Deutsche Fußball-Route
Der Glanz des Fußballs verblasst in Münster

Münster -

Münster glänzt nicht gerade im Fußball. Sinnbildlich für diese Misere steht der Zustand der Deutschen Fußball-Route in der Stadt: Die Schautafeln sind beschädigt oder ganz verschwunden. Wahrlich kein Ruhmesblatt!

Freitag, 13.07.2018, 18:07 Uhr

Deutsche Fußball-Route: Der Glanz des Fußballs verblasst in Münster
In beklagenswertem Zustand befindet sich die Deutsche Fußball-Route in Münster. Foto: Oliver Werner

Den Anhängern des Fußball-Drittligisten Preußen Münster wird seit Jahren sportliche Schmalkost serviert. Von der leidigen Stadion-Debatte ganz zu schweigen. Dabei zählt der ruhmreiche Club bekanntermaßen zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga 1963 – und hatte zwölf Jahre zuvor im Finale um die Deutschen Meisterschaft vor 107 000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion diesen Titel höchst unglücklich verpasst. Immerhin brachten diese längst vergangenen Erfolge den Traditionsverein und die Stadt Münster im Jahr 2006 auf die Landkarte der Deutschen Fußball-Route NRW – als einen von 15 Orten im fußballverrückten Bundesland zwischen Rhein und Weser.

Ursprünglich elf Stationen waren in Münster ausgeschildert, an denen dem Fußball in der Domstadt ein besonderer Stellenwert zugeschrieben wird. Darunter befindet sich beispielsweise das Wohnhaus der im Jahr 2007 verstorbenen Preußen-Legende „Fiffi“ Gerritzen an der Diepenbrockstraße, der als Miterfinder des Doppelpasses gilt.

Fußball-Route in Münster

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  • Die Deutsche Fußball-Route in Münster befindet sich in einem schlechten Zustand.

    Foto: Oliver Werner
  • Vor dem Wohnhaus der verstorbenen Preußen-Legende Felix „Fiffi“ Gerritzen hat sich eine Schautafel versteckt.

    Foto: Oliver Werner
  • Wer an der Diepenbrockstraße die Erinnerung an den Stürmer sehen will,...

    Foto: Oliver Werner
  • ...muss seinen Blick durch die Botanik bohren.

    Foto: Oliver Werner
  • Auch die Schautafel am Schloss – Sinnbild für die Uni, an der Nationaltorwart Jens Lehmann studiert hat – ist...

    Foto: Oliver Werner
  • ...deutlich ramponiert.

    Foto: Oliver Werner
  • 2006 wurden in Münster elf dieser Stationen eingerichtet.

    Foto: Oliver Werner
  • Am Hauptbahnhof etwa ist die Schautafel im Zuge des Neubaus der Eingangshalle verschwunden.

    Foto: Oliver Werner

Schautafel sang- und klanglos verschwunden

Auch der Hauptbahnhof zählt zu den auf diese Weise hervorgehobenen Stätten der münsterischen Fußball-Kultur: Hier wurde die Mannschaft mit dem Adler auf der Brust in fast vergessenen Zeiten schon mal begeistert empfangen, hier vergaß der Verein aber tatsächlich auch seinen neu verpflichteten Trainer, die Torwart-Legende Bernd Trautmann, abzuholen.

Als Münster fußballbegeistert war

„Münster ist schon immer Fußballstadt gewesen.“ Rund um die Endrunde zur Deutschen Fußballmeisterschaft 1951 beschrieben die Westfälischen Nachrichten so die zu dieser Zeit herrschende Stimmung, auch nachzulesen im Buch „100 Jahre Preußen Münster“ von Hubert Dahlkamp und Dietrich Schulze-Marmeling. Heutzutage scheint dies in der Stadt von Wissenschaft und Lebensart weit weg zu sein. Doch damals hieß es: Man „spürte auch, wie einer nach dem anderen in der aus Trümmern zu neuem Leben erwachten Provinzialhauptstadt von dieser fußballsportlichen Besessenheit ergriffen wurde. Wo man auch war und sich unterhielt, ob auf der Straße, in den Büros und auf den Baustellen, nicht zu vergessen die ,Bierbankstrategen‘: Alles drehte sich um die eine und einen jeden bewegende Frage: Wird es Preußen Münster schaffen?“ Letztere Frage hat zwar bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Allein die Stimmung war vor fast 70 Jahren wohl eine andere, als sich zu den Spielen noch mehr als 40 000 Zuschauer in das Preußen-Stadion an der Hammer Straße drängten.

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Die Tafel am Hauptbahnhof, die an solche Ereignisse erinnerte, ist unlängst aber sang- und klanglos verschwunden – so wie andernorts. Womöglich ist es nicht einmal ganz so vielen in der Stadt aufgefallen. Auch an anderen Stellen stehen die Schautafeln der münsterischen Fußball-Historie sinnbildlich für Niedergang, etwa besprüht am Preußen-Stadion oder teils zerbrochen unweit des Schlosses. Weil dort einst der spätere Nationaltorwart Jens Lehmann studiert hatte, fand sich die Örtlichkeit ebenfalls auf der Karte wieder.

Die Fußball-Route in Münster genießt offenbar keinen sonderlich guten Ruf: Auf der Suche nach dem vermeintlich verlorenen Schild am Hauptbahnhof räumt Petra Panske von Münster-Marketing jedenfalls ein: „Zur Fußball-Route bekommen wir überhaupt keine Anfragen.“

Fußballerisch dürften Städte wie Dortmund, Mönchengladbach oder Köln gewiss einen besseren Klang haben als Münster. Doch die Misere der heimischen Kicker entpuppt sich dann doch nicht als Grund für das Verschwinden der Fußball-Station Hauptbahnhof. Wie so häufig liegt die Wahrheit auch in diesem Fall im wahrsten Sinn des Wortes auf dem Platz: Denn im Zuge der Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes ist das Schild laut Panske eingeholt worden – auf unbestimmt Zeit.

„Wir halten den Ball hoch“

Obwohl sich das Interesse in Münster an der Fußball-Route in engen Grenzen zu halten scheint, verspricht die Münster-Tourismus-Werberin: „Wir halten den Ball hoch.“ Mit anderen Worten: Irgendwann soll der Hauptbahnhof wieder in der Fußball-Route auftauchen. An welcher Stelle genau bleibt zunächst offen: „Schließlich wollen wir keinen Schilderwald“, so Panske.

Ohnehin würde es manchen Preußen-Anhänger mehr freuen, wenn sich die aktuellen Adlerträger in der Tabelle als Aushängeschild präsentieren würden – und sich das leidige Stadion-Thema noch zu Lebzeiten erledigen sollte.

Fußball-Route

Kurz bevor im Sommer 2006 die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland begann, wurde Münster als vorletzte Station in die Deutsche Fußball-Route NRW aufgenommen. Deren Ziel war es, „das Fußballland Nummer eins in Deutschland“ erfahrbar und „dabei NRW in seiner ganzen landschaftlichen und städtebaulichen Vielfalt erlebbar“ zu machen, wie es auf der Homepage der Aktion heißt. Für die Stadt Münster entstanden damals praktisch keine Kosten; eine Tatsache, die das Mitmachen einst deutlich erleichterte, wie es eher reserviert bei Münster-Marketing heißt. Inzwischen stößt die Fußball-Tour durch Münster kaum noch auf Interesse. Auch bei den angebotenen Stadtführungen in der Kultur- und TV-Krimi-Stadt Münster spielt das Thema Fußball keine nennenswerte Rolle.

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