Integrationsprojekt für den Berufsstart
Vorhang auf für einen Job

Münster -

Ihre Heimatländer haben sie hinter sich gelassen, in Deutschland wollen viele einfach arbeiten. Auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt werden Flüchtlinge jetzt auch in Münster durch ein besonderes Projekt unterstützt.

Dienstag, 27.03.2018, 17:03 Uhr

Die Flüchtlinge freuen sich schon auf ihre Theateraufführung – und auf ihren Weg in den Arbeitsmarkt. Dabei helfen (hinten, v.l.) Jobcoach Sebastian Schmitz, Sprachtrainer Rainer Bigge und Theaterpädagoge Thorsten Brunow.
Die Flüchtlinge freuen sich schon auf ihre Theateraufführung – und auf ihren Weg in den Arbeitsmarkt. Dabei helfen (hinten, v.l.) Jobcoach Sebastian Schmitz, Sprachtrainer Rainer Bigge und Theaterpädagoge Thorsten Brunow. Foto: f

„Ich muss leider los, das ist meine Szene“, sagt Hawal Mohmmad höflich und steht auf. Lächelnd geht er in die Mitte des großen Raumes im Paul-Gerhardt-Haus. Nein, Mohmmad ist kein Schauspieler. Trotzdem steht er am 9. April im Jovel mit einer Theateraufführung auf der Bühne. Die ist Teil des Projekts „Heim-Art“, das seit Oktober in Münster läuft.

Die vom Jobcenter geförderte Bildungsmaßnahme der Defakto GmbH soll junge Flüchtlinge auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt unterstützen. 15 Flüchtlinge sind dabei, im Schnitt sind sie 25 Jahre alt, wie Sebastian Schmitz sagt. Der Jobcoach ist einer von drei „Lehrern“ in Münster.

Unterstützung durch drei Bausteine

„Die Flüchtlinge sollen individuelle Beschäftigungsmöglichkeiten aufgezeigt bekommen“, sagt Schmitz. Dafür gibt es drei Bausteine. Zunächst das Sprachtraining, das Rainer Bigge leitet. „Das ist wie Schulunterricht, aber genau das fordern die Flüchtlinge“, so Bigge. Vielen gehe das Lernen der Sprache gar nicht schnell genug: „Sie möchten am Liebsten sofort perfekt Deutsch sprechen können.“

Der zweite Baustein ist die Berufsorientierung, dafür ist Sebastian Schmitz zuständig. „Wir üben Bewerbungsgespräche und schreiben Lebensläufe und Anschreiben“, erläutert er die Schwerpunkte. Auch Praxis gehören dazu. Im Mai starten alle in ein Langzeitpraktikum, wie Schmitz sagt: „Daraus sollen sich möglichst Jobs oder Ausbildungen ergeben.“

In Syrien ist es viel einfacher, eine Arbeit zu bekommen. In Deutschland ist das ganz schön kompliziert.

Hawal Mohmmad

Für Hawal Mohmmad ist das der schwierigste Teil. „In Syrien ist es viel einfacher, eine Arbeit zu bekommen“, sagt der 21-Jährige über sein Herkunftsland. In Deutschland sei das alles „ganz schön kompliziert“. Viel mehr Spaß mache ihm der dritte Baustein, die Theaterpädagogik. Zusammen mit Thorsten Brunow erarbeiten die jungen Erwachsenen ein Stück. „Dabei geht es um die Reise nach dem Sinn des Lebens“, so Burow.

Verbesserte Sprache und mehr Selbstbewusstsein

„Einige haben am Anfang große Hemmungen gehabt, auf einer Bühne zu stehen“, erinnert sich Schmitz. Doch das Theaterspielen verbessere nicht nur die Sprache, sagt Schmitz: „Es gibt auch viel Selbstbewusstsein.“ Deshalb hat er zu der Aufführung am 9. April potenzielle Arbeitgeber eingeladen. „Dann können sich die Flüchtlinge mal auf eine ganz andere Weise präsentieren“, sieht Schmitz echte Chancen in dem Theaterprojekt.

Anfang Juli läuft „Heim-Art“ aus. „Wir hoffen auf einen erneuten Auftrag“, sagt Schmitz. Damit möglichst viele Flüchtlinge einen guten Weg in die Arbeitswelt finden.

Defakto und die „Art“-Projektreihe

Die Defakto GmbH mit Sitz in Bochum macht nach eigenen Angaben Bildungsarbeit zur Berufsfindung und Integration. Bei der bundesweiten Projektreihe „Art“ – die Abkürzung für Arbeit, Rat und Tat – stehen künstlerische Arbeitsmarktprojekte im Mittelpunkt. Die Flüchtlinge sollen ihr Berufsleben selbst gestalten. Defakto kooperiert dabei mit Partnern aus der lokalen Bildungs- und Kulturlandschaft. „Heim-Art“ möchte kulturelle und sprachliche Hemmnisse von Flüchtlingen nachhaltig zu verringern. Die mitgebrachte Motivation soll rasch konstruktiv aufgegriffen werden.

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