Die Frage nach dem Unterschied
Vom „Mensch im Tier“

Münster -

Verhaltensbiologe Norbert Sachser hat die wichtigsten Erkenntnisse seiner Studien mit verschiedenen Tierarten jetzt in einem populärwissenschaftlichen Buch zusammengefasst.

Dienstag, 28.08.2018, 22:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 28.08.2018, 22:00 Uhr
Norbert Sachser
Norbert Sachser Foto: Grever

Tiere, nicht nur Haustiere, zeigen bisweilen menschliche Eigenschaften. Norbert Sachser kennt sich auf diesem Gebiet besonders gut aus. Der Leiter des Instituts für Verhaltensbiologe von der Universität Münster ist wissenschaftlicher Experte für Menschliches im Tier. Die wichtigsten Erkenntnisse seiner jahrzehntelangen Verhaltensstudien mit verschiedenen Tierarten hat Sachser jetzt in einem populärwissenschaftlichen Buch zusammengefasst. Der Titel, dessen Cover der Kopf eines „schlauen“ Fuchses ziert, lautet folgerichtig „Der Mensch im Tier“.

Bei seinen Beobachtungen von Säugetieren stößt Sachser so auf viel menschliche Eigenarten, dass die Frage, was uns eigentlich noch von den Tieren unterscheidet, auf der Hand liegt.

Lebensbedingungen in der Kindheit beeinflussen Verhalten der Tiere

Sachser erzählt von der Veränderung des Tierbildes und stellt fest, dass die nahe Verwandtschaft zu Säugetieren mit den im Lauf der Zeit gewonnenen Erkenntnissen höhere Akzeptanz findet. Völlig zu Recht, wie er darlegt: Durch sein gesamtes Forscherleben zieht sich die Arbeit mit Meerschweinchen. Sie gelten zwar nicht als die klügsten Säuger, eignen sich aber wegen ihres interessanten Sozialverhaltens und der schnellen Reproduktion bestens als Studienobjekte.

Sachser legt in seinem Buch dar, wie die Lebensbedingungen in der Kindheit und sogar pränatale Umwelteinflüsse das Verhalten der Tiere beeinflussen. So schildert er, wie genetisch dumme Mäuse in einer anregenden Umgebung klüger reagieren als per Erbgut besser ausgestattete Exemplare, die unter weniger positiven Bedingungen leben. Die Verhaltensbiologie hat nachgewiesen, dass fast alle Tiere lernfähig sind. Viele können denken, haben Emotionen und eine Persönlichkeit, benutzen bisweilen Werkzeuge und geben Fertigkeiten an ihre Jungen weiter. Affen entwickeln gar ein Ich-Bewusstsein, erkennen sich im Spiegel.

Tiere reflektieren nicht über größere Zusammenhänge

Kein Wunder, dass Norbert Sachser seinem Resümee den Titel „Tiere wie wir“ voranstellt, auch wenn er feststellt, dass kein Tier, wie der Mensch, über die Welt und größere Zusammenhänge reflektiere.

Die Frage, was angesichts der verhaltensbiologischen Erkenntnisse für das Verhältnis des Menschen zum Tier folgen sollte, beantwortet Sachser nicht. Wie nah sich der Mensch dem Tier fühle, sei letztlich eine Frage, die jeder selbst beantworten müsse.

Zum Thema

Norbert Sachser: Der Mensch im Tier. Warum Tiere uns im Denken, Fühlen und Verhalten oft so ähnlich sind, Rowohlt-Verlag, 20 Euro.

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