Buchsbaumsterben in Münster
Pflanzen „nicht mehr zu retten“

Münster -

Zünsler und Pilz vernichten aktuell in Münster auch die noch verbliebenen Buchsbaumbestände. Die Gärtner raten zur Ersatzbepflanzung, weil nur mit einer dauerhaften chemischen keule Buchsbäume gerettet werden könnten.

Dienstag, 29.05.2018, 07:32 Uhr

Schweren Herzens nimmt Hobbygärtner Andreas Örtker Abschied von seinen geliebten Buchsbäumen. Pilz und Zünsler haben den gesamten Bestand vernichtet, nun setzt er auf eine Alternativbepflanzung.
Schweren Herzens nimmt Hobbygärtner Andreas Örtker Abschied von seinen geliebten Buchsbäumen. Pilz und Zünsler haben den gesamten Bestand vernichtet, nun setzt er auf eine Alternativbepflanzung. Foto: hpe

Für Andreas Örtker ist es „ein Trauerspiel“. Mit Hacke und Spaten gräbt der Hiltruper seine über Jahre liebevoll gepflegten und in Form beschnittenen Buchsbäume aus, weil sie „nicht mehr zu retten sind“. Der so genannte Buxicola-Pilz hat zunächst die Blätter braun verfärbt, danach fallen sie ab und die Triebe sterben. „Selbst ein radikaler Rückschnitt hat nichts gebracht“, meint Örtker.

Nun hat er auch noch die oberste Bodenschicht unter seine ehemaligen Rasenrandbepflanzung abgetragen, „sicher ist sicher“, sagt der Hobbygärtner. Neben dem Pilz ist seit März ein zweiter Schädling aktiv, der schon seit Jahren eine Plage für alle Buchsbaumfreunde ist. Die sich rasant vermehrende Zünslerraupe legt ihre Gespinste um die Blätter und frisst sie kahl. Selbst das als „Geheimwaffe“ in den letzten Monaten stark propagierte Gegenmittel Algenkalk als Ersatz für chemisch brisante und ohnehin in Privatgärten nicht erlaubte Pflanzenschutzmittel hat versagt. „Wir haben uns von den Buchsbäumen verabschiedet“, sagt Örtkers Frau Claudia Wessel .

Es gibt Ersatz, der ist allerdings teuer

Als Ersatz für die eigentlich robusten und winterharten Immergrün-Pflanzen setzt Örtker nun auf Alternativen, die allerdings nicht ganz billig als Jungpflanze sind. Der Ilex Crenata, auch „japanische Hülse“ genannt, sieht dem Buchsbaum zum Verwechseln ähnlich, ist aber unempfindlich gegen Schädlinge. Und der Ilex steht nicht auf dem „Speiseplan“ von Zünsler und Pilz, sie haben sich auf den klassischen Buchsbaum spezialisiert und befallen andere Gartenpflanzen nicht.

Die städtischen Abfallwirtschaftsbetriebe raten zur Entsorgung über die monatliche Grüngutabfuhr oder eine Anlieferung, in Plastiksäcken verpackt, an die Recyclinghöfe. In der Behandlungsanlage werden Eier, Larven und Puppen des Zünslers ebenso wie der Pilz durch die Kompostierung bei 65 Grad vernichtet. Von einer Eigenkompostierung der befallenen Buchsbäume raten die Abfallexperten ab, weil nicht die erforderlichen Temperaturen zur Vernichtung erreicht werden.

Bekämpfung von Zünsler und Pilz sehr aufwendig

Kreisgärtnermeister Martin Dahlmann empfiehlt ebenfalls eine Ersatzbepflanzung. „Nur wenn man den Schädling dauerhaft Woche für Woche bekämpfen würde, hätte man überhaupt eine reelle Chance gegen den Zünsler oder den Pilz. Aber das nützt wenig, wenn es der Nachbar nicht auch tut“, so Dahlmann. Die von einer Buchsbaum-Lieferung aus China eingeschleppten Schädlinge schwächen die Bestände seit Jahren. „Wir verkaufen bei uns in der Gärtnerei jetzt keine Buchsbäume mehr, weil wir das nicht mehr guten Gewissens unseren Kunden gegenüber tun können“, so Dahlmann. Weil die Raupe keine natürlichen Feinde hat, ist Dahlmann auch pessimistisch, irgendwann mal wieder den Buchsbaum anbieten zu können. „Die Nachfrage ist ohnehin gleich null“, sagt Dahlmann.

Ulrich Kleine-Bösing vom städtischen Grünflächenamt hat nur noch wenig Buchsbaumbestände im kommunalen „Revier“. Weil die Stadt sich seit vielen Jahren dazu verpflichtet hat, keine Pflanzenschutzmittel mehr einzusetzen, habe man keine Chance gegen Pilz und Raupe. Kleine-Bösing wird auch im heimischen Garten die letzten Buchsbäume ausgraben: „Sehr schade drum, aber alternativlos.“

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