Knöllchen für Radfahrer
Ein gut investiertes Verwarngeld

Münster -

Zehn Euro muss Frank Kummer zahlen für ein „Vergehen“, das ihm irgendwie nicht einleuchtet. Seine Verwarnung ruft bei dem Radfahrer große Unklarheit hervor.

Montag, 13.08.2018, 15:49 Uhr

Als Frank Kummer verwarnt wurde, sah es am "Tatort" noch so aus....
Als Frank Kummer verwarnt wurde, sah es am "Tatort" noch so aus.... Foto: Frank Kummer

Frank Kummer musste als Radfahrer zehn Euro Verwarngeld zahlen. Das hat ihn so geärgert, dass er unserer Redaktion gleich vier Mails mit Unterlagen geschickt hat. Der Fall ist spannend, aber in gewisser Weise auch eindeutig: Frank Kummer hat keine Chance, die zehn Euro erstattet zu bekommen. Aber die Klarheit, zu der sein Ärger und seine Beschwerde beigetragen hat, rechtfertigt eine Berichterstattung.

Etwas flapsig ausgedrückt: Für zehn Euro ist sein „Fall“ in die Zeitung gekommen.

Also, was ist passiert? Frank Kummer überquert – wie so oft – mit dem Fahrrad die Hammer Straße in Höhe der Einbiegung Geiststraße, biegt dann nach rechts, fährt wenige Meter – wie so oft – auf der „falschen“ Seite des Radweges, um dann in Richtung Geistmarkt abzubiegen.

Schild nicht sichtbar

Genau an dieser Stelle kommt die Polizei ins Spiel: Sie hält Frank Kummer an und kassiert besagte zehn Euro. Das Argument der Polizei: Bedingt durch eine Baustelle sei die Möglichkeit, an dieser Stelle den Radweg in beide Richtungen zu benutzen, aufgehoben.

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Nach der Verwarnung für den Radler sorgt nun ein Verbortsschild für Klarheit. Foto: Frank Kummer

Frank Kummer erkundet sodann die Umgehung und stellt fest, dass es in der Nähe zwar ein Schild gibt, das auf das Ende des Radweges hinweist. Dieses steht aber so auf dem Radweg, dass es für Radler, die die Straße an der Ampel überqueren, nicht sichtbar ist.

Auf eine entsprechende Beschwerde im Polizeipräsidium bekommt er dann folgende schriftliche Antwort: „Die ehemalige Markierung des gegenläufigen Radweges ist durch die Baustelle nicht mehr sichtbar. Eine Beschilderung, dass Radfahrer gegenläufig fahren dürfen, ist nicht vorhanden.“

Verbotsschild aufgestellt

Etwas barsch fügt die Sachbearbeiterin hinzu: „Ich sehe keine Veranlassung, Ihnen das gezahlte Verwarngeld zurück zu erstatten, zumal es sich um einen abgeschlossenen Vorgang handelt.“

Eine Woche nach dem besagten Vorfall schnellt der Adrenalinspiegel des Münsteraners noch einmal hoch, als er sieht, dass an der Stelle, an der er erwischt und verwarnt wurde, jetzt ein unmissverständliches Verbotsschild hängt.

Hat die Polizei also doch ein schlechtes Gewissen bekommen?

Frank Kummer wird die zehn Euro nicht wiedersehen, aber etwas anderes treibt ihn um, so sein Wortlaut in der vierten und letzten Mail: „Der staatsbürgerliche Erkenntnisgewinn ist enorm. Wie auch immer, es grüßt Frank Kummer.“

Regeln auf Fahrradstraßen

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  • Was ist denn eine Fahrradstraße? Mit diesem Schild können viele Verkehrsteilnehmer wenig anfangen. 1997 wurden durch die sogenannte Fahrrad-Novelle der Straßenverkehrsordnung die Regeln für Fahrradstraßen festgelegt:

    Foto: dpa
  • Als Fahrradstraßen werden Straßen bezeichnet, die vorrangig für den Radverkehr vorgesehen sind.  Sie sollen Vorteile gegenüber dem Kfz-Verkehr schaffen und so auch zu mehr Sicherheit für Radfahrer führen.

    Foto: Jan Hullmann
  • In Deutschland ist die Nutzung einer solchen Fahrradstraße dem Radverkehr vorbehalten. Radfahrer dürfen hier auch nebeneinander fahren.

    Foto: Michael Grottendieck
  • Soll die Straße auch durch andere Fahrzeuge befahren werden, muss dies durch Zusatzzeichen ausgeschildert sein. So kann zum Beispiel der Autoverkehr für Anlieger oder nur in eine Richtung erlaubt sein.

    Foto: Jan Hullmann
  • Radfahrer haben auf einer Fahrradstraße Vorrang vor Autos und anderen Fahrzeugen, welche diese Straße benutzen. Doch dies bedeutet nicht, dass Fahrradfahrer auch an Kreuzungen Vorfahrt haben, hier gilt – sofern nichts anderes ausgeschildert wurde – „rechts vor links“.

    Foto: Jan Hullmann
  • Andere Kraftfahrer müssen sich auf der Fahrradstraße dem Radverkehr anpassen, sodass ein Behinderung oder Gefährdung der Radfahrer vermieden wird. Das gilt insbesondere auch für Überholvorgänge. Dabei muss ein ausreichender Seitenabstand - laut Rechtsprechung mindestens  1,5 Meter - eingehalten werden.

    Foto: Tobias Denne (Archiv)
  • Auf einer Fahrradstraße muss die Geschwindigkeit von Kraftfahrzeugen  immer angepasst sein. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf Fahrradstraßen beträgt darüber hinaus immer 30 km/h. Darauf weist auch dieses Schild am Lindberghweg in Münster hin.

    Foto: Stadt Münster (Archiv)
  • Zu den zwölf bestehenden Fahrradstraßen in Münster sollen noch zehn weitere hinzukommen.

    Foto: Martin Kalitschke, Grafik: Jürgen Christ
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