am Prinzipalmarkt 20. Am 24. März 1911 übernahm Fritz Gillkötter Haus und Geschäft. Er legte 1912 als Erster seine Meisterprüfung im Brillenoptiker-Handwerk vor der Handwerkskammer Münster ab. 1921 folgte die Prüfung als Diplom-Optiker an der Fachhochschule für Augenoptik in Jena. 1946 tritt Fritz Gillkötter ein. 1991 übernimmt Fritz Jürgen Gillkötter den Betrieb.

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Die Brille, stellt Gillkötter fest, wird zunehmend zum Modeartikel. Groß müssen die Gestelle heute sein, markant im Aussehen. Gillkötter denkt dabei an die handgemachten Modelle aus einer Manufaktur bei Frankfurt, für die ihre Kunden aus Brüssel, Athen und Moskau anreisen würden. Selbst als Otto Waalkes bei einem Auftritt in Münster der Durchblick fehlte, wurde ihm bei Gillkötters geholfen. Privatdetektiv „Wilsberg“ (Leonard Lansinck) und Schriftstellerin Gisa Pauly tragen Brillen aus dem Hause des münsterischen Betriebes.

Katja Meyer übernimmt das Optikergeschäft am Spiekerhof im Kiepenkerl-Viertel.

Katja Meyer übernimmt das Optikergeschäft am Spiekerhof im Kiepenkerl-Viertel. Foto: Gillkötter

Wenn Not am Mann ist, verspricht Fritz Jürgen Gillkötter, dann werde er einspringen. Das heißt, wenn er nicht gerade auf einem Seenotrettungskreuzer auf der Nordsee unterwegs ist. Zwei Einsatzwochen fuhr der Münsteraner in diesem Jahr von Wittdün auf Amrum aus. Dabei ging es um Krankentransporte und um die Rettung eines Surfers. Langeweile ist in dem Job ein Fremdwort. Er habe die Zeit genutzt, erzählt Gillkötter, um dem Maschinisten über die Schulter zu schauen. Muße für den Blick aufs Meer hätten sie nur in der Mittagspause.

Der freiwillige Helfer auf dem Seenotrettungskreuzer ist immer schon mit Aktivitäten auf dem Wasser verbunden. In Münster ist Gillkötter in der DLRG und nimmt für den Deutschen Motoryachtverband NRW auch Prüfungen auf Sportbooten ab. Seekrankheit ist ihm fremd.

Die Gillkötters freuen sich schon auf den frischen Wind, den sie sich künftig häufiger an der Nordsee um die Nase wehen lassen möchten. Vielleicht bekommt Betriebshund Felix hin und wieder eine Möhre zugesteckt, für die der Vierbeiner meilenweit läuft. „Er ist scharf auf Möhren“, sagt sein Frauchen.

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