Tiefbauamt räumt Fehler ein
Fischbrut vertrocknet an der Werse: „So nicht wieder“

Münster-Ost -

Im Nachklang der Wasserabsenkung in der Werse im April räumt das Tiefbauamt ein, die Laichzeit der Fische nicht ausreichend bedacht zu haben.

Mittwoch, 16.05.2018, 17:05 Uhr

Die grünen Punkte am Ufer sind Teichrosen. Dort haftet der Fischlaich an. Liegen sie trocken, stirbt er ab.
Die grünen Punkte am Ufer sind Teichrosen. Dort haftet der Fischlaich an. Liegen sie trocken, stirbt er ab. Foto: privat

Gut drei Wochen ist es her, dass auf Veranlassung des Tiefbauamts auf dem Wersestück zwischen Sudmühle und Pleistermühle das Wasser abgesenkt wurde. Eine Untersuchung des schon länger als defekt bekannten Wehrs Sudmühle war der Anlass. Problematisch war dabei aber nicht die Maßnahme oder der Anlass, sondern die Zeit, in der die Arbeiten durchgeführt wurden. Denn aufgrund der Wasserabsenkung wurde ein erheblicher Teil des Fischlaichs verschiedener Arten ausgetrocknet und damit vernichtet.

Laichzeit nicht bedacht

Das räumte am Dienstagabend auch Tiefbauamtsleiter Michael Grimm vor dem Ausschuss für Umwelt-, Klimaschutz und Bauwesen ein. „Wir haben die Laichzeit nicht wie erforderlich bedacht“, gestand Grimm, nachdem aus den Reihen des Ausschusses im Vorfeld der Sitzung einige offenbar sehr konkrete Fragen an das Tiefbauamt formuliert worden waren.

Derweil ließ Grimm keine Zweifel an der prinzipiellen Notwendigkeit der Aktion. Eine Kette, die das Wehr halte, müsse repariert werden. Diese sei während der Wasserabsenkung begutachtet worden. Doch die defekte Kette ist nicht der einzige Schaden, der die Verwaltung umtreibt. „Das ganz Wehr ist kaputt“, machte Grimm die Lage deutlich.

Werse-Anwohner retten Fische

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  • Im vertrockneten Bett des Umgehungsbachs an der Pleistermühle versuchen Anwohner, Fische zu retten.

    Foto: Oliver Werner
  • Den Grund für das Fischsterben sehen die Anwohner in den Bauarbeiten am Wehr Sudmühle.

    Foto: Oliver Werner
  • Für Wartungs- und Kontrollarbeiten am wurde das Wehr Sudmühle am Montag heruntergefahren.

    Foto: Stadt Münster
  • Dadurch senkte sich der Wasserstand der Werse zwischen der Sudmühle und der Pleistermühle um etwa einen Meter.

    Foto: privat
  • Der Umgehungsbach an der Pleistermühle, der 2001 angelegt worden war, um es Fischen zu ermöglichen wieder gegen den Strom in den Oberlauf der Werse zu schwimmen, trocknete beinahe ganz aus.

    Foto: Oliver Werner
  • Durch das Absenken des Wasserstands liegen die ufernahen Teichrosen, die von den Fischen als Laichablage genutzt werden, auf dem Trockenen. „Für den Laich kommt jede Hilfe zu spät. Diese Generation geht verloren“, sagt Olaf Niepagenkemper vom Landesfischereiverband NRW.

    Foto: privat
  • An der Pleistermühle kämpfen Anwohner um jeden Fisch.

    Foto: Oliver Werner
  • Conny Böckenholt fischte rund 20 bis zu drei Kilogramm schwere Fische aus dem beinahe ausgetrockneten Bachlauf,...

    Foto: Oliver Werner
  • ...andere Nachbarn transportierten sie in Wassereimer in den Werselauf zurück.

    Foto: Oliver Werner

Wie soll es weitergehen?

Um sich ein Bild der Schäden machen zu können, seien im April auch „Boden- und Betonerkundungen“ vorgenommen worden. Man müsse überlegen, wie es überhaupt mit dem Wehr Sudmühle weitergeht, so Grimm der die nahenden Arbeiten an der Kette lediglich als „Notreparatur“ bezeichnete.

Bereits 2015 hatte man das Wasser auf dem Teilstück abgesenkt – damals ohne Folgen, wie Grimm bemerkte. Und auch im Herbst diesen Jahres steht wegen der ausstehenden Arbeiten wohl noch eine weitere Absenkung des Wasserstandes an. Auch diese hält die Verwaltung nach eigenen Angaben für unproblematisch.

In der Laichzeit der Tiere wolle man in Zukunft allerdings keine Absenkungen mehr vornehmen. Grimm dazu: „Das würden wir so nicht wieder machen.“

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