Konferenz der Grünen
Artensterben hat drastische Folgen

Münster -

Was kostet uns das Artensterben? Die Antworten, die bei der Artenschutzkonferenz in Münster auf diese Frage gegeben wurden, zeichnen ein drastisches Bild.

Montag, 19.03.2018, 09:03 Uhr

Das Publikum konnte Fragen an die Wissenschaftler stellen, die Vorträge zur Artenvielfalt hielten.
Das Publikum konnte Fragen an die Wissenschaftler stellen, die Vorträge zur Artenvielfalt hielten. Foto: klm

Könnte man den Wert der Arbeitsleistung von Insekten in Geld benennen, den sie beim Bestäuben etwa von Obst- und Gemüsepflanzen nach menschlichem Maßstab „erwirtschaften“, wären es weltweit 150 bis 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Diesen Vergleich erklärte am Samstag Prof. Dr. Christoph Scherber vom Institut für Landschaftsökologie bei der Artenschutzkonferenz der Partei Bündnis 90 / Die Grünen.

Die Summe, die Scherber nannte, entspräche rund zehn Prozent der Weltnahrungsmittelproduktion, sagte er. „Stummer Frühling 2.0 – was kostet uns das Artensterben?“ lautete der Titel der Konferenz im Saal der Stadtwerke, an der etwa 300 Personen teilnahmen – Grünen-Mitglieder aus Münster und den vier Kreisen, Regionalpolitiker, Landwirte und Wissenschaftler als Gäste.

Folgen des Insektensterbens kaum bekannt

„Weniger Insekten bedeuten weniger Fische, Frösche, Eidechsen Vögel und Säugetiere“, erklärten die Organisatoren zur Bedeutung der Kleintiere unter anderem in der Nahrungskette. Im Begleittext zur Konferenz heißt es ferner: „Während die Auswirkungen beim Klimawandel klar sind, sind die langfristigen Folgen des Insektensterbens kaum bekannt.“

In einem Vortrag sprach sich Prof. Dr. Wolfgang Wägele vom Biologischen Forschungsmuseum Koenig in Bonn dafür aus, „weitere Verluste an Insektenarten zu verhindern“, indem Langzeitstudien politisch gewollt und dann technisch durchführbar seien. Einerseits könnten Forscher „Biosatelliten, Rechenzentren und Modellberechnungen“ zum Einsatz bringen, so Wägele, andererseits vor Ort „Kamerafallen, Mottenscanner und Stimmenerkennung“ nutzen.

Wägele unterstellte, dass „viel Geld“ ausgegeben werde, um per Weltraumforschung „die entlegensten Galaxien im Universum“ zu entdecken, aber bisher deutlich weniger für Forschung zur Artenvielfalt, die für die kommenden Menschen-Generationen und ihr Überleben wichtiger sein könnte.

„Aufruf zur Rettung der Artenvielfalt“

Die Konferenz beschloss am Samstag auch den „Münsterländer Aufruf zur Rettung der Artenvielfalt“. Die Verfasser fordern unter anderem, dass die Öffentlichkeit über den Rückgang an Tierarten „aufgeklärt“ werde. Viele Menschen wüssten nicht, dass etwa – gemessen seit 1989 – „bis zu 80 Prozent“ weniger fliegende Insekten in Naturschutzgebieten existierten. Derzeit vollziehe sich eine „gravierende und irreversible Schädigung des Ökosystems“, hieß es.

Die Forderungen sollen laut Mitorganisator Helmut Fehr bald NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking und Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben werden. In dem Aufruf heißt es weiter: Schülern sollen mehr „Kenntnisse über ökologische Zusammenhänge und naturkundliches Wissen erlangen“.

An der Veranstaltung nahmen rund 300 Personen aus Münster und den Münsterlandkreisen statt, darunter Bundestags- und Landtagsabgeordnete der Grünen sowie der Landrat des Kreises Coesfeld, Christian Schulze Pellengahr; ferner Naturfachleute und konventionell wirtschaftende Landwirte. In dem Aufruf wird auch eine „Beendigung des Höfesterbens“ angemahnt, weil die Landwirtschaft das „Fundament  der heimischen Artenvielfalt“ sei.

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