Juristentreffen des Bischofs im Franz-Hitze-Haus
Wie umgehen mit Religion?

Münster -

Anspruchsvollere Diskussionen über die Rolle der Religion und ihr Verhältnis zum Staat hat Prof. Hans Michael Heinig von der Universität Göttingen in der Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster gefordert. Heinig sprach beim Juristentreffen des Bistums Münster, an dem auf Einladung von Bischof Dr. Felix Genn mehr als 200 Rechtsanwälte, Richter, Notare und Justiziare aus dem Bistum teilnahmen.

Montag, 17.09.2018, 16:04 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 17.09.2018, 16:04 Uhr
Juristentag des Bischofs: Antonius Kerkhoff (Akademie Franz-Hitze-Haus), Prof. Dr. Gernot Sydow, Prof. Dr. Hans Michael Heinig, Bischof Dr. Felix Genn, Maria Kröger (Franz-Hitze-Haus) und Generalvikar Dr. Norbert Köster tauschten sich über „Religionsrechtliche Ordnungen und zukünftige Bewährungsproben“ aus.
Juristentag des Bischofs: Antonius Kerkhoff (Akademie Franz-Hitze-Haus), Prof. Dr. Gernot Sydow, Prof. Dr. Hans Michael Heinig, Bischof Dr. Felix Genn, Maria Kröger (Franz-Hitze-Haus) und Generalvikar Dr. Norbert Köster tauschten sich über „Religionsrechtliche Ordnungen und zukünftige Bewährungsproben“ aus. Foto: pbm/acl

Das Treffen stand unter dem Thema „Säkular, aber nicht säkularistisch“. Zu Beginn begrüßte Bischof Genn die Juristen. „Das ist ein gesellschaftlich virulentes Thema, das für uns als Kirche von existenzieller Bedeutung ist“, erklärte Genn. Als das Grundgesetz und die darin festgeschriebene Offenheit des Staates gegenüber allen Religionen und Weltanschauungen verabschiedet worden sei, sei eine Kirchenmitgliedschaft „quasi selbstverständlich“ gewesen. „Das hat sich gravierend verändert: Die Bindung an die Kirche schwindet.“

Genn sprach von einer „Umbruchsituation mit erheblichem Druck auf die bisher praktizierende Art, Religion im öffentlichen Raum staatlicherseits zu ermöglichen“. Die Kirche müsse immer wieder die eigene Positionierung bedenken, um gesellschaftlichen Kräften entgegenzuwirken, die eine radikale andere religionspolitische Ordnung fordern. „Wie kann das gelingen? Und wie reagieren wir auf Akteure, die bezweifeln, dass religiöse und nicht-religiöse Menschen mit gleichem Recht an demokratischer Auseinandersetzung teilnehmen dürfen? Diese Fragen bewegen nicht nur einen Bischof, sondern uns alle“, erklärte Genn.

Mit einem Blick in parteipolitische Debatten stellte Heinig zwei entgegengesetzte religionspolitische Modelle vor. Hierarchische Ansätze, bei dem Vertreter danach fragen, welchen Beitrag die Religionsgemeinschaften für die Umsetzung der freiheitlichen Verfassungsordnung erbringen, findet nach Meinung des Referenten Widerhall in den islamkritischen Debatten der „Alternative für Deutschland“ (AfD). „Im Wahlprogramm lässt sich erkennen, in welche Sackgassen dieses Modell führt“, sagte Heinig.

So sei immer wieder zu hören, dass der Islam von der Religionsfreiheit nicht geschützt werde. Den Islam kenne das Grundgesetz aber ebenso wenig wie das Christentum oder die Kirche, verdeutlichte er. „Der Religionsbegriff ist offen für unterschiedliche religiöse Selbstverständnisse, insbesondere schützt er auch Minderheiten.“ Die freiheitliche Verfassungsordnung verlange vom Staat, dass er den Einzelfall in den Blick nehme, führte Heinig weiter aus. „Folge­richtig werden in Deutschland einzelne Moscheegemeinden als verfassungsfeindlich verboten, andere werden vom Verfassungsschutz beobachtet, und mit dritten kooperiert der Staat in der Sozial-, Integrations- und Bildungsarbeit.“

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