Pension Schmidt Chemiker referiert über Radioaktivität
Szene-Kneipe wird zum Hörsaal

Münster -

Radioaktivität ist überall. Zu viel davon sollte man nicht mitbekommen. In Maßen dosiert, kann sie medizinisch nützlich sein. Der Chemiker Dr. Andreas Faust sprach über das Thema in der Pension Schmidt.

Donnerstag, 17.05.2018, 13:05 Uhr

In der Szene-Kneipe „Pension Schmidt“ sprach Dr. Andreas Faust (stehend) über das Thema Radioaktivität. Das Publikum hörte gebannt zu.
In der Szene-Kneipe „Pension Schmidt“ sprach Dr. Andreas Faust (stehend) über das Thema Radioaktivität. Das Publikum hörte gebannt zu. Foto: WWU Münster/Erk Wibberg

In der Veranstaltungsreihe „Münsters Wissen frisch gezapft“ erzählen Forscher der Uni Münster in Bars und Restaurants Spannendes aus der Wissenschaft. Dr. Andreas Faust bestritt jetzt die Premiere in der Pension Schmidt. Der Chemiker arbeitet am Exzellenzcluster „Cells in Motion“ der Uni Münster. Sein Forschungsgebiet und Thema des Abends: Radioaktivität.

Im Laufe seines Vortrags gelang es ihm aufzuzeigen, dass dieses heikle Thema nicht nur ein natürliches Phänomen ist, sondern besonders in der Medizin überraschend nützlich sein kann. In der medizinischen Diagnostik kann Radioaktivität – in Verbindung mit der richtigen Substanz – helfen, bisher nicht Fassbares nach außen sichtbar zu machen.

Wir alle seien im Alltag von natürlicher Radioaktivität umgeben, Radon dampfe überall aus der Erde. Sie habe deswegen zu Unrecht einen schlechten Ruf, so der Wissenschaftler. Je nachdem wo man lebe, sei man allerdings unterschiedlich hoher Strahlung ausgesetzt. In Hamburg sei sie beispielsweise moderat, in Mexico City schon weitaus höher, und wer den Mount Everest besteige oder einen Transatlantikflug mache, sei nochmals mehr Strahlung ausgesetzt. Es gilt: Die Dosis macht das Gift.

Selbst beim Zigarettenrauchen komme man mit Radioaktivität in Berührung. Tabakpflanzen ziehen Polonium und Blei aus dem Boden. Durch den Konsum von 20 Zigaretten pro Tag werde die Lunge im Jahr fünfmal mehr belastet als die höchsten Grenzwerte zulassen.

Die medizinische Verwendung sei hingegen unbedenklich, meinte Faust. Tumore durch die Injektion radioaktiver Substanzen zu finden, sei medizinischer Alltag. Einen Tumor erkenne man daran, dass sich an einer betroffenen Stelle im Körper besonders viel der gespritzten Substanz anreichere.

Bisher konnten keine gesundheitlichen Konsequenzen festgestellt werden, so Faust. Häufig sei man sogar bei einer CT-Untersuchung größerer Strahlung ausgesetzt. Durch eine Radiojodtherapie könne man schon heute Schilddrüsenerkrankungen mittels Radioaktivität bekämpfen. Da radioaktives Jod nur in der Schilddrüse angereichert werde, finde es seinen Weg automatisch. Bei richtiger Dosierung der Radioaktivität blieben die gesunden Zellen mehr oder weniger unbehelligt zurück, während die Tumorzellen zerstört würden.

Für die Zukunft forschen Wissenschaftler wie Dr. Andreas Faust nun daran, sichtbar zu machen, ob eine Entzündung im Körper durch Bakterien ausgelöst wird oder nicht. Dies sei wichtig, um zu wissen, wie man sie am besten therapiere. Dieses Vorgehen wäre absolut nicht-invasiv und könnte aufwendige Biopsien ersetzen. Radioaktivität könnte außerdem die Lösung sein, um antibiotikaresistente Keime zu töten.

Im Anschluss an den Vortrag in der Szene-Kneipe hatten die Besucher die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit dem Forscher ins Gespräch zu kommen. Organisiert wurden die Veranstaltungen von Nachwuchsforschern des Exzellenzclusters „Cells in Motion“, um den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern.

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