Ulla Hahn las bei 15. Literatur-Plus-Benefizveranstaltung
Die Frau, die mit den Ohren schreibt

Münster -

„Alle Karten waren ruckzuck vergriffen“, so Dr. Ansgar Scheipers, Vizepräsident der Bezirksregierung. In der Bürgerhalle am Domplatz fand am Montag mit 150 Gästen die 15. Literatur-Plus-Benefizveranstaltung statt.

Mittwoch, 25.04.2018, 08:04 Uhr

Waren bei der Benefizveranstaltung dabei (v.l.): Dr. Ansgar Scheipers (Vizepräsident der Bezirksregierung), Hermann Wallmann (Literaturverein Münster), Ulla Hahn (Lyrikerin), Dr. Wolfgang Geßmann (Vors. der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft Münster e.V.).
Waren bei der Benefizveranstaltung dabei (v.l.): Dr. Ansgar Scheipers (Vizepräsident der Bezirksregierung), Hermann Wallmann (Literaturverein Münster), Ulla Hahn (Lyrikerin), Dr. Wolfgang Geßmann (Vors. der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft Münster e.V.). Foto: con

Zugunsten der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft Münster und Umgebung verzichtete die Lyrikerin Ulla Hahn auf ihr Honorar für die Lesung. Organisatoren und Hauptsponsoren des Abends waren Lotte und Dr. Wolfgang Geßmann, Vorsitzender der Gesellschaft. Scheipers und Geßmann bedankten sich bei allen ehrenamtlichen Mitarbeitern, viele selbst von MS betroffen. Sie unterstützen und beraten seit über 30 Jahre Erkrankte und Angehörige.

Autobiografische Familienbeschreibungen

Ulla Hahn las aus ihrem Roman „Wir werden erwartet“, der die Geschichte von Hilla Palm von 1968 bis zum Deutschen Herbst fortsetzt. Hermann Wallmann , Vorsitzender des Literaturvereins und Moderator des Abends, bezeichnete die 2500 Seiten der Palm-Reihe als gewaltige Ballade. Ulla Hahn antwortete lächelnd: „Es ist interessant, was Leser mit einem Buch anfangen.“ Sie verriet, dass die Familienbeschreibungen der Protagonistin autobiografisch seien. Je besser sie von sich wegschreibe, desto näher komme sie sich. „Ich kann mich beim Schreiben immer wieder selbst überraschen. Ich erforsche mich und die Welt“.

Schreiben mit den Ohren

Hahn las ruhig und klar mit ihrem individuellen Sprachrhythmus. „Ich schreibe mit den Ohren“, erklärte Hahn. „Ich leide, wenn jemand anderes meine Texte liest und betont, wie ich es nicht wollte. Gedichte, die muss man schmecken.“

Wallmann schwärmte über Hahns stilistische Vielfalt, den Trick, wie sie Vergangenheit und Gegenwart durch Tempuswechsel vermische, die sinnliche Aufdringlichkeit des Erinnerns. Sie nannte ihre Sprache „Musik“. Er bat Hahn, schnell weiter zu lesen, sonst flippe er aus vor Begeisterung.

Am Ende bedankte sich Geßmann für die eindrucksvolle, bewegende und berührende Lesung. Der aufmerksamen Stille während der Lesung und dem kräftigen Schlussapplaus nach zu urteilen, sprach er damit wahrscheinlich vielen Zuhörern aus der Seele.

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