Dieter Alke lebte im Hüfferstift
Auf der Suche nach der Kindheit

Münster -

Der Münsteraner Dieter Alke lebte nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Eltern und seinen Geschwistern im Dachgeschoss des Hüfferstifts. Nun ist er zum ersten Mal seit 70 Jahren an den Ort seiner Kindheit zurückgekehrt.

Mittwoch, 15.08.2018, 12:00 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 15.08.2018, 12:00 Uhr
Dieter Alke vor dem Hüfferstift, in dem heute Einrichtungen der Fachhochschule und der Universität untergebracht sind. Das Gebäude wurde 1903 feierlich eingeweiht.
Dieter Alke vor dem Hüfferstift, in dem heute Einrichtungen der Fachhochschule und der Universität untergebracht sind. Das Gebäude wurde 1903 feierlich eingeweiht. Foto: kal

Mit jeder Treppenstufe nimmt die Anspannung von Dieter Alke zu. „Ich habe Gänsehaut“, sagt der 83-jährige Wolbecker. Schritt für Schritt läuft er seiner Kindheit entgegen. Sie befindet sich im vierten Geschoss des Hüfferstifts. Mehr als zwei Jahre lebte Dieter Alke hier oben unter dem Dach, zusammen mit seinen Eltern und seinen drei Geschwistern. „Meine Frau hat mir heute morgen gesagt: Fang bloß nicht an zu weinen“, sagt Alke. Er weint nicht, aber er ist tief bewegt, als er endlich dort steht, wo er zuletzt vor 70 Jahren war.

Heute sind im Hüfferstift Einrichtungen von Universität und Fachhochschule untergebracht. Zuvor diente das Gebäude 80 Jahre lang als orthopädische Heilanstalt – und für deren Mitarbeiter gab es auch ein paar Wohnungen.

Wohnung im Dachgeschoss bezogen

In einer von ihnen wohnten die Alkes. „Während des Krieges verließen wir unsere Wohnung am Sentmaringer Weg und zogen nach Lemgo. Doch als wir zurückkehrten, lebten dort Fremde“, erzählt Alke. Nachdem der Vater im Hüfferstift als Krankenpfleger eingestellt wurde, konnte die Familie eine Wohnung im Dachgeschoss beziehen.

In dem Zimmer hinter dem weißen Erker (oben rechts) befand sich das Schlafzimmer von Dieter alkes Eltern.

In dem Zimmer hinter dem weißen Erker (oben rechts) befand sich das Schlafzimmer von Dieter alkes Eltern. Foto: kal

„Drei Räume“, erinnert sich Alke. „Ein Esszimmer mit Küche, ein Schlafzimmer für die Eltern und meine Schwester, ein Schlafzimmer für die drei Jungs.“ Zwei Jahre blieb die Familie hier, dann bezog sie eine Mietwohnung in der Nähe.

Clemensschwestern kümmerten sich damals um das Krankenhaus. Von der Kapelle im Erdgeschoss ist nur noch eine Inschrift über der Eingangstür geblieben. „Natürlich war ich Messdiener“, sagt Alke. „Jeden Morgen um 6.30 Uhr. Danach gab es in der Küche im Keller Bütterchen und warme Milch.“ Wie die Kapelle gibt es auch die Küche im Keller längst nicht mehr.

Dieter Alke blickt in den Hof des Hüfferstifts. Hier lebten nach dem Krieg Schweine, an die Essensreste verfüttert wurden.

Dieter Alke blickt in den Hof des Hüfferstifts. Hier lebten nach dem Krieg Schweine, an die Essensreste verfüttert wurden. Foto: kal

 „Da oben, da war meine Kindheit“

Und was ist mit der Wohnung? Als Alke die vierte Etage erreicht hat, fällt es ihm schwer, sich zu orientieren. Zu oft wurde umgebaut, kaum noch etwas erinnert an damals. Immerhin: Die Terrasse, auf der die Clemensschwestern saßen, ist noch da, und auch das Dach, unter dem sich die Wohnung befand, erkennt er sofort.

Der Hausmeister schließt eine Tür nach der nächsten auf, doch keine führt dorthin, wo Alke einst mit seiner Familie lebte. Hinter manchen Türen sind heute Büros, andere sind zugemauert. Alke wirkt ein wenig enttäuscht.

Doch draußen, auf der Straße, erkennt er die alte Wohnung mit einem Mal wieder. „Da ist sie“, sagt er und zeigt auf einen weißen Erker. „Dort war das Schlafzimmer meiner Eltern.“ Von innen ist der Bereich leider nicht zu erreichen, doch dem 83-Jährigen reicht der Blick auf das Fenster, durch das einst seine Mutter auf die Straße schaute. „Da oben, da war meine Kindheit“, sagt Dieter Alke. Aus der Ferne sieht alles so aus wie damals. Mit einem Mal ist die Gänsehaut verschwunden – und er ist einfach nur glücklich.

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